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»In Rangnicks Arsch pass ich nicht mehr«

kreuzer, Korn & Kippen diskutierte, ob man RB Leipzig lieben kann

Foto: Franziska Barth Größeres Bild

Wir sind e1ns? Oder halt doch nicht? Bei kreuzer, Korn & Kippen war man sich zumindest einig, dass man nicht eins ist. »Ich bin hier auf der falschen Veranstaltung«, meinte Guido Schäfer von der LVZ im Laufe des Abends. »Ihr politisiert das mit RB Leipzig alles viel zu sehr.« Doch er lag falsch, er war natürlich goldrichtig.

Beginnen wir diesen Text mit dem Thema Menstruation. Ist die Monatsblutung schließlich ein durchaus vernachlässigtes Thema in der öffentlichen Berichterstattung – nicht nur auf Sportseiten. Eine der wenigen Ausnahme vielleicht Kiran Gandhi, die im letzten Jahr den Londoner Marathon ohne Binde oder Tampon lief, obwohl sie ihre Tage hatte. »Ich lief mit Blut an meinen Beinen für die Schwestern, die keinen Zugang zu Tampons haben, und für die Schwestern, die ihre Periode trotz Krämpfen und Schmerzen verstecken und so tun, als gäbe es sie nicht. Ich lief, um zu sagen: Sie existiert und wir leben jeden Tag damit.« Warum so viele Frauen in der Regel nicht über ihre Regel reden, ist eine Frage, die wir an dieser Stelle nicht weiter thematisieren können. Dafür wissen wir aus erster Quelle, dass sie im Sportteil der LVZ ganz sicher nicht behandelt wird. »Frauen sollten nicht über Fußball reden, ich rede ja auch nicht über Menstruation«, sagt Guido Schäfer nach der Talkshow kreuzer, Korn & Kippen und bedauert, dass das Mikro schon aus ist.

Wären wir Guido Schäfer, wir würden natürlich ganz anders einsteigen in den Text:

Ein feuchtfröhlicher Abend am Dienstag im Neuen Schauspiel. Die Redakteure des kreuzer – keine Kinder von Traurigkeit – sieht man auch nach Mitternacht noch mit dem ein oder anderen Kaltgetränk in der Hand (kein Red Bull). Und auch mit den Talkshowgästen wird geschäkert, nur der sonst doch so trinkfeste Sport-Redakteur der LVZ wird seinem Ruf nicht gerecht, sondern verschwindet, nachdem er noch ein paar Ladys umarmt und küsst, überraschend früh mit dem Taxi in die Nacht und angeblich in den Urlaub.

Doch was war los? Fußball, Red Bull und die Frage, ob wir wirklich »e1ns« sind, lautet das Thema des Abends. Neben Schäfer zu Gast sind der Blogger Ansgar von zwangsbeglückt.de, der sich kritisch mit der Lobhudelei von RB auseinandersetzt, und kreuzer-Sportredakteurin Britt Schlehahn. »Kann man RB lieben?«, will Chefredakteur Andreas Raabe von den Gästen wissen. »Ja, unbedingt, man muss RB sogar lieben«, sagt Schäfer. »Klar, man kann alles lieben, es gibt ja auch Leute, die lieben den Schmerz«, sagt Ansgar. Die Lager sind klar verteilt, die RB-Fans in der Unterzahl, Schäfer »in der Höhle des Löwen, nackt im Wind«, wie er vorher twitterte. Doch er kann mit einigen Sprüchen zumindest ein paar Lacher einfahren.

Natürlich mit dem, den er immer bringt: »Red Bull Wodka schmeckt nur, wenn man Red Bull weglässt.«

Zu dem Vorwurf, er krieche Ralf Rangnick in den Arsch: »Da sind schon so viele andere Leute drin, da pass ich gar nicht mehr rein.«

Zu dem Problem, dass RB keine demokratische Vereinstruktur hat: »Was wollt ihr immer mit der Fanmitbestimmung? Wenn bei Bayern München die Fans mitbestimmen dürften, dann gäbe es da keinen Manuel Neuer. Die Fans sollen Fußball gucken und applaudieren.«

Als Schlehahn Adorno ins Spiel bringt und die Frage, ob es richtiges Leben im Falschen gibt: »Wer ist dieser Adorno, wo hat der gespielt?«

Als jemand den Satz anfängt mit: »Das Problem mit RB ist, dass …«, unterbricht er direkt. »Es gibt kein Problem!«

Leider verspielt er seine Sympathiepunkte, indem er völlig unnötig persönlich wird und die Kollegin anblafft, dass sie bei den Pressekonferenzen von RB immer als erstes zum Buffet laufe, und sie fragt, ob sie keine Freude in ihrem Leben habe.

Ansonsten wird alles gesagt, was gesagt werden muss. Ansgar, Schlehahn und Publikumsgäste weisen auf die Strategie hin, dass RB sich ganz bewusst eine Gegend ausgesucht habe, in der es im Umkreis von 150 Kilometern keine Konkurrenz gibt. Und auf die kollektive Freude, dank der zum ersten Mal seit DDR-Zeiten die Stadt wieder rot beflaggt wird. Und auf die unsägliche Aufstiegsfeier, die der MDR zu einer Ost-Party umfunktionierte. Und auf das Problem, dass politische Banner nicht erlaubt werden, wo doch sogar die Schickeria in München Statements gegen die CSU bringt.

Konstruktiver Vorschlag aus dem Publikum: Dauerkarten für den Gästeblock verkaufen.

Und einer fasst es treffend zusammen: »Für Hedonisten, die gerne konsumieren, ist RB super. Für Traditionalisten nicht. Diese beiden Seiten werden nicht zusammenkommen. Ich selbst habe versucht, RB-Fan zu werden, aber es war mir zu langweilig.«

Recht hat er. Der Abend selbst ist nicht langweilig und ein paar Frauen sprechen danach noch über Fußball. Gerne hätten sie auch noch Schäfers Ausführungen zur Menstruation gehört.

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Dein Kommentar

6 Kommentare

  1. Alex | 25. Mai 2016 | um 15:39 Uhr

    Spätestens nach dem Kommentar: die Euphorie ist nicht angekommen in Leipzig (20.000 auf der Aufstiegsfeier, davor 41.000 im Stadion) kann man den Kreuzer Verlag beim Thema RB nicht mehr ernst nehmen.

  2. Mark | 26. Mai 2016 | um 14:34 Uhr

    Beim Thema Fussball sind die Traditionalisten auf einmal die „Guten“. Nette Doppelmoral.

    RB Leipzig tut der Stadt gut. Jeder, der das nicht so sieht, ist ein verbohrter Wutbürger. Punkt.

  3. Nebbich | 26. Mai 2016 | um 17:08 Uhr

    an Alex:
    „20000 auf der Aufstiegsfeier“ – da meinst du wahrscheinlich die dreistündige Huldigung des Ostfußballs durch den MDR; da waren ja ein paar verschiedene Aufsteigertrikots zu erkennen…

    an Mark:
    gewiß, RB tut der Stadt genauso gut wie dieser Herr Guido Schäfer der Meinungsfreiheit bzw. Emanzipation der Frau.

  4. Mark | 26. Mai 2016 | um 20:09 Uhr

    @Nebbich

    Etwas weniger „Mimimi“ und deutscher Pessimismus würden dieser Stadt noch besser bekommen. Die „TradIDIOTalisten“ haben ausgedient.

  5. Nebbich | 27. Mai 2016 | um 16:54 Uhr

    ganz deiner Meinung, Mark – das Produkt ist nur dann gut, wenn die Zahlen stimmen; wahrscheinlich hat auch jemand schon die Kosten-Nutzen-Rechnung parat, was denn das WM-Stadion inkl. Abenteuer Bundesliga über den Zeitraum von xx Jahren die Stadt gekostet bzw. eingebracht hat.

    Erstaunlich ist jedoch, wie dünnhäutig diese ganzen RB-Fans reagieren, wenn man es wagt, ihren Verein nicht total super zu finden (um das da zu hassen, müßte ich mich erstmal für Fußball interessieren) – erstens sollte doch jegliche Kritik dank gezeigter Leistung vom Fänkörper abperlen & zweitens schweißt gerade der Haß der anderen die Gruppe erst richtig zusammen (wir sind eins gegen alle!)

  6. Mark | 28. Mai 2016 | um 08:25 Uhr

    Ich verteidige nicht RB, sondern die Toleranz gegenüber friedlichen, sportbegeisterten Fussballfans. Kritik am Kapitalismus mit dem Feindbild Red Bull ist unangebracht, da der Konzern nur ein Symptom des exzessiven Kapitalismus ist. Der Hass, der auf Red Bull projeziert wird, sollte an diejenigen gerichtet werden, die die Rahmenbedingungen schaffen (DFB, DFL etc.).