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»Anregung für Geschichtsschreibung«

Ausstellung im Westwerk zeigt die Geschichte der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg

Afrikanische Kolonial­soldaten der britischen Streitkräfte beim Training. (Quelle: Imperial War Museum, London) Größeres Bild

»Es hieß, wir müssten in den Krieg ziehen, aber niemand hatte uns erklärt warum.« So ähnlich berichten unzählige Zeitzeugen aus den Kolonialgebieten der Weltmächte über den Zweiten Weltkrieg. Millionen Menschen aus Afrika, Asien und Ozeanien kämpften und starben in einem Krieg für ihre Besetzer und wurden daraufhin von der Geschichte vergessen.

Am Samstag eröffnet im Westwerk die Ausstellung »Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg«, in der die Initiative »Geschichte vermitteln« auf die globalen Dimensionen des Zweiten Weltkriegs aufmerksam machen will. 96 Ausstellungstafeln und weitere mediale Stationen zeigen Erinnerungen, Fakten und Einzelschicksale in den Kolonialgebieten. Ein Bereich der Geschichtsschreibung, der in der westlichen Welt sehr lange unbeachtet blieb, und noch heute in den Schulbüchern weitestgehend ignoriert wird.

Das Projekt, das als fortwährende Wanderausstellung seit 2009 bereits in einigen Städten und zuletzt in Marburg Halt machte, entstand aus einer jahrzehntelangen Recherchearbeit, in der die Historiker des Recherche International-Vereins Fakten und Erinnerungen aus über dreißig Ländern zusammentrugen. »Das Projekt ist jedoch nicht als Schlusspunkt und Endergebnis, sondern lediglich als bescheidener Anfang und als Anregung für eine globale Geschichtsschreibung und -forschung zum Zweiten Weltkrieg zu verstehen« erklärt Karl Rössel, Mitbegründer der Ausstellung und hofft dabei auf eine Vernetzung des geschichtlichen Wissens in aller Welt.

Die »Initiative Geschichte« vermitteln bietet zudem ein erweitertes Programm zur Ausstellung an. Sonderführungen zeigen neben der eurozentrischen Geschichtsschreibung und der Rolle der afrikanischen Kolonien während des Zweiten Weltkrieges auch dessen Bedeutung für die antikolonialen Bewegungen und die antirassistischen Schriften Frantz Fanons. Im Conne Island wird zudem der Film »Black Survivors of the Holocaust« von David Okuefuna und Moise Shewa gezeigt und diskutiert. Der Film zeigt die Schicksale und das Leben von Menschen mit afrikanischem Hintergrund während des Nationalsozialismus.

»Die dritte Welt im Zweiten Weltkrieg«: 30.1.–13.3., Eisengießerei, Westwerk
Öffnungszeiten: Do–So, 15–21 Uhr
http://3www2.de

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