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Brückenschlag über den Atlantik

In Halle findet das 11. Women in Jazz Festival statt

Ingrid Jensen und ihre Schwester Christine Größeres Bild

Mit Lovie Austin und Lil Hardin Armstrong gab es zwar bereits in den ersten Tagen des Jazz weibliche Instrumentalisten, dennoch führen Frauen im Jazz nach wie vor überall dort ein ziemliches Schattendasein, wo es nicht um Vocals geht. Das scheint sich nun endlich etwas aufzuweichen.

Die Liste weiblicher Bandleader, Pianisten, Saxofonisten und Perkussionisten wird stetig länger und die Namen auf ihr immer populärer. Seit Beginn der 2000er Jahre wird diese Entwicklung auf zahlreichen Festivals unterstützt und zelebriert: zum Beispiel in Florida, Texas, New York City – und in Halle. Hier findet bereits zum elften Mal in Folge das Festival Women in Jazz statt, das in diesem Jahr unter dem Motto »Atlantic Crossing« eine Brücke zwischen den beiden wichtigsten Jazzzentren Nordamerika und Nordeuropa schlagen will. Dazu wurden Musikerinnen aus den USA, Kanada, Norwegen, Großbritannien und Schweden eingeladen, die vom 23. April bis zum 1. Mai vor allem in der Hallenser Oper zu erleben sein werden.

Unter ihnen sind große Namen: Geri Allen etwa, der es gelingt, neben ihrer Professur für Jazzpiano in Michigan Jahr für Jahr durch alle Welt zu touren. Oder Patti Austin, Dinah Washingtons Patentochter, die bereits mit vier Jahren von Quincy Jones entdeckt und gefördert wurde, bis ihr 1982 mit ihrem eigenen Song »Baby, Come to me« der große Durchbruch gelang. Am deutlichsten wird besagter Brückenschlag angesichts des Ingrid Jensen Quintets um die namensgebende kanadische Trompeterin, die von ihrer Schwester Christine am Saxofon, der Schwedin Maggi Olin am Klavier, dem Briten Phil Donkin am Bass und der Leipzigerin Eva Klesse am Schlagzeug begleitet wird. In Halle stehen diese fünf Ausnahmemusiker zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne, und da sie alle als Meister der Improvisation gelten, darf dieser musikalische, multinationale Dialog getrost als das Highlight des Festivals gehandelt werden.

Auch abseits der Konzertsäle gibt es ein umfassendes Rahmenprogramm, etwa mit der Ausstellung »10 Jahre Women in Jazz« im Ratshof, einer Buch- und einer Briefmarkenausstellung sowie dem »Jazz Open at Central Station«, bei dem der Hallenser Hauptbahnhof in eine Jazzlounge verwandelt wird, in der es bei freiem Eintritt Lyrik und Swing zu hören gibt.

11. Internationales Jazzfestival Women in Jazz: 23.4.–1.5.,
Halle/Saale (Oper, Händel-Halle, Georgenkirche, Hauptbahnhof), Bad Lauchstädt (Goethe-Theater – ausverkauft)
http://www.womeninjazz.de

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