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Digitaler Tod

Im Lofft läuft Westfernsehen

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Ist digitales Sterben möglich? Die multimediale Performancegruppe Westfernsehen widmet sich dieser Frage. Im glitzernden Showformat präsentiert sie einen Mix aus Totenmesse und Business-Séance, der sich zwischen strahlender Zukunftsvision und dystopischen Ängsten bewegt.

Die Unsterblichkeit zeigt sich hier als vielversprechendes Start-Up, im Kampf gegen das Traditionsunternehmen Tod mit dem Ziel, die Lebensverlängerung durch eine digitale Ewigkeit via Mind-Uploading abzulösen. Anders ausgedrückt: Sterbebegleitung für den Tod selbst.

Bei ihrem ersten Indoor-Theaterstück macht sich die Gruppe, die bereits 2014 während des Lichtfests auftrat und ihr Publikum bisher auch über einen Livestream erreichte, die Möglichkeiten des Theaterraums zu nutze. Und was könnte da besser passen als ein Musical, oder in diesem Falle ein Deathical, um auch klassische Theaterfans für diese Fernsehshow auf der Theaterbühne zu begeistern? Dabei unterstützt wird die Gruppe von Leipziger Musikern, die mit eigens komponierten Stücken ihr ganz persönliches Lied vom Tod spielen.

Und tatsächlich beziehen sich die Künstler mit ihrem Stück auf ein hochaktuelles Thema: In Zeiten, in denen jeder Gedanke mit unendlich vielen Menschen via Internet geteilt und auf unbestimmte Zeit abgespeichert werden kann, in denen lebensechte Hologramme von Stars wie Michael Jackson Jahre nach ihrem Tod wieder auf der Bühne stehen, arbeiten Firmen unter Hochdruck daran, dass bald ganze Persönlichkeiten über ihr Ableben hinaus erhalten bleiben. Viele Unternehmen, darunter Project Elysium oder der kanadische Informatiker Hossein Rahnama, entwickeln momentan Algorithmen, mit denen es möglich sein soll, Verstorbene als digitale Klone wiederauferstehen zu lassen. Ob als animiertes Hologramm, das zu Lebzeiten mit authentischen Daten versorgt wird oder als Stimme aus dem Smartphone, die Möglichkeiten scheinen vielfältig. Was zunächst nach Science Fiction klingt, kann also schon bald zur Realität werden, zu der es Stellung zu beziehen gilt. Dass »Death will be televised« eine Lösung für diese Problematik bietet, kann nicht garantiert werden. Gestellt wird lediglich ein Diskursraum, der mit der Verschränkung von TV, Internet und Theater, zwischen Bühnentoden und medialen Eintagsfliegen, die Möglichkeit bietet, eine individuelle Antwort auf die Frage »Who wants to live forever?« zu finden.

»Death will be televised«, 8.9. (Premiere), 10.9., 20 Uhr, 11.9., 18 Uhr, Lofft

Dieser Text erschien in gekürzter Version in der September-Ausgabe des kreuzer.

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