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Internet Killed the Video Store

Die Programmvideothek Memento schließt Ende Februar

Claudia und Andrea vor "Regiewand", Memento Filmverleih Größeres Bild

Das Jahr beginnt nicht gut für Filmliebhaber. Anfang 2015 musste die Filmgalerie Alpha60 schließen, nachdem sie zwölf Jahre lang die Stadt mit Filmkunst versorgte, nun fällt auch der Vorhang für das Memento. Am 26. Februar feiert die Programmvideothek am Dorotheenplatz ihren fünften Geburtstag und es wird ihr letzter sein. An dem Freitagabend heißt es »And the Oscar Goes To …« mit einem Vortrag der Filmwissenschaftlerin Claudia Cornelius über die Geschichte der Oscars. Danach wird das Memento dann für immer schließen.

Andrea Cornelius hat den Laden, der neben zahlreichen Filmperlen auch einen beliebten Späti beherbergt, gemeinsam mit ihrer Schwester Claudia mit viel Leidenschaft aus der Asche des ehemaligen Filmgarten aufgebaut. Regelmäßig fanden hier auch Lesungen statt und die Vorträge von Claudia über Schauspieler, Regisseure, Stars und Sternchen lockten Filminteressierte immer wieder in die Kolonnadenstraße. Wie die Filmgalerie Alpha60, mit der das Memento zuletzt kooperierte, haben auch die Cornelius-Schwestern im Laufe der Zeit die Konkurrenz durch das Internet zu spüren bekommen. »Es kamen immer weniger Kunden, um Filme zu leihen«, sagt Andrea Cornelius. »Wir hätten bestimmt noch ein, zwei Jahre das Memento betreiben können. Doch nun haben sich unsere Lebenssituationen verändert, es gibt neue berufliche und private Herausforderungen. Klar, wir sind natürlich traurig, die Videothek, das Café und den Späti aufzugeben. Gleichzeitig sind wir sehr gespannt auf das, was kommt, und blicken optimistisch in die Zukunft.« Für sie beginnt nun ein neuer Akt. Dem Kiez, der sich in den letzten Jahren mit Cafés und Läden wie dem Mzin gut entwickelt hat, geht ein zentraler Anlaufpunkt verloren. »Der tägliche Plausch mit den Menschen über Filme, Gott und die Welt wird uns fehlen.«

Derweil schließt auch die Filmgalerie Phase IV in der Dresdner Neustadt zum zehnten Geburtstag am 30. Januar. Sven Voigt und Johannes Herwig, die vor fast dreizehn Jahren die Alpha60 mit aufgebaut hatten, nahmen das Konzept mit in die Landeshauptstadt und stießen dort auf viele Filmverliebte. Auch Sven Voigt sagt, er habe die Phase IV, die auch regelmäßig mit dem Kino Thalia kooperierte und vergessene Filmschätze auf die Leinwand brachte, zuletzt ausschließlich aus Leidenschaft betrieben. Doch auch ihm wurde der wirtschaftliche Druck zu groß.

Die Ära der Videotheken scheint also endgültig vorbei zu sein. Das Westend in der Industriestraße ist das letzte Refugium für ausleihbare Filmkunst in Leipzig mit einem Sortiment, das liebevoll kuratiert in dieser Form im Internet nicht zu finden ist.

UPDATE: Die Filmgalerie Phase IV hat zwischenzeitlich eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die in drei Tagen rund 22.000 € der angepeilten 29.000 € erreicht hat. Ziel ist die Finanzierung des Ladengeschäfts für ein weiteres Jahr, das für die Findung eines tragfähigen Konzepts genutzt werden soll.

»And the Oscar Goes To …«: 26.2., 20 Uhr, Memento
http://www.memento-leipzig.de

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