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Editorial 02/2016

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Februar-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

Sie haben gewählt, Hitler hat gewonnen. Tja, so kanns gehen, zum Glück handelte es sich bei dieser Wahl aber nur um die zu unserem Cover des Jahres 2015. Fast die Hälfte der Wähler stimmte für das Titelblatt aus dem Juli, auf den zweiten Platz kam das Septemberheft mit einem Foto aus der Ernst-Grube-Halle und der Diagnose »Das System hat versagt«. Damals, vor gerade einmal fünf Monaten, ging es los mit all der Aufregung um Menschen, die Asyl suchen. Platz drei erkämpfte sich das seine eigenen Kinder fressende Hype-Monster, meisterhaft illustriert vom quasi gottgleichen Künstler James Turek, der traditionell auch unsere »Letzte Seite« mit einem Wimmelbildrätsel bestückt. Würden nun also – dies nur als Gedankenexperiment – Hitler und das Hype-Monster eine große Koalition bilden, so hätten sie locker eine absolute Mehrheit. Und wenn Sie jetzt denken: Was für ein Unfug, dann gucken Sie sich die Stadt mal an. Was hielt sie in Atem in den letzten Monaten? Genau: Nazis und der Hype mit seinen Gentrifizierungsauswüchsen. Na gut, ein paar andere Sachen auch.

Aber Spaß beiseite! Wir sind nämlich sehr deprimiert – wie sehr, das können Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 18 nachlesen. Es gibt nämlich Orte in dieser Stadt, Orte, die in ihrer Trostlosigkeit so niederschmetternd sind, dass kein fühlendes Herz sich ihrer traurigen Aura entziehen kann. Ein paar dieser Orte haben wir besucht und ganz emotionsvoll beschrieben, warum sie uns so traurig machen oder gar in Angst versetzen. Und, siehe da, gleich ging es uns wieder besser, in Wirklichkeit macht es nämlich großen Spaß, deprimiert zu sein, zumindest so lange sich das nicht zur Krankheit auswächst. Also, liebe Leserinnen und Leser, schwelgen Sie mit der versammelten kreuzer-Autorenschaft im urbanen Unwohlsein. Das gehört schließlich auch dazu.

Ein ganz besonderer Genuss ist vielleicht die Lektüre unseres Interviews mit einem der größten deutschen Geschichtenerzähler, dem Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Kohlhaase. Schon in der DDR wurde er berühmt für Filme wie »Berlin – Ecke Schönhauser« oder »Solo Sunny«, später arbeitete er mit dem Regisseur Andreas Dresen zusammen. Die Drehbücher für »Sommer vorm Balkon« und jüngst für Dresens Verfilmung des Clemens-Meyer-Romans »Als wir träumten« stammen von Herrn Kohlhaase. Die Schriftstellerin Madeleine Prahs, die zweifellos irgendwann den Büchner-Preis gewinnen wird, besuchte Kohlhaase in seinem Haus, irgendwo in Brandenburg, wanderte mit ihm umher und lauschte den Dingen, die er so zu sagen hatte. Das Resultat können Sie ab Seite 24 nachlesen.

Kommen Sie gut durch den Februar und denken Sie daran: Man kann nicht immer gewinnen. Es gibt Tage, da verspeist man den Bären, und Tage, da wird man eben vom Bären verspeist.

Andreas Raabe

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

Was sonst noch im Heft steht:  Inhaltsverzeichnis, Monatstipps und Einblicke zeigt die Leseprobe unseres ePapers.

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