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Indie Ikone

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

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Greta Gerwig-Festspiele in Leipzig: neben den Kinostarts von »Maggies Plan« (aktuell in den Passage Kinos) und »Wiener Dog« (aktuell im Luru Kino auf der Spinnerei) ist sie auch noch einmal in »Misstress America« zu sehen, ihrer dritten Zusammenarbeit mit Ehemann Noah Baumbach. Hier übernimmt Lola Kirk als Tracy die Hauptrolle. Frisch an der Uni angekommen trifft sie auf die quirlige Brooke, deren Leben sich in der Krise befindet – und der verleiht niemand so herrlich Ausdruck wie Gerwig.

16.8., »Misstress America«, 2cl Sommerkino

Maxwell Perkins ist eine dieser Figuren im Schatten. Wohl jeder kennt klangvolle Namen wie F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway oder Thomas Wolfe. Aber der Seine ist weitgehend unbekannt. Dabei verhalf er als Verlagseditor diesen Autoren zur Größe. Um Perkins den längst verdienten Ruhm zuteil werden zu lassen, adaptierte der britische Theaterregisseur Michael Grandage nun A. Scott Bergs Biographie »Editor of Genius« und Hollywoods A-Garde ließ sich nicht lange bitten. Colin Firth verkörpert den zurückhaltenden Mann, der vollends in seiner Arbeit aufgeht, was auch sein Beziehung zu Louise (Laura Linney) zunehmend belastet. Erst recht als er Thomas Wolfe (Jude Law) kennen lernt. Der fahrige junge Mann knallt ihm ein tausend Seiten umfassendes Manuskript auf den Schreibtisch und Perkins versucht fortan Struktur in den Erstlingsroman und in das Leben von Wolfe hineinzubringen, das dominiert wird von der manischen Aline Bernstein (Nicole Kidman). Sie sieht in der sich entwickelnden Männerfreundschaft eine Konkurrenz und droht, sich umzubringen. Colin Firth ist der Ruhepol zu den hysterischen Ausbrüchen Kidmans und dem exaltierten Spiel von Jude Law. Als infernalisches Dreiergespann dominieren sie die theaterhafte Inszenierung. Es ist jedoch ausgerechnet das geschriebene Wort, an dem »Genius« scheitert: das Drehbuch von John Logan (»Gladiator«) hätte in den Händen von Perkins wohl ganz groß werden können. So wurde nur ein mittelprächtiger Film daraus, der seinem Genie nicht gerecht wird.

»Genius«: ab 11.8., Passage Kinos

Matt Damon und Regisseur Paul Greengrass hatten ihr Kapitel im Leben der Romanfigur Jason Bourne eigentlich vor neun Jahren abschlossen. Nun wird aber ein Neues geöffnet und das geht zurück an die Anfänge. Bourne ist untergetaucht und immer noch auf der Suche nach seiner Identität. Seine langjährige Wegbegleiterin Nicky Parsons bringt ihn auf eine neue Spur, die zu CIA Direktor Robert Dewey führt. Dewey will Bourne aus dem Verkehr ziehen und heuert dafür einen Killer an. Doch Bourne bewegt sich mit tödlicher Präzision im Schatten des CIA Bosses. »Jason Bourne« ist mehr noch als seine Vorgänger ein beinharter Actionfilm. Dabei gerät der politische Plot ein wenig ins Hintertreffen. Die Action stimmt aber und lässt den Kinogängern ein ums andere Mal die Fingenägel in den Sitzlehnen vergraben. Matt Damon macht immer noch eine verdammt gute Figur in einem rundum gelungenen Sommerblockbuster.

»Jason Bourne«: ab 11.8., Cineplex, CineStar, Regina Palast

Flimmerzeit Juli 2016

 

Weitere Filmtermine der Woche
City Walls: My Own Private Teheran – Meine Familie in Teheran

Nach fünf Jahren in der Schweiz reist die iranische Dokumentarfilmerin Afsar Sonia Shafie zurück in die Heimat. Denn in Teheran leben die Frauen, die sie geprägt haben. Sie bemüht sich, in bewegenden und fast schon intimen Bildern vom Leben dreier Frauengenerationen im Iran zu erzählen. Und auch wenn die Machart recht unspektakulär ist und der Film nicht gerade mit einer originellen Bildsprache aufwarten kann, so ist sein Inhalt umso beeindruckender.

12.8., 19 Uhr, Frauenkultur

Univers’l 

Alltag und gesellschaftlicher Mikrokosmos in South Central Los Angeles, eingebettet in die Ausschreitungen 1992 um rassistische Polizeigewalt. Verschiedene Akteure werden am 29. April 1992 durch Los Angeles begleitet. In der Reihe »California über Alles«

12.8., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

Tag der Industriekultur: Kino der Jugend 

Erstmalige Möglichkeit der Besichtigung des Geländes der ehemaligen Gasanstalt/Kino der Jugend kurz hinter dem Torgauer Platz. Neben Denkmalschutz-Experten führen Rainer Barth, Leiter der Stadtbeleuchtung und Kollegen sowie die letzte Kino-Leiterin vor der Schließung 1987, Gabriele Sergel und andere Mitglieder der IG FORTUNA – Kino der Jugend.  (Dauer 1 Stunde, Keine Teilnahmegebühr, Anmeldung nicht erforderlich)

Führung 13./14.8., 15 Uhr, Nachtführung mit Lichtinstallation an der Außenfassade und anschließend Open-Air-Kino, 13.8., 21 Uhr, Treffpunkt vor der Eisenbahnstraße 162 (ehemaliges Kino)  

Villa Flora – Magie des Augenblicks 

Dokumentarfilm über die Villa Flora in Winterthur, das Sammlerpaar Arthur und Hedy Hahnloser und ihre postimpressionistischen Künstlerfreunde. Die Geschichte des Sammlerpaars wird in Gesprächen, Familienphotos, 8mm-Filmen und Anekdoten anschaulich erzählt. Kunst trifft Film mit Regisseurin Nathalie David und Thomas Bauer-Friedrich (Kunstmuseums Moritzburg Halle )

14.8., 13 Uhr, Passage Kinos

Deutscher Kurzfilmpreis 

Der deutsche Kurzfilmpreis ist wieder on the road. Mit sechs ausgewählten Werken macht er auch in Leipzig Halt und präsentiert preisgekrönte Kurzfilme aus dem Jahr 2015. – in Anwesenheit der Filmemacherin Annika Pinske

15.8., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der naTo

El Valley Centro

Ein Ton-Bild-Porträt des Great Valley Centro, das im Herzen Kaliforniens liegt, riesige Landwirtschaftsbetriebe und Ölkonzerne wie Versicherungsgesellschaften beherbergt und ein Viertel der USA mit Nahrung versorgt. Auftakt zu James Bennings kalifornischer Trilogie, drei visuell exakt komponierte Filme, bestehend aus jeweils 35 statischen Einstellungen. – mit Einführung, Filmreihe »California Über Alles«

16.8., 20 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Bombay Beach 

Der Saltonsee ist mit fast 1.000 Quadratmetern der größte im US-Bundesstaat Kalifornien. Die israelische Filmemacherin Alma Har’el wanderte durch dieses Wasteland aus Schrott und Tierkadavern und fing mir ihrer Kamera die Poesie des Untergangs ein. Kunstvolle Bilder von Heranwachsenden, die zum wundervollen Soundtrack der Band Beirut tanzen und überraschend optimistisch stimmen, auch wenn die Zukunft im Ungewissen liegt. – mit Einführung, Filmreihe »California Über Alles«

19.8., 20 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Mistress America 

Als die junge Literaturstudentin Tracy in ihrer neuen Heimat New York zu vereinsamen droht, nimmt sich ihre zukünftige Stiefschwester Brooke ihrer an. Die scheint ihr Leben im Griff zu haben und zeigt Tracy, worauf es in der Großstadt ankommt. Quirlige Indie-Komödie mit Greta Gerwig.

16.8., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

The Wound that needs to be healed 

Der Film stellt die Grenze der spanischen Exklave Ceuta in den Mittelpunkt und fragt nach der Bedeutung von Grenzen im Allgemeinen für unterschiedliche Menschen. Anschl. Filmgespräch mit dem Regisseur Vincent Förster.

17.8., 20 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Manislam 

Der norwegische Dokumentarfilm hinterfragt das Männlichkeitsbild in der islamischen Kultur. – anschl. Diskussion zu Männlichkeit und Islam mit Delal Atmaca und Özcan Karadeniz

18.8., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der naTo

globaLE 2016

The Yes Men – Jetzt wird’s persönlich 

Mike Bonanno und Andy Bichlbaum sind zurück, ihren Kampf gegen Umweltverschmutzung, Großkonzerne, unfähige Regierungsbeamte und selbstgefällige Medien fortzuführen.

17.8., 20 Uhr, Richard-Wagner-Hain am Elsterbecken

La Voz del Gualcarque – Kampf gegen Agua Zarca 

Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren, und mit vielfältigen Protesten versuchen, sich Recht zu verschaffen. Aktuell wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, doch der Widerstand der Gemeinde geht weiter, trotz ständiger Bedrohung.

18.8., 20 Uhr, Richard-Wagner-Hain am Elsterbecken

Drugstore Indians – Ein Film über das romantische Verhältnis der Deutschen zu den »amerikanischen Germanen« 

Ein Film über das romantische Verhältnis der Deutschen zu den »amerikanischen Germanen«. Tatsächliche gibt es eine durchaus vitale »Indianistik-Szene« in Deutschland, die die Dokumentation der Leipziger Filmemacherin untersucht. Premiere in Anwesenheit des Filmteams.

18.8., 19.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Wir werden Eltern

Immer mehr gleichgeschlechtliche Paare wünschen sich Kinder und bilden Familien. Thomas und Sebastian sind in Berlin-Kreuzberg zu Hause, Josefin und Cindy im Berliner Osten. Ein gemeinsamer Kinderwunsch führt die beiden Paare zufällig zusammen und verbindet sie fortan. Filmemacherin Eva Maschke begleitete die beiden sehr unterschiedlichen Berliner Paare über ein Jahr lang. Filmreihe »Wunschkinder und Kinderwunsch – Filme über moderne Familien«

18.8., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

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