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Durchs Hintertürchen

Hilfspolizisten sollen die sächsischen Beamten unterstützen

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Die Polizei in Sachsen, die über zu wenig Personal klagt, bekommt Unterstützung durch die Wachpolizei. Die ersten Anwärter werden bereits ausgebildet – und lernen vor allem das Schießen.

Seit Anfang Februar werden die ersten fünfzig Anwärter für die neue Wachpolizei Sachsens ausgebildet. Weitere 500 sollen im Laufe des Jahres folgen. Eingesetzt wird die Wachpolizei zur Unterstützung der richtigen Polizei im Objektschutz und als Beihilfe zur Abschiebung von Flüchtlingen, zunächst erst einmal begrenzt auf zwei Jahre. Innerhalb eines dreimonatigen Lehrgangs werden die Hilfspolizisten in der Polizeischule Bautzen ausgebildet und sollen danach mit der Schusswaffe in der Hand für Recht und Ordnung in Sachsen sorgen.

Drei Monate und eine Schusswaffe in der Hand? Ja, so geschwind kann es manchmal gehen. Ein bisschen zu schnell, findet auch Reinhard Gärtner von der Deutschen Polizeigewerkschaft Sachsen: »Mit einer halbjährigen Ausbildung hätten wir uns ja noch zufrieden gegeben, aber zwei oder drei Monate? Das reicht einfach nicht. Das war ein total überhasteter Schritt der Politik.«

Währenddessen versucht die Bereitschaftspolizei in Sachsen mit der Aussage zu beschwichtigen, dass Schießen das Unterrichtsfach mit den meisten Stunden in der Ausbildung sei. Sehr beruhigend klingt das aber kaum, können die ausgebildeten Wachpolizisten zwar erschießen, was sie zu erschießen gedenken, jedoch nach drei Monaten vollen Informationsinputs wohl nur spärlich reflektieren, in welcher Situation ein Waffengebrauch überhaupt notwendig ist. Stefan Walther, Pressesprecher des Präsidiums der Bereitschaftspolizei, sieht das anders. »Die Waffen- und Schießausbildung der Wachpolizei ist inhaltlich und auch vom Umfang her an der Ausbildung in der Laufbahngruppe 1.2. ausgerichtet, beinhaltet also neben dem Schießtraining auch die Ausbildung im Eingriffsrecht sowie eine Reflexion des Schießens an sich.«

Grundsätzlich findet auch Reinhard Gärtner die Wachpolizei nicht schlecht, da diese nach der rigiden Sparpolitik der letzten Jahre endlich eine Entlastung für die Polizei darstellt. Schließlich kann die Polizei ihre Aufgaben kaum noch erfüllen. »Besser junge, motivierte Wachpolizisten einstellen, als Beamte kurz vor dem Rentenalter noch auf Streife zu schicken.«

Eine Rechtfertigung für die Hilfspolizei? Wohl kaum. Offenbart es doch gerade erst das Finanzierungsversagen der Politik bezüglich der öffentlichen Ämter in Sachsen. Wenigstens wurde mittlerweile der Stellenabbau bei der Polizei gestoppt und eine Aufstockung für die nächsten Jahre beschlossen. So sieht die Führungsebene der Landes- und Bereitschaftspolizei die Wachpolizei als »richtigen Schritt zur richtigen Zeit« – sozusagen als Überbrückungsmaßnahme.

Doch was passiert eigentlich nach den zwei Jahren Dienstzeit mit den Wachpolizisten?

»Es ist wie in jedem Handwerksberuf: Wer sich gut anstellt, hat die Chance, übernommen zu werden«, erklärt Stefan Walther. So haben die Wachpolizisten schon nach einem Jahr Dienstzeit die Möglichkeit, mit einer verkürzten Ausbildung in den mittleren Dienst der Polizei überzugehen. Nicht unbedingt ein Hintertürchen, zumindest aber neben Studium und Ausbildung ein dritter Weg in den Polizeiberuf. Mittlerweile liegen daher mehr als 2.000 Bewerbungen für die Wachpolizei vor. Darunter befinden sich mindestens 267 ausgeschiedene Bewerber aus den Auswahlverfahren der Polizei. Wen die reguläre Polizei nicht nimmt, nimmt vielleicht ja die Wachpolizei. 500 weitere Stellen sind dafür jedenfalls vorhanden.

Dieser Text erschien auch in der März-Ausgabe des kreuzer.

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