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Get a break

Drei Ausflugstipps: Planschen im Bergsee, wandern im Harz oder radeln in der Heide

Bergsee Ratscher Größeres Bild

Sachsen-Anhalt ist das Bundesland, dessen Gäste in geradezu notorischer Weise nur eine Stippvisite machen. Was Touristikern nicht so sehr gefällt, ist eigentlich eine gute Sache: Mal für ein paar Tage die Seele baumeln lassen, ein langes Wochenende lang einen Tapetenwechsel einschieben und was anderes sehen. Weil Zeit umso wertvoller wird, wenn sie stark begrenzt ist, hat niemand Lust darauf, die Anreise zum Kurzurlaub lange dauern zu lassen. Deshalb haben wir drei Ziele in der Nähe rausgesucht.

 

Bergsee Ratscher

Thüringen hat einige Talsperren. Somit staut sich jede Menge Wasser in den Tälern, das neben der Trinkwasserversorgung Badefreuden dienen kann. Ein solches Tal ist das der Schleuse, die dem nahen Städtchen Schleusingen den Namen gegeben hat. Die dort gelegene Ratschertalsperre ist auch ein Rückhaltebecken für den Hochwasserfall, so dass Schleusingen vor überflutenden Wassermassen geschützt ist. Vom Merbelsroder Wachberg kann man in dieses Tal runtergucken und jubeln ob der landschaftlichen Schönheit, die sich da ausbreitet. Der Thüringer Wald liegt drum herum auf den Bergen und das folglich Bergsee genannte Gewässer schmiegt sich mit etwa hundert Hektar Fläche in die Landschaft des Henneberger Lands. Es wäre also genauso zutreffend, die Ratscher als Waldsee zu betiteln.

Am meisten spricht für die Ratscher der schöne Badestrand mit Liegewiesen. Für Kurzurlauber interessant sind der Campingplatz sowie Bungalows und Ferienhäuser, in denen bis zu 12 Personen Platz finden. Am Wasser rumlümmeln und Löcher in die Luft starren ist für die Entspannung meist ausreichend, aktiver geht das mit Minigolf, Tischtennis, Rudern, Kegeln oder Beachvolleyball. Nicht nur Kinder dürften sich über die Wasserrutsche von 48 Metern freuen. Intellektuelle stehen in Badehose auf dem Großfeldschach rum. Die Surf- und Segelschule vor Ort leiht Surfbretter aus und zeigt bei Bedarf, wie man darauf steht, ohne runterzufallen. Richtig Action kommt auf das Gelände, wenn das Country- oder das Rockfestival stattfinden.

Harz

Der Harz ist Teil der Mittelgebirgsschwelle, die sich von der Slowakei bis in die Ardennen in Belgien und Frankreich zieht. Als schiefes Oval liegt er in der Gegend und ist selbst – wie der Nationalpark und unzählige Landschafts- und Naturschutzgebiete zeigen – vor allem Gegend. Werbeleute und Esoteriker beschreiben ihn als mystisch, und das kann nicht als komplette Übertreibung gelten, denn die Kulisse stimmt und lässt sich als solche am besten erwandern: Die endlosen Wälder mit Buchen und Eichen, in höheren Lagen auch Fichten, sind enorm artenreich, es gibt wilde Flüsse, lauschige Bächlein, tiefe Täler und die berühmten Harzer Moore. Hier lebt noch die Wildkatze und der Luchs wurde wieder angesiedelt. Das ist ein gutes Zeichen: Die Wildkatze findet nämlich Landschaften gut, die waldreich und naturnah sind. Beide Tiere sind sehr scheu und sowieso nachtaktiv, es sollte also niemand damit rechnen, dass man sich begegnet, wenn man nicht gerade am Luchsgehege an den Rabenklippen bei Bad Harzburg vorbeikommt.

Ein Teil der im Harz vermuteten Mystik ist vielleicht den Hexen zu verdanken, um die es nicht zuletzt beim Harzer Hexenstieg geht. Das ist einer von vielen Wanderwegen übers Gebirge und gleichzeitig mit 95 Kilometern von Ost nach West quer durch der längste. Er beginnt in Osterode und führt über Buntenbock und Altenau zum Brocken in 1.141 Metern Höhe. Von dort erlaubt gute Sicht den Blick bis zum Völki oder auch ins Rothaargebirge. Gute Sicht ist allerdings selten, an 306 Tagen im Jahr herrscht auf dem Brocken nämlich Nebel. Nach dem Brocken geht es bergab: Drei Annen Hohne, Hasselfelde und Treseburg sind die Stationen nach Thale, das mit 156 Metern tiefer liegt als der Ausgangspunkt Osterode mit seinen gut 200 Metern.

Dahlener Heide

lutherweg_sachsen___landschaft_bei_schildau___andreas_schmidt_14523Nördlich des Städtchens Dahlen erstreckt sich eine Landschaft, an deren Rändern sich Torgau, Belgern und Schildau befinden. Der Blick auf die herkömmliche Autokarte ergibt, dass dazwischen nicht viel ist, und das ist auch gut so, denn immerhin gibt es hier Wald und Heide und, so viel zur Beruhigung des auf Erholungssuche anreisenden Städters, es gibt Straßen im hügeligen, unter anderem von Kiefernmischwäldern bevölkerten Landschaftsschutzgebiet. Der Norden der 180 Quadratkilometer großen Heide lässt sich mit der Dahlener-Heide-Radroute bereisen. Neben der Landschaft sind die Sehenswürdigkeiten historischer Natur. Vor allem müssen sich hier in verschiedenen Jahrhunderten einige Ritter rumgetrieben haben, so in Künitzsch und in Kobershain, die beide ein Rittergut oder ein Herrenhaus vorweisen können. Mit Kirche, Markt und Gneisenaudenkmal wartet Schildau auf, ein Klosterhof und ein Markt mit Roland kann in Belgern besichtigt werden. In Schirmenitz beginnt der Weg durch den südlichen Teil. Auch dort gab es Ritter und Herren, aber erst hinter Dahlen, nämlich unter anderem in Ochsensaal, Dröschkau und Heyda. Die gut ausgebauten Wege führen großteils abseits der Straßen. Praktisch im Sommer: An den Strecken liegen Waldbäder.

http://www.dahlener-heide.info
http://www.bergseeratscher.de
http://www.hexenstieg.de

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2 Kommentare

  1. apistello | 1. August 2016 | um 10:04 Uhr

    Mittelgebirgsschwelle, Gegend, Kulisse – Großer Gott! Werbeleute und Esoteriker. Gibt es da einen Unterschied? Hier mal was Handfestes, als Versuch in Sachen Mystik und Magie:

    „Wieder wird mir bewußt, wie sehr der Harz ein magisches Gebirge ist. Und auch die Hügellinien, die ihn randen, sind geheimnisvoll. Im Inneren ruhen die alten Heiligtümer und Opferstätten, umschlossen vom Gürtel der Kastelle auf den Vorgebirgen, und endlich folgen, gewissermaßen auskristallisiert, die Fürstensitze und hohen Dome am Rande, wo die Ebene beginnt. Man müsste Bestände dieser Art indessen mit einem Blicke und zeitlos sehen. Die Urkraft liegt in dem Gebirge selbst als das massive Gold. Die Menschensiedlung tritt hinzu, und ihren Bauten teilt sich ein wenig von dem geheimen Glanz mit. Der reichste Kreis von Städten, Schlössern, Domen ist doch nur ein Gleichnis des Überflusses und der Unerschöpflichkeit der Erde selbst. So sind die Steine, die man zum Bau behaut, nur Münze aus dem Schatz der Barren; sie wird auf das Gebot der Fürsten geprägt, doch schmilzt die Zeit sie wieder ein und führt sie formlos zum Überfluß zurück, in dem der Reichtum der Erde ruht.“
    (Ernst Jünger, Gärten und Straßen, unter Blankenburg, 26. September 1939)

  2. apistello | 3. August 2016 | um 21:11 Uhr

    „Immer rauher und immer wilder werden hinter dieser Scene die Vorgebirge des Harzes, welche finstrer Kiefernwald deckt; bis endlich eine sich amphiteatralisch erhebende Bergkettte den Schauplatz umschließt und in ihrer Mitte aus ferner Bläue der Brocken sein weißes Haupt kolossalisch gen Himmel streckt.“
    (Novalis, Reisejournal, April 1793)