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Von der Oberliga in die Oberliga

Der 1. FC Lokomotive Leipzig feiert seine Gründung vor 50 Jahren

Die Lok-Mannschaft in London auf dem Highgate Cemetery am Grab von Karl Marx. Credits: 50 Jahre 1. FC Lokomotive Leipzig. Die Chronik in Bildern Größeres Bild

Zurück zu den Ursprüngen hieß es am Mittwochmittag im Hauptbahnhof. Vor 50 Jahren fanden sich im dortigen Kulturraum eine Menge Männer ein, um den 1. FC Lokomotive Leipzig ins Leben zu rufen.

Laut Gründungsprotokoll begann damit »eine neue Etappe in der weiteren Entwicklung des Fußballsportes der Messestadt«, aber auch die »folgerichtige Weiterentwicklung der bestehenden Traditionen auf dem Gebiet des Fußballsportes«. Diese war verbunden mit der »notwendigen Höherentwicklung des fußballerischen Könnens«. Somit sollten die Vorgaben erfüllt werden, die der III. Verbandstag des Deutschen Fußball Verbandes verabschiedet hatte: höheres Spielniveau und intensive Nachwuchsarbeit. Ein Leistungszentrum pro Bezirksstadt (abgesehen von der Hauptstadt, da durften es drei sein) verbunden mit einem eigenständigen Fußballverein sollten neuen Glanz in der höchsten DDR-Spielklasse – der Oberliga – ebenso garantieren wie in den internationalen Wettbewerben mit DDR-Beteiligung. Für eine Saison wurden die Regularien ausgesetzt, so dass wie in Leipzig aus dem SC Leipzig der FC Lokomotive entstehen konnte, der alle 19 Mannschaften des SC vom Juniorenbereich bis zur Oberligamannschaft übernahm.

In der Neuen Fußballwoche vom 25. Januar 1966 war zur Leipziger Gründung zu lesen: »Die Qualität des Nachwuchses von heute bestimmt das Spitzenniveau unseres Fußballsports von morgen.« Aber – wie der heutigen Zeit nicht unbekannt – es gig nicht nur um die Zukunft, sondern auch um die Vergangenheit. So war gleich zu Beginn auch der Aufbau einer Traditionsmannschaft mit Spielern wie Heinz Fröhlich, Siegfried Fietke oder Georg Zenker vorgesehen.

Zuhause in Probstheida schaute der Neuling auf eine lange Geschichte zurück, die wie bei all den anderen Clubs aus Stückwerk bestand. Auch seit der Gründung vor 50 Jahren beherrschen viele Erfolge wie Misserfolge auf und um den Platz das Vereinsleben in Probstheida. Als Lok Leipzig läuft der Verein seit 2004 wieder auf – begonnen hat er in der 11. Liga. Das alles bietet reichlich Stoff, um Geschichten zu erzählen, die sehr viel weiter reichen als Taktik und Abwehrverhalten, sondern sehr gut Auskunft geben, wie Menschen mit Sport umgehen und welche Formen das enge Verhältnis von Sport, Politik und Gesellschaft annehmen kann. Ein reicher Bildband widmet sich zum Jubiläum nun der Fußballchronik von 1966 bis zur Gegenwart (»Thomas Franke, Markus Hofmann, Matthias Löffler: 50 Jahre 1. FC Lokomotive Leipzig. Die Chronik in Bildern«, erhältlich im Lok-Fanshop und in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung) und pünktlich zur Buchmesse erscheint vom Autorenkollektiv Freundeskreis Probstheida in der Reihe Fußballfibeln der Band zum 1. FC Lokomotive Leipzig (zeitgleich mit dem Band zur BSG Chemie – die Rezensionen zu den Büchern finden sich im logbuch, das dem kreuzer im März beiliegen wird).

Lok begann seine Festivitäten vor wenigen Tagen mit der Aufstellung einer blau-gelben Lok im Bruno-Plache-Stadion.

Der Empfang im Hauptbahnhof folgte. Hier wurden nicht nur die Spieler aus den Anfangsjahren und die der internationalen Jahre neben einer kleiner Abordnung des aktuellen Kaders um Trainer Heiko Scholz begrüßt (Mario Basler war nicht zu sehen), sondern mit Oberbürgermeister Jung, Sportbürgermeister Rosenthal, Sozialbürgermeister Fabian und Polizeipräsident Merbitz jede Menge Politiker sowie Vertreter von der BSG Chemie Leipzig und RB Leipzig.

Lokpräsident Jens Kesseler richtet seinen Blick in die Zukunft: 2020 soll der heutige Tabellenführer der NOFV-Oberliga Süd in der Dritten Liga spielen. Dafür ist der Verein seiner Meinung nach auf einem guten Weg. So gehören seit vergangenem Jahr das Bruno-Plache-Stadion und das Lok-Logo wieder dem Verein. Und er erinnerte an die Möglichkeit von Fußballmärchen – wie es der SV Darmstadt 98 vorlebt. Allerdings nervt ihn »immens« der negative Ruf, da zu den Grundsätzen des Vereins Toleranz und Respekt gehören. Wer dies nicht akzeptiere, sei im Stadion nicht willkommen. Diese Marschroute gab die Vereinsführung seit 2013 nicht erst einmal zu Protokoll. Wer allerdings explizit erklärt, dass der Verein weltoffen und unpolitisch ist, der geht davon aus, dass das Stadion ein unpolitischer Raum sei. Eine mehr als fatale Einschätzung, die allein ein Blick in die Vergangenheit zeigt und zu Weltoffenheit erst recht nicht passt.

Auch der Oberbürgermeister nutzte die Chance für einen Redebeitrag und wünschte von ganzem Herzen den Aufstieg in die Regionalliga. Er würdigte zudem die »unglaublichen Erfolge« und dankte allen, die »den Verein aus den bösen Schlagzeilen herausbringen«, die sich aus »chaotischen Fans und Spielabbrüchen« ergaben. Jung lobte die Vereinsführung für die klare Haltung nach dem 11. Januar, dass es sich bei denjenigen, die brandstiftend durch Connewitz zogen, nicht um Lok-Fans handelte. Im Anschluss schilderte er – obzwar zwischen den Zeilen – den Kern des Vereinsproblems: Bei einem privaten Sonntagsspaziergang beobachtete er sehr skeptisch wie ein Golf mit L-OK-Kennzeichen und hoher Geschwindigkeit auf ihn zugedonnert kam, um dann neben ihm zu halten. Die jungen Männer erklärten ihm, dass sie seine bekennende RB-Nähe nicht gut fänden, aber sie trotzdem zu ihm stünden. Jung war vom »differenzierten« Denken dieser Fans fasziniert. Ob das schon reicht, wird die Zukunft zeigen.

BRITT SCHLEHAHN

Wir verlosen ein Exemplar des Bildbandes »50 Jahre 1. FC Lokomotive Leipzig. Die Chronik in Bildern« und wollen wissen – mit Blick auf das zum Text gehörige Foto –: Wann besuchte die Lok-Mannschaft das Grab von Karl Marx auf dem Highgate Cemetery?
Die Antwort bitte an sport@kreuzer-leipzig.de senden

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