Startseite / Stadtleben / Reden mit Schnaps und ohne Musik

Reden mit Schnaps und ohne Musik

Bei kreuzer, Korn und Kippen wurde der Leipziger Straßenverkehr analysiert

Foto: Franziska Barth Größeres Bild

Bei kreuzer, Korn und Kippen ging es nicht nur um städtischen Verkehr, Lastenfahrräder und autogeile Leipziger, sondern es ging auch einiges schief. Aber Korn und Kippen waren da.

Moderatorin Juliane Streich blickt ein wenig hilflos in die Talk-Runde. Die Gläser für den Korn fehlen, dabei wollen auch die Zuschauer einen Schnaps. Jedenfalls all die, die auf die Bühne kommen und mitdiskutieren. Kurzerhand springt sie auf und findet im Nebenraum ein paar passende Gefäße. Anderes blieb am Dienstagabend im Neuen Schauspiel dagegen unauffindbar.

Die Band zum Beispiel, die mir ihren geräuschexzessiven Beilagen vielleicht so manch langen Monolog hätte verhindern können. Am Nachmittag hatte sich Chefredakteur und Moderator Andreas Raabe noch kurzfristig entschuldigen lassen, wegen eines Krankenfalls in der Familie (an dieser Stelle natürlich gute Besserung!).

Aber wie auch immer. Kreuzer, Korn & Kippen ging nach zweimonatiger Zwangspause endlich in die nächste Runde. Ohne Band und mit neuer Moderatorin auf dem Podest startete die Talkrunde etwas verspätet. Thema diesmal: »Chaos, Egoismus, zu wenig Geld: Woran krankt Leipzigs Straßenverkehr? Und wie kann man ihn besser machen?« Ein Thema, das die Gemüter zwar täglich erhitzen kann, jedoch nur knapp 20 Zuschauer ins Neue Schauspiel lockte. Machte aber nichts. So saß man im kleinen Kreise und arrangierte sich mit einer abgespeckten Version des Talks. Zur Gesprächsrunde mit Roland Quester, dem persönlichen Referent der Bürgermeisterin für Stadtentwicklung und Bau, Gert Ziener, Abteilungsleiter für Wirtschafts- und Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer, und Clemens Haug, Politikredakteur des Kreuzers, gesellte sich auch der ein oder andere Zuschauergast, der sich nicht nur wegen des Korns und der Kippen auf die Bühne wagte, sondern mit knallharten Zahlen über Stadtentwicklung und alternativen Verkehrskonzepten aufwartete.

So kommt auch zwischendurch ein etwas müde wirkender Roland Quester in die Bredouille, als eine Zuschauerin auf konkrete Konzepte zur Instandhaltung bestehender Radwege pocht. Da erwische sie ihn jetzt auf einen falschen Fuß. Beherzt springt schnell ein radfahrbegeisterter Zuschauer in die Bresche, stürzt seinen eingeschenkten Korn hinter und erklärt, dass zurzeit gerade einmal siebzig Meter Radweg zwischen Eisenacher Straße und Kirschbergstraße und in geraumer Zukunft ein Radweg in Engelsdorf saniert werden würde. Ernüchterung und Gelächter.

Neben der Sanierung der Radwege ging es dann vor allem um den Umbau der Karli und ob man diesen gut oder schlecht fände, inwiefern die Leipziger so richtig autogeile Leute sind und ob man Geschäfte in der Innenstadt nicht anstatt mit Autos mit Lastenfahrrädern beliefern könnte, woraufhin Gert Ziener sich vielsagend in die Richtung des Publikums wandte und antwortete: »Grundsätzlich ist alles möglich.«

Nach weiteren weitschweifigen Erklärungen aller Beteiligten, während deren man die Band wirklich schmerzlich vermisste, kam die Runde dann letztlich zum heiteren Ende, an dem noch der übrige Korn vernichtet und in geselligen Runden über dessen Süffigkeit sowie über den Verbleib der Band spekuliert wurde.

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

2 Kommentare

  1. Tine | 27. April 2016 | um 18:38 Uhr

    Das Thema interessiert mich sehr. Nur leider habe ich erst sehr spät davon erfahren. Der Termin steht ja schon relativ früh fest, vielleicht sollte der Kreuzer auch das Thema des Abends etwas früher kommunizieren?

  2. ben | 30. April 2016 | um 19:02 Uhr

    ich kann nicht verstehen, dass die stadt den bürgern fast nirgends einen kreisverkehr zutraut. als beispiel sei die ost-west-verbindung zwischen semmelweisbrücke an der deutschen bücherei vorbei richtung riebeckstraße angeführt. da folgt ampel auf ampel. wozu?

    die ampelgeilheit dort findet man nun leider auch auf der karli. wozu nur? als radfahrer wird man nun ständig zum halten aufgefordert, wobei die karli an sich schon kein hohes kfz-aufkommen zeigt, eine problematische eingliederung in den straßenverkehr über die seitenstraßen ist ebenfalls nicht auszumachen. für wen sind diese ampeln? für die fußgänger etwa? wenn ja, wieso setzt man dann nicht auf zebrastreifen?

    verkehrsanlagen sind schließlich dazu da, flüssigen verkehr zu ermöglichen und nicht, diesen ständig zu behindern. letzteres schafft die stadtplanung jedoch auf verblüffende weise.