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Elster, Nahle und Hundewasser

Vom Wagnerhain in die Burgaue: Eine Radtour entlang von Leipzigs Flüssen

Neue Luppe, Foto: Ludo van den Bogaert Größeres Bild

»Das ist eines der Grundprobleme der Leipziger Gewässerlandschaft«, sagt Maria Vlaic. Sie steht an der Westseite des Richard-Wagner-Hains, da, wo die Stufen von den Blumenterrassen direkt ins Wasser führen. Dort ist der Ausgangspunkt für die Radtour, die sie, im Projekt Lebendige Luppe für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, fachkundig begleitet.

Das »Grundproblem« ist das Elsterbecken zwischen südlichem und nördlichem Auenwald, das aus dem Süden kommendes Wasser sammelt, dabei Sedimente aufnimmt und verlandet. Fertiggestellt wurde das breite Becken in den zwanziger Jahren wegen der regelmäßigen Hochwasser, mit denen die nah am Wasser gebaute Stadt zu kämpfen hatte, später musste es immer wieder ausgebaggert werden. Weiter nördlich gabelt sich das Elsterbecken in Nahle, Neue Luppe und Weiße Elster auf. Diese drei sind nicht mehr so breit, enthalten fast überhaupt keine Sedimente mehr und schneiden sich deshalb zunehmend tiefer in die Flusssohlen ein. Damit sorgen sie dafür, dass der Auwald zwischen Leutzsch und Papitzer Lehmlachen austrocknet, weit entfernt also vom Elsterbecken und den Stufen. Dort zweigt die Kleine Luppe ab, ein kleiner Kanal, der unter der Kuhturmstraße an der Angerbrücke entlangfließt, in der Nähe von Leutzsch in die Nahle mündet und ein Stück der Radtour zur Orientierung dienen kann.

Das Wasser fließt nach Norden und so nehmen auch die Räder erst mal parallel zu Elsterbecken und Kleiner Luppe den Cottaweg und queren die Hans-Driesch-Straße, hinter der das Waldstück Verschlossenes Holz beginnt. Im Bereich der Gaststätte Waldluft weist Maria Vlaic auf den hier sichtbaren Unterschied zwischen Auwald und Wald hin: Die Flora lässt nährstoffreichen Boden erkennen. Gut für Schrebergärtner ist auch, dass der Boden Wasser bindet und es gleichzeitig filtert. Die Kleingärtner in der hiesigen Anlage wissen es hoffentlich zu schätzen. Hinter der Gaststätte führt eine Brücke über die Kleine Luppe, die kurz danach der Burgauenbach unterquert. Mit dem Burgauenbach haben die Stadt und der Nabu Mitte der neunziger Jahre begonnen, Teile der nordwestlichen Aue wiederzuvernässen. Der Auwald braucht Wasser, ist aber durch Besiedlung, Landwirtschaft, regulierte Gewässer und nicht zuletzt die Tagebaue ausgetrocknet. Der aus Altarmen und Flutrinnen alter Gewässer angelegte Bach schlängelt sich von der Nahle Richtung Westen nach Böhlitz-Ehrenberg, flach und breit fließt er gemütlich vor sich hin und ist willkommener Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Links der Kleinen Luppe geht es weiter bis zur Bahnstrecke, dann nach links zur Unterführung und danach rechts. Hier quert wieder der Burgauenbach und geradeaus geht es zunächst an einem Spielplatz vorbei – freilich auch ein geeigneter Haltepunkt –, dann folgt noch eine Unterführung unter der Bahnlinie. Ein paar Meter weiter Richtung Norden erscheint die Nahle. Dieses kurze, stark ausgebaute Flüsschen ähnelt eher einem Kanal und verbindet das Elsterbecken mit der Neuen Luppe. Dank Maria Vlaic findet sich hier dennoch ein Abschnitt, auf dem das Wasser geradezu kurvig mäandriert. Mit steilerem Prall- und flacherem Gleithang wird anschaulich, wie ein Auengewässer eigentlich aussehen könnte. Dem Nahlelauf folgend beginnt nach der Gustav-Esche-Straße der Kilometerweg Richtung Westen parallel zum Burgauenbach. Hier kann man den Weg schon mal in südlicher Richtung verlassen, um sich anzuschauen, wie der vom Bauerngraben gekreuzt wird. Da der Burgauenbach mit einer Trogbrücke zwei Meter über dem Bauerngraben verläuft, haben beide keine Berührung miteinander. Das ist gut für den Burgauenbach, denn der Bauerngraben besteht eigentlich nur aus Abwässern und ist entsprechend frei von Lebewesen. Am Ende des Kilometerwegs scharf rechts auf den Reitweg eingebogen und diesem bis zur nächsten leichten Rechtskurve gefolgt, wird alsbald rechts wie links des Weges Mittelwaldbewirtschaftung sichtbar. Diese Form der Waldbewirtschaftung war bis 1870 im ganzen Auwald üblich und wird hier seit einigen Jahren auf kleiner Fläche wiederaufgenommen. Dabei, so Vlaic, wird ungefähr alle 15 Jahre das Unterholz als Brennholz geräumt, während die Stieleichen stehen bleiben. Es ergibt sich ein lichter Wald, der ganz und gar nicht zu den finsteren Vorstellungen passt, die bei Märchen wie Hänsel und Gretel hervorgerufen werden. Spannend ist hier, dass das Unterholz links des Wegs ganz frisch entfernt ist, während das im rechten Bereich schon zehn Jahre her ist.

Nördlich davon trifft der Weg auf die Neue Luppe. Rechts liegt der Waldbereich Am Hundewasser, durch das früher das Hundewasser floss. Die Neue Luppe durchschneidet die alten Gewässer, aber der Blick vom Luppedamm ein Stück weiter östlich zeigt das alte Hundewasserbett als Schleife. In westlicher Richtung liegt die Auwaldstation in Lützschena. Dort gibt es richtige Mäander des unbegradigten Hundewassers zu sehen, und zwar als 180-Grad-Panorama. Leider fehlt dem Stehgewässer die Dynamik. Mögliche Anschlüsse von hier aus: westlich zur Domholzschänke, nordwestlich zu den schon erwähnten Papitzer Lachen oder östlich zum Auensee, ein Eis schlecken zum Beispiel.

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