Startseite / Filmkritik / Kinosommer

Kinosommer

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

tangerine Größeres Bild

Es ist Sommer in Karlovy Vary und das Internationale Filmfestival lockt. Bis zum Samstag laufen dort die Highlights aus den Wettbewerben der A-Festivals und der ein oder andere Star über den roten Teppich. Willem Dafoe war hier, Michael Shannon und Charlie Kaufman haben sich gerade zur Publikumsdiskussion eingefunden. Die wunderschöne Stadt lebt Kino und alle fiebern mit. Auch in Leipzig ist Sommerkino angesagt. In dieser Kinowoche starten die Open Airs auf der Moritzbastei und der Rennbahn und der Leipziger Verleih Weltkino feiert sein Portfolio noch einmal auf der großen Leinwand am Bayrischen Bahnhof. Es gibt also viele gute Gründe,
rauszugehen und Kino zu sehen!

www.kviff.com

Film der Woche: Die Straßen von L.A. sind das Zuhause von Sin-Dee und Alexandra. Die beiden Prostituierten sind beste Freundinnen, gehen durch dick und dünn. Sin-Dee ist gerade aus dem Knast entlassen worden, als Alexandra sie eines Abends darauf bringt, dass ihr Freund Chester sie betrügt – noch dazu mit einer »weißen Pussy«. Das ist zuviel für die resolute Transe mit der blonden Perücke und zuviel Make-Up. Sin-Dee zieht los, um Rache zu üben – an Chester und der Frau, die sich an ihm vergriffen hat. So entspinnt sich eine aberwitzige Reise durch die Halbwelt aus Drogen und schnellem Sex in der Stadt der Engel. Sean Baker, der bereits mit dem charmanten Indiedrama »Starlet« (am 19.7. im 2cl Sommerkino) Aufsehen erregte, liefert ein realistisches Porträt der Stadt abseits des Glanzes und Glitters des Showbusiness‘. Seine Figuren sind echt, die Darstellerinnen Kitana Kiki Rodriguez und Mya Taylor langjährige Freundinnen mit Erfahrungen in der Szene. Gefilmt auf drei iPhone 5 braucht es manchmal nicht mehr, um eine Geschichte zu erzählen und über zwanzig Preise auf Filmfestivals weltweit zu gewinnen. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»Tangerine L.A.«: ab 7.7., Cinémathèque in der naTo

Perry und Gail sind nach Marrakesch gereist, um ihre Beziehung wieder aufzufrischen. In einem Restaurant lernt Perry den Russen Dima kennen, der ihn zuerst auf eine teuren Wein und dann auf eine ausschweifende Party einlädt. Dass Dimas Reichtum nicht auf legalem Wege erwirtschaftet wurde, ahnt Perry natürlich schon bald. Aber der Mann fasziniert ihn und auch Dima erkennt in dem englischen Poesie-Professor einen grundanständigen Kerl, der ihm gute Dienste erweisen könnte. Denn Dima ist Geldwäscher bei der Mafia und will aus dem Geschäft aussteigen, um seine Familie zu retten. Beim zweiten Treffen hält er Perry einen USB-Stick mit Insider-Informationen vor die Nase, den der Brite beim MI6 abgeben soll. Perry greift zu und daraus entwickelt sich eine interessante Geschichte nicht nur über Geldwäsche, Korruption und die blutigen Hände der modernen Finanzwelt, sondern auch über die Freundschaft zweier ungleicher Männer. Solide Genre-Unterhaltung mit einem gut aufspielenden Ensemble. Ausführliche Kritik von Martin Schwickert im aktuellen kreuzer.

»Verräter wie wir«: ab 7.7., Passage Kinos, Cineplex

Flimmerzeit Juni 2016

 

Weitere Filmtermine der Woche

Yes, We Are
»Katholizismus« und »Kaczynski« – das sind häufig die ersten Assoziationen, die das Wort »Polen« weckt. Wird über Homophobie diskutiert, geht es meist um Schwule. Wie aber ergeht es Lesben in Polen? Was hat sich seit der Wende verändert? Welche Widerstandsformen gibt es? »Yes, We Are« ist der erste und bislang einzige Film, der seinen Blick auf lesbische/queere Frauen richtet.

8.7., 20 Uhr, Cineding

 

Ghettogangz 2 – Ultimatum

Französischer Actionfilm im Rahmen von »Raster : Beton«

9.7., 21 Uhr, Heizhaus

 

Athos – Jenseits dieser Welt
Auf der griechischen Halbinsel Athos leben über 2.000 Mönche abgeschieden von
der Außenwelt. Der Film ist eine spirituelle Reise zu heiligen Berg Athos.

10.7., 13 Uhr, Passage Kinos

Der Tod in Venedig

Ein deutscher Künstler fährt nach Venedig, verfällt in Liebe zu einem schönen
Jüngling und erleidet in der Cholera-verseuchten Lagunen-Stadt schließlich einen
Zusammenbruch. Atmosphärisch eindrucksvolle Umsetzung der 1912 erschienenen
Novelle von Thomas Mann. – Einführung: Frieder von Ammon

12.7., 19.30 Uhr, Haus des Buches

Surffilmnacht

– Freezing – A Cold Water Surf Trip (GB 2015) + View from a Blue Moon (USA 2015)
Open-Air-Surffilme

12.7., 21.30 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

Warum wir so gefährlich waren

Lesbisches Leben war in der DDR öffentlich so gut wie unsichtbar. Die Kirche bot
den Frauen die einzige Möglichkeit, sich öffentlich zu treffen und zu
organisieren. Unter dem Dach der evangelischen Kirche in Ost-Berlin organisierte
sich ab 1983 die Gruppe »Lesben in der Kirche«, die sich auch mit der Geschichte
der Lesben (und Schwulen) während des Nationalsozialismus beschäftigte. Seminararbeit HU Berlin

13.7., 20 Uhr, Cineding

Urban Up 2016

Filme zum Streetart und Graffiti Festival: »Girl Power«, »Wall Writers« und
»Banksy in New York«

14.7., 20 Uhr, UT Connewitz

CSD in Leipzig
Im Rahmen des Christopher Street Day Leipzig zeigen Luru und Cinémathèque queere Dokumentar- und Spielfilme.

Cürük – The Pink Report

Eine intime Begegnung mit vier homosexuellen Männern und ihren bewegenden
Geschichten zwischen institutionalisierter Gewalt, panischer Angst und dem
Wunsch nach Anerkennung in einer Gesellschaft, die sie als krank, faul,
verdorben — çürük — bezeichnet.

9.7., 20.30 Uhr

Much more Pussy!

Sieben Frauen auf freizügiger Performance-Tour qu(e)er durch Europa.

10.7., 20 Uhr (OmeU)

Wo willst du hin, Habibi?

Tragikomödie um die Freundschaft zwischen einem homo- und einem heterosexuellen
Mann. – anschl. Podiumsdiskussion mit Kathrin Darlatt (Referat Gleichstellung
Leipzig) und Daniel Bartel (Antidiskriminierungsbüro Leipzig)

11.7., 19.30 Uhr

Beziehungsweise – Kurzfilme abseits der Heteronormativität

BDSM, Sexualität im Alter, Age-Play und Beziehungsformen abseits des Mainstreams
– Regisseur Jan Soldat gelingen sensible und respektvolle Einblicke in
vielfältige Lebenswirklichkeiten und (vor allem männliche) Sexualitäten jenseits
des heteronormativen Mainstreams – ohne die übliche Pathologisierung und
jenseits der bekannten ästhetischen Signaturen queerer Lebensentwürfe. – anschl.
Gespräch mit Regisseur Jan Soldat

12.7., 19.30 Uhr, alle Cinémathèque in der naTo

Aus der Haut

Der 17-jährige Milan kämpft mit seiner Homosexualität und seinen Eltern, die
wiederum mit eigenen Problemen zu tun haben.

12.7., 18.30 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.