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Nur Mut

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Mut im Alltag, in der Schule, auf dem Spiel- und Bolzplatz für sich und andere einstehen – Courage zeigen bedeutet für die Kleinen einen großen Schritt, der nicht immer ganz einfach ist. Wie es geht, das zeigt der Landesfilmdienst Sachsen in diesem Jahr in seiner Kinderfilmreihe »Rabazz«. In zahlreichen Filmen und mit einem passenden Rahmenprogramm sollen Kindern ab vier Jahren Vorbilder und Wege, um selbst Mumm zu beweisen, aufgezeigt werden.

Im Programm für die Kleinsten wächst Elefant »Dumbo« über sich und seine Ängste hinaus. Der große Bär »Ernest und Célestine«, die kleine Maus, setzen sich in dem wundervollen französischen Animationsfilm über gesellschaftliche Konventionen hinweg und formen eine ungewöhnliche Bande. Die vietnamesischen Kinder in »Ente gut! Mädchen allein zu Haus« freunden sich mit der kleinen Pauline an, um den Alltag ohne die Mutter zu meistern. Regisseur Norbert Lechner kommt am 13. Juni zur Premiere des in Halle gedrehten Films ins Cineding. In der schwedischen Produktion »Stella« wird Kindern ab zwölf das schwierige Thema Bulimie durch die Augen eines jungen Mädchens näher gebracht. Auch für die 14- bis 16-Jährigen drehen sich die Filme um ernste Themen wie Homosexualität, witzig aufbereitet in der britischen Hitkomödie »Pride«, oder jugendliche Gewalt (»Freistatt«). Der Dokumentarfilm »Malala – Ihr Recht auf Bildung« zeigt ein pakistanisches Mädchen, das als Kinderrechtsaktivistin weit über die Grenzen ihrer Heimat hinweg für Aufsehen sorgte. Abgerundet wird das Programm im Cineding durch die MDR-Produktionen »Fledermausmädchen Jaqueline«, ein Dokumentarfilm über die Welt einer blinden 13-Jährigen, und den fantasievollen Märchenfilm »Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen«.
Auch die Kinobar Prager Frühling zeigt in diesem Jahr Kinderfilme zum Thema Mut, etwa Michel Gondrys »Mikro & Sprit«, über die alle Hindernisse überwindende Freundschaft zweier Jungs, oder die oscarnominierte irische Sage »Die Melodie des Meeres«, ein traumhaft schöner Animationsfilm um ein kleines Selkiemädchen, halb Mensch, halb Robbe. Speziell für alle Kitas und Schulen im Leipziger Südosten spielt das »Rabazz« auch Filme im ASB-Bildungszentrum in Probstheida, und das Wanderkino besucht die ganz Kleinen direkt in ihrer Kita, falls der Weg zu den Leinwänden zu weit ist. Im Cineding gibt es in der ersten »Rabazz«-Woche ein großes Rahmenprogramm. Passend zum Motto des Festivals können sich die Kleinen ausprobieren, zum Beispiel im Erlebnismobil der Christoffel Blindenmission, beim Mutparcours, wo Überwindung gefordert ist oder in einem Gruselfilm-Kabinett, das der Landesfilmdienst für die jungen Kinogänger errichtet. Weitere Workshops für Kinder und Jugendliche sowie Fortbildungen für Erwachsene finden in der zweiten Festivalwoche statt.

4. »Rabazz« Kinder- und Jugendfilmfest, 13.–24.6., Cineding, Kinobar Prager Frühling, ASB »Am Sonnenpark«,

www.rabazz-filmfest.de

Film der Woche: Eine Flaschenpost, die auf ihrem Schreibtisch landet, stellt Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) vor ein Rätsel. Nur mühsam gelingt es ihnen, ihre Botschaft zu entziffern: Ein mit menschlichem Blut geschriebener Hilfeschrei – das letzte Lebenszeichen zweier Jungen, die vor Jahren spurlos verschwunden sind, die aber niemals als vermisst gemeldet wurden. Wer sind die beiden? Und warum haben ihre Eltern ihr Verschwinden nie angezeigt? Als kurze Zeit später die Entführung eines Geschwisterpaars erschreckende Parallelen zum Flaschenpost-Fall erkennen lässt, wird klar, dass derselbe Täter sein teuflisches Spiel schon seit Jahren unerkannt treibt. Für Mørck und Assad beginnt ein Wettlauf mit der Zeit – um das Leben der entführten Kinder, bald aber auch um ihr eigenes. Regisseur Hans Petter Moland (»Einer nach dem Anderen«) inszenierte nach den soliden Krimis »Erbarmen« und »Schändung« mit dem dritten Teil der Reihe von Jussi Adler Olsen einen hochspannenden, dicht inszenierten Thriller, der sich überzeugend mit den Themen Glaube und Wahn auseinandersetzt.

»Jussi Adler Olsen – Erlösung«: ab 9.6., Passage Kinos

»Freiheit beginnt dort, wo die Angst aufhört.« Furchtlos wirken sie, Sebastian und sein bester Freund Hubertus. Sie genießen es, jung zu sein, doch frei sind sie nicht. Wenn der Tag anbricht und die durchgefeierte Nacht verschwindet, landen sie wieder in ihren spießigen Elternhäusern. Auf Sebastian warten seine verbitterte Mutter und die hilflose kleine Schwester. Stiefvater Rainer ist abgehauen und hat seelische Trümmer zurückgelassen. Die Oma kümmert sich und kämpft, als Rainer mal wieder zu Hause aufschlägt und für Chaos sorgt. Hubertus wohnt in einem Haus am Wald. Der Vater ein brutaler Patriarch, die Mutter hilflos um Harmonie bemüht. Der rebellische Hubertus gerät immer öfter mit seinem Vater in Streit. Als Sänger einer Rockabilly-Band träumt er vom großen Durchbruch. Was die beiden Freunde verbindet, ist die Liebe zu Debbie. Gemeinsam ziehen die drei durch die Nacht, zu den Klängen von Gitarre, Bass und Schlagzeug. Doch irgendwann nimmt ihnen die Enge ihres Heimatorts die Luft.
Fernsehregisseur Till Müller-Edenborn erzählt in seinem Kinodebüt eine universelle Geschichte, die sich so auch in einer anderen Generation abspielen könnte. Er wählte die frühen Achtziger, als alles etwas klobiger war, seien es die quadratischen Autos oder die Kassettenrekorder. Das Szenenbild fängt die Zeit gut ein. Die hervorragende Kameraarbeit von Sönke Hansen, der viel von seiner Arbeit in internationalen Produktionen wie »Cloud Atlas« oder »Der Pianist« mitbringt, sorgt für den nötigen Drive, aber auch immer wieder für poetische Aufnahmen der traumhaften norddeutschen Landschaft. Die Schauspieler überzeugen, von gestandenen Mimen wie Margarita Broich (»Das Tagebuch der Anne Frank«) und Alexander Hauff (»In weiter Ferne so nah«) bis hin zu den jungen Hauptdarstellern Sebastian Tiede und Ben Münchow, der für seine Leistung als Hubertus den Max-Ophüls-Nachwuchspreis erhielt. So verzeiht man dem außergewöhnlichen Debüt auch einige überzeichnete Momente vor allem im letzten Akt.

»Rockabilly Requiem«: ab 9.6., Kinobar Prager Frühling

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Flimmerzeit Mai 2016

 

Weitere Filmtermine der Woche

Revolution mit bloßen Händen. La trajectoire d’un peuple. Le Burkina Faso
Ein filmisches Dokument der Erinnerung an den Volksaufstand im Oktober 2014 in Burkina Faso gegen das diktatorische Regime von Blaise Compaoré. Der Film nähert sich den Protagonisten des Aufstandes und besucht symbolkräftige Orte. Er stellt die Frage nach Motivationen und Gründen in den Lebensbedingungen der Bevölkerung sowie in den Erinnerungen an vorausgegangene Kämpfe der letzten Jahrzehnte. – Anschließend Filmgespräch mit Regisseur Hans-Georg Eberl
10.6., 20 Uhr, Cineding

Bikes vs. Cars
Überall auf der Welt sind die Straßen mit Autos verstopft: ein umweltverschmutzendes und lautes Chaos. Die Dokumentation begibt sich auf eine Spurensuche zu den mächtigen Interessenvertretern der Autoindustrie, die Lobbyarbeit und Werbung betreiben, um ihr Geschäft zu schützen. Außerdem kommen Fahrrad-Aktivisten zu Wort, die die Städte zu einem besseren Ort machen wollen und trotz einer steigenden Zahl an tödlichen Fahrradunfällen weiterhin durch die Stadt radeln.
10.6., 17 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Gritta von Rattenzuhausbeiuns
Gritta lebt mit ihrem Vater und vielen Ratten in einem alten Schloss. Während ihr Erfinder-Papa an einer Thronrettungsmaschine herumbastelt, hat Gritta richtig Spaß mit ihrem Freund Peter. Doch dann ändert sich alles. DDR-Kinderfilm von 1985.
11.6., 14 Uhr, UT Connewitz

Die reine Kunst
Die junge und schöne Fotografin Sascha führt ein glückliches Leben, das jedoch abrupt zerstört wird, als sie Zeugin eines geheimnisvollen Mordes wird. Durch unglückliche Zustände wird sie immer tiefer in kriminelle Machenschaften der Kunstbranche hineingezogen – und wird schließlich zur Gejagten. Doch Sascha gibt nicht auf und versucht aufzudecken, was hinter der ganzen Geschichte steckt. Russisches Kino.
12.6., 17.30 Uhr, Cineplex (OF)

10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?
Dokumentarfilm des Regisseurs von »Taste the Waste«, der die industrielle, globale und die ökologische, regionale, traditionelle Landwirtschaft gegenüberstellt. Am 14.6. mit Vortrag von Urte Grauwinkel (BUND)
14.6., 19 Uhr, Cinémathèque in der naTo
16.6., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum, Wissenschaftskino

7 Göttinnen
»Weibliches Buddy-Movie« um sieben junge Frauen, die althergebrachte Traditionen und Gesellschaftsstrukturen herausfordern und angreifen und jenseits aller Klischees und Vorurteile ein neues und modernes Indien im Aufbruch repräsentieren. Am 14.6. Premiere mit den sieben indischen Hauptdarstellerinnen, dem Regisseur Pan Nalin und den Produzenten.
14.6., 19 Uhr, Passage Kinos

All that I love
Eine erfrischend andere Bearbeitung der Geschichte des real existierenden Sozialismus in Polen: Jugendliche im heißen Sommer 1981 zwischen Punk und Perestroika, zwischen Liebe und Lenin, zwischen Sex und Solidarność.Mit einer Einführung von Rainer Mende (Programmreferent Polnisches Institut).
15.6., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Blank City
Regisseurin Celine Danhier stellt eine Generation von Filmemachern in den siebziger und achtziger Jahren und ihren Wirkungsort New York City vor.
15.6., 20 Uhr, Cineding

Spur der Steine
Die exzellente Gesellschafts-Satire von Frank Beyer, die bürokratische Schlamperei und Unfähigkeit von Parteigenossen kritisierte, wurde 1966 nach organisierten Unruhen mit Stoßtrupps nach nur drei Tagen wieder aus den Kinos genommen und verschwand daraufhin für 23 Jahre in den DEFA-Archiven. Nahaufnahme DEFA – Filmreihe zu 40 Jahre Grünau
15.6., 15 Uhr, Cineplex

UFO in Her Eyes
Schräge Kömodie mit Udo Kier als abgestürztes Alien – oder vielleicht nur als Amerikaner mitten in der chinesischen Provinz.
15.6., 19 Uhr, Konfuzius-Institut Leipzig

This Changes Everything
Angelehnt an den Bestseller »This Changes Everything: Capitalism vs. The Climate« von Naomi Klein zeigt Regisseur Avi Lewis den Zusammenhang von Kapitalismus und Klimawandel auf, beleuchtet Formen des Widerstandes und Alternativen zum Wirtschaftssystem.
16.6., 20 Uhr, Cinémathèque in der naTo

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