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Im Dreiländereck

Ausflugstipp: Die Oberlausitz

Spreeblick in Bautzen, Foto: TPR Größeres Bild

Die Oberlausitz hat mittelalterliche Altstädte und vergangene Industriekultur, Unesco-Stempel und Seen, Kletterfelsen und flache Heiden.

Krabat kam eigentlich in die Schwarze Mühle in Schwarzkollm, um das Müllerhandwerk zu lernen. stattdessen lernte er, besser zu zaubern als sein Meister. Schwarzkollm ist heute ein Ortsteil von Hoyerswerda und die Schwarze Mühle als sogenannter Erlebnishof eines der Highlights der Krabatregion in der Oberlausitz, in der einige Ortschaften für sich beanspruchen, Lebensstationen der sorbischen Sagengestalt mit einem Herz für die Mühseligen und Beladenen abzubilden. Die Marke Krabat umfasst unter anderem Bier, Brot und Keramik, zwei PC-Spiele sind auch schon erschienen. So sollen nicht nur Touristen angelockt werden, auf dass sie den Radweg zwischen den Lebensstationen entlangfahren. Die Mühle dient auch der Belebung und Pflege des sorbischen Brauchtums und dörflichen Lebens der Gegend. Das beinhaltet alte Handwerke wie den Blaudruck.

Im charmanten Städtchen Pulsnitz finden sich nicht nur jede Menge Pfefferbäckereien und eine Lebkuchenfabrik, hier steht auch eine sehr alte Werkstatt, in der noch traditioneller Blaudruck praktiziert wird. Überhaupt, die Textilien: Einst verdienten die Oberlausitzer Städte ordentlich an der Qualität der hiesigen Tuchmacher und Leineweber, Leinen wurde im 16. Jahrhundert nach Übersee exportiert und im nächsten Jahrhundert kam der berühmte Großschönauer Damast aus der Region. Dort, im Damast- und Frottiermuseum steht noch ein funktionstüchtiger Damastwebstuhl, wie er in den typischen Umgebindehäusern der Gegend gängig war. Die Häuser wirken deshalb so geräumig, weil die Webstühle darin Platz finden mussten, für ausreichend Licht in der guten Stube und ergo bei der Arbeit sorgen drei Fenster. Zittau war lange ein Handelsplatz für Stoffe. Böhmisches Bier, schlesische Rinder und polnisches Getreide gingen hier ebenfalls von einem Kaufmann zum anderen. Dass es hier mal textile Industrie gab, lässt sich an Ortsbezeichnungen wie Webervorstadt oder Weberstraße ablesen.

Lange nach seinen Lehrjahren kam Krabat nach Groß Särchen im Landkreis Bautzen und konnte dort seine Kräfte einsetzen, um Böden fruchtbar zu machen, verdorrte Saaten zu retten und Sümpfe auszutrocknen. Ein anderes Mal war er auf dem Weg von dort zum Kurfürsten nach Dresden. Weil er es eilig hatte, ritt er mit seiner Kutsche über die Wolken und übersah im Eifer des Gefechts, dass er Kamenz unter sich hatte. In der Folge hat er dem Ort mit dem Prädikat »Lessingstadt« – der Schriftsteller der Aufklärung ist hier geboren – den Kirchturm verbogen. Der Name Lessing zieht überregional Touristen ins Lessingmuseum, die Stadt Kamenz dürfte aber auch für Kunstgeschichtler interessant sein. Sie ist an der Via Sacra gelegen, die als Touristenroute sakrale Bauten im Dreiländereck Polen, Tschechien und BRD verbindet, sakrale Kunst zeigt das Museum in der Klosterkirche St. Annen. Wenn auf dem Hausberg namens Hutberg Rhododendren und Azaleen blühen oder auf der dortigen Bühne die Puhdys und Matthias Reim auftreten, ist Lessing aber auch schon wieder nicht weit: Der Lessing-Turm ist der Ort für die Aussicht über die Westlausitz.

Architektonisch reizvoller sind sicher die Straßen von Görlitz und Bautzen, die nicht mit Gotik, Barock und Renaissance geizen, im zweiteren Fall fallen vor allem der mittelalterliche Stadtkern und die vielen Bastionen und Türme auf. Ein Bautzner Turm, der Reichenturm, ist schief, kann aber bestiegen werden, um das zu Füßen liegende Flächendenkmal zu betrachten. In der Stadt eignen sich viele Stellen dafür, in andere Straßen und zur Spree hinunter- oder an Fassaden hinaufzuschauen, die engen Gassen der Altstadt sollten allerdings besser nicht mit einem Wohnwagen oder ähnlich Unwendigem befahren werden.

Die Landschaften der Oberlausitz fallen Richtung Norden ab: Dem Zittauer Gebirge im Süden folgen Berg- und Hügelländer, im Norden, nah der Grenze zu Brandenburg, wo mit dem Spreewald bekanntlich sehr flaches Flachland zu erwarten ist, gibt es Heiden, Teiche und Seen. Die Heide- und Teichlandschaft erkannte die Unesco als Biosphärenreservat an, aus den Gewässern holen die Fischer meist Spiegelkarpfen. Neben schroffen Felsen in der einen und verwunschenen Tümpeln zwischen Weizenfeldern in der anderen Ecke findet sich mit dem Landschaftspark im Neißetal in Bad Muskau eine Parkkultur, die Fürst Pückler zu verdanken ist. Für das heutige Weltkulturerbe hat er weder Ausgaben noch Mühen gescheut und auch mal die Neiße umgeleitet oder Dörfer versetzt. Ein Miniaturgebirge bei Görlitz, die sich auf fünfzig Quadratkilometer erstreckenden Königshainer Berge, bietet Kletterfelsen, Wälder und Bergwiesen. Die Ruhland-Königsbrücker Heiden wiederum haben den Bauern vergangener Zeiten das Leben schwergemacht, weil deren Boden eigentlich nur aus Sand und Kies besteht. Im Lausitzer Seenland will man richtige Brötchen backen: In ein paar Jahren soll hier aus ehemaligen Braunkohletagebauen die größte künstliche Seenplatte Europas entstanden sein. Dann kommt mit dem Wassertourismus vielleicht ein ganz neuer Industriezweig in die Gegend.

http://www.oberlausitz.com

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