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Sport für alle

Leipzig als Sportstadt im Museum und auf der Straße

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Leipzig und der Sport – da gibt es einige Geschichten zu erzählen und vor dem Vergessen zu retten: von der bürgerlichen Turnbewegung – einschließlich der Turngeräteproduktion – über den Arbeitersport und seine Bundesschule, die bis 1933 in der Fichtestraße existierte, die Deutsche Hochschule für Körperkultur, den zahlreichen Titeln sowie Schattenseiten zur heutigen Vereins- und Sportstättenlandschaft. Gegen das Vergessen und mögliche Versuche der Umdeutung von Sportgeschichte liefert die ständig wachsende Sammlung des in den neunziger Jahren geschlossenen Sportmuseums genügend Fakten und Stücke. Als Teil des Stadtgeschichtlichen Museums zeigt es ausgewählte Exponate seines über 95.000 Objekte umfassenden Bestandes innerhalb der Dauerausstellung »Moderne Zeiten« im Alten Rathaus. 2011 eröffnet, wurde das überarbeitete Kapitel »Sportstadt Leipzig« am Mittwoch offiziell vorgestellt.

Der seit zwanzig Jahren amtierende Museumsdirektor des Stadtgeschichtlichen Museums Volker Rodekamp hatte sich das zu Beginn seiner Dienstzeit eigentlich ganz anders vorgestellt. Die Wiedereröffnung des Sportmuseums schien für ihn keine große Hürde darzustellen, da Sport und Körperbewegung so viele Geschichten über die Gesellschaften erzählen. Bisher scheiterten alle Vorhaben. Aber das lässt den schmerzerprobten Arminia Bielefeld-Fan nicht verzweifeln. Er besteht darauf, dass »in wenigen Jahren ein Sportmuseum in Leipzig existiert«. Vorab wird jetzt nach einem innerstädtischen Showroom gesucht, der das Museum aus dem Keller des Olympiastützpunktes in die Stadtgesellschaft zurückbringt. Denn die Geschichten zur Bewegung und Organisation von Sport sind aktueller denn je.

Wer nämlich beispielsweise bei Wikipedia nachschaut, um Wissen über das Leipziger Zentralstadion zu sammeln, muss feststellen, dass dessen Geschichte von 1955 bis zur Namensübernahme 2010 als »Altes Stadion« historisch sehr löchrig unter Red Bull Arena dargestellt wird.

Deutlich genauer kann sich der Besucher anhand von Karten, Modellen, Fotografien und Filmen im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses zum Sportforum informieren. Seit Mittwoch ist hier außerdem der konservierte Anstoßpunkt des Leipziger Fußball-WM-Rasens von 2006 zu sehen. Er befindet sich in prominenter Umgebung zwischen dem Dress des ehemaligen Nationaltorhüters René Adler oder der Pfeife von Rudi Glöckner, mit der er 1970 – als einziger deutscher Schiedsrichter bis heute – das Fußball-WM-Endspiel Brasilien gegen Italien (4:1) in Mexiko leitete.

Zum Leipziger Sport gehört aber noch viel mehr als Fußball – etwa der Radsport. Im Museum ist neben einem Hochrad, das daran erinnert, dass sich 1884 in Leipzig der Bund Deutscher Radfahrer gründete und die erste Meisterschaft stattfand, auch die Schrittmachermaschine »Anzani« zu sehen, die auf die legendären zwanziger Jahre Steherrennen auf der Lindenauer Radrennbahn verweist. Und das Rennrad von Täve Schur weckt Erinnerungen an Straßenrennen in der Vergangenheit – wie etwa die Ankunft bei der Friedensfahrt im Bruno-Plache-Stadion 1952 vor 50.000 Menschen.

Wer heute Radsport auf der Straße sehen möchte, dem bleibt das Kriterium (Wettbewerb auf kurzer, innerstädtischer Strecke, Anm. d. Red.) auf der Straße am Sportforum, das am Sonntag zum 13. Mal stattfindet. Während sich an diesem Tag die international agierenden Radprofis beim Klassiker Paris–Roubaix auf 250 Kilometern messen, führt die Strecke hier 1,4 Kilometer vom Start-Ziel-Bereich Am Sportforum 3 nördlich zur Judohalle bis südlich zur Arena. Spannung beim Zuschauen bieten daher die zwei Brücken über die Straße.

Zuvor wurde der Leipziger Saisonauftakt seit Mitte der 1950er Jahre im Clara-Zetkin-Park ausgetragen. Am Sonntag beginnen die Nachwuchsfahrer in elf Altersklassen ab 8.45 Uhr. Im vergangenen Jahr nahmen bis zu 500 Radler daran teil und zeigten, dass die Sportart für die Zukunft gerüstet scheint. Beim SC DHfK Leipzig trainieren derzeit 45 Mädchen und Jungen in den Altersklassen der U9 bis zur U19.

Deutlich mehr städtischen Raum nimmt in zwei Wochen der Leipziger Marathon ein. Der Wettbewerb feiert heuer seine 40. Ausgabe. Am 18. Juni 1977 organisierte die Hochschulgruppe der Karl-Marx-Universität im Clara-Zetkin-Park einen Lauf, an dem 95 Läufer und drei Läuferinnen teilnahmen. Und um nicht den Blick in die noch fernere Geschichte zu scheuen: der erste Distanzlauf fand zwischen Paunsdorf–Bennewitz–Paunsdorf statt, den die Sportbrüder Leipzig 1897 durchführten. Ein Jahr später organisierten sie den ersten offiziellen Marathon in Deutschland.

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig erklärte in der vergangenen Woche bei der Wiedereröffnung der Sporthalle in der Brüderstraße, dass Leipzig eine sehr wichtige Stadt im Sportland Sachsen darstelle. Dabei sollte sich auf jeden Fall nicht nur auf Punkte und Titel konzentriert werden.

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