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Faulendes Pferd auf tödlichem Grund

Heidenspaß mit Gummi- und Glaubensburgen – und fröhlichen Leichnamen

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»The Rotting Horse on the Deadly Ground«: Der Belagerungsring – optisch den Camping-Türken vor Wien ziemlich ähnlich – in und um die City hat schon morbiden Charme. Trostlose Gestalten predigen Hoffnung und paradiesisches Leben. Selbst die grünen Erkennungsbändel sind so fahl wie die Zehenzwischenräume eines Leichenwäschers.
Das toppt nur Angies Frohe-Botschaft-Enthusiasmus: »Laßt uns das doch mal mit fröhlichem Herzen verkünden!«

Beim Frösi-Event hapert es mit dem Fröhlichsein (oder Katholikentagbesucher haben ein anderes Konzept davon) gewaltig; das Singen kann dem Passanten dafür auf die Ketten gehen. Klar, ist alles aushaltbar, missionieren glückt so eher nicht. Und darum geht es ja unterschwellig schon, wenn gesagt wird, man wolle »Hemmschwellen« bei den Leipzigern abbauen. Was für eine Hemmschwelle soll das denn sein? Religion wie Atheismus sind Privatsache, es sollen mich einfach alle in Ruhe lassen. Nein, ich will nicht über Gott sprechen. Ich zwinge ja auch keinen Kreuzjünger ins Black-Metal-Konzi. Soll jeder den Heidenspaß haben, den er sich wünscht.

Andererseits kann eine Clique, die Festivitäten mit so lustigen Namen wie Froher Leichnam begeht, so verkehrt nicht sein. Und sie haben doch mit sich selbst genug zu tun. Irgendeine obskure Splittergruppe drückte mir einen Flyer in die Hand, der endlich allen die Augen öffnen soll. Der Papst sei eigentlich Protestant und die Welt gehe demnächst unter, weil der Sabbat nicht mehr eingehalten wird. Statt sonntags in die Kirche zu rennen, soll man zu ihnen rennen, ums 666er-Tier am Hervorlugen zu verhindern. Komische Vorstellung: Die wissen genau, was passieren wird – steht ja in der Bibel, klar – und schreiben dann: »Die Wiederkunft Christi wird für alle überraschend sein.« Das ist so schlau wie der Satz: »Morgen regnet’s, aber das ist eine Überraschung!« Eine Frau hielt am Markt ein Schild in die Luft mit »Hitler war auch Katholik!« »Und Vegetarier und schwul und Nazi« will man da ergänzen. Was die Aktion sollte? Wer weiß, jedenfalls kam sie mit anderen, nun ja: ins Gespräch. Anständige Religionskritik sieht anders aus:

Apropos Mugge. Zwei Gigs stehen noch an vorm Einbruch der lokalen Festivalsaison. Prowler und Blizzen mischen das Bandhaus auf, Porngrind zieht mit Lividity ins 4Rooms. Das lässt schon mal vorfreuen. Soll doch übers Wochenende die Innenstadt zur festen Burg werden – wer’s glaubt. (Ja: der Song ist von Luther, ist das jetzt übergriffig?) Wer nicht, kann ja beim Hüpfburgfestival in Mockau steil gehen. Und jetzt auf zur »Stronghold« mit dem faulenden Pferd auf tödlichem Grund.

> Blizzen, Prowler, Booze Control, Q-Box, 11.6., 19.30 Uhr, Bandhaus
> Lividity, Dictated, Disemboweled, 20 Uhr, 4Rooms

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