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»Seid nett zu allen Kreaturen!«

Die Metalkolumne mailt mit Malaysia: Humiliation über Kriegslyrik und Karma

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Am Freitag reiten Humiliation aus Malaysia in der Moritzbastei ein. Vorab schickt der kreuzer den sympathischen Death-Metallern ein paar Fragen, die Sänger Bear Bee und Drummer Mudon gern beantworteten und sich über die Szene in ihrer Heimat, den Hang zu martialischen Texten und die Goldene Regel der Ethik auslassen.

kreuzer: Death is a life style. Wie fand Humiliation zum Leben – und wann?

HUMILIATION: Wir sind seit der Sekundarschule Metalheads und hatten immer Hunger auf Death-Metal-artige Musik. Unsere Leidenschaft für Death Metal lebten wir dann ab Mai 2009 aus, als wir die Band gründeten. Mudon und ich, Bear Bee, dachten zu der Zeit an Metal im Stil der 90er, als Morgoth, Monstrosity, Benediction, Bolt Thrower und viele andere begannen, die Welt zu regieren. Das hatten wir als Idee im Kopf, als wir die Suche nach einem Gitaristen und Bassisten begannen – und faden zwei geeignete Typen in unserer Szene, die wirklich zu dieser Art Musik passen: Afe am Bass und Matt an der Gitarre. Ziemlich schnell veröffentlichten wir unsere Debüt-EP im November 2009 und schauten dann danach nie zurück – und haben bis jetzt sieben Alben und etliche EPs & Splits mit Band aus aller Welt veröffentlicht.

kreuzer: Es war klar, dass es das Todesdings sein sollte?

HUMILIATION: Bevor der Bandname stand, war das Genre klar. Old School Death Metal ist die einzige Musik, die wir spielen wollen.

kreuzer: Eure Texte handeln hauptsächlich vom Krieg. Da ist kein Fantasy-Bullshit, ihr bevorzugt die brutale Realität. Warum?

HUMILIATION: Wir wollen der Welt die Geschichte erzählen, die mit unserem Land verbunden ist. Krieg ist echte Geschichte. Menschen können da draußen gleichzeitig etwas über die Kriegsgeschichte Malaysias erfahren, während sie unsere Musik hören. Unsere Texte fokussieren auf den konventionellen Krieg, vor und nach der Unabhängigkeit, Kommunismus und der Konflikt im Zweiten Weltkrieg. Wir möchten außerdem, dass die Menschen das Leben wertschätzen, bevor uns der Tod in die andere Welt holt.

kreuzer: Wer macht Euer erstaunliches Artwork? Kommen Vorschläge fürs Design – hauptsächlich Schädel und Waffen – von Euch?

HUMILIATION: Verschiedene Künstler arbeiteten für uns. Ja, wir leiben Schädel und Waffen, weil sie die Szenerie echter Kriege repräsentieren. Die Künstler folgen dabei unseren Vorstellungen, die Hauptidee kommt von uns.

kreuzer: Wir sieht die Metal-Szene in Malaysia aus?

HUMILIATION: Sie ist Underground. Kein Extrem-Metal läuft im Radio, kein Video-Clip im Fernsehen. Es gibt kein Metal-Magazin im offenen Handel, keinen Metal-Club. Das hängt mit dem Denken und der Wahrnehmung der Regierenden zusammen. Sie denken, die gesamte Metal-Musik dreht sich um das Böse, Satanismus, ist gegen die Regierung. Aber wir leben gern diesen Weg. Je größer die Barriere oder der Hass ist, dem wir gegenüberstehen, umso wertvoller wird unsere Musik. Für uns gehören Kampf und Hass zusammen. No pain, no gain. All das schlägt sich nicht auf die Bandmitglieder nieder. Wir überleben in unseren Leben als Arbeiterklasse-Typen und wir kämpfen auf dem härtesten Weg, um unsere Musik zu verbreiten. Und das nennen wir Leidenschaft!

kreuzer: Einige Bandmitglieder sind Muslime. Passen Glauben und Death Metal zusammen – und wie nimmt das die muslimische Gemeinschaft auf? Wurdet Ihr angefeindet auf Metal-Konzerten, weil ihr keinen Alkohol trinkt?

HUMILIATION: Muslim zu sein, beeinträchtigt nicht das Spielen von Death Metal. Das passiert auch in einer großen Band wie Orphaned Land; uns geht’s allen gut. Für uns hat Freundschaft keine Grenzen hinsichtlich des Glaubens, der Herkunft, Religion, Hautfarbe. Letztlich sind wir alles Menschen, haben das gleiche rot durchblutete Fleisch und Knochen. Warum sollten wir Unterschiede herausstellen, wenn wir viele Ähnlichkeiten haben und das gleiche Interesse an Metal-Musik? Seid nett zu allen Kreaturen. Was du gibst, bekommst du zurück.

kreuzer: Es ist eure dritte Europa-Tour. Wie fühlt sich das Leben on the road – und klar: das Verbreiten von Chaos in Europa – an?

HUMILIATION: Dieses Mal liegt unser Fokus auf Deutschland. Wir glauben, dass das Touren uns gute Erfahrungen ermöglicht und lernen viel, während wir auf der Straße sind. Zeit ist am wichtigsten. Wir müssen dem Zeitplan folgen und das hat uns zu disziplinierteren und gut organisierten Leuten gemacht.

kreuzer: Im Underground nimmt Eure Popularität zu, auf dem Party.San Open Air waren dieses Jahr recht viele Humiliation-T-Shirts zu sehen. Nehmt ihr das wahr und wie geht ihr damit um?

HUMILIATION: Danke für die Info. Wir glauben, das liegt an unserer Musik. Denn wir spielen Musik, weil wir ernsthaft Musik und Geschichte abliefern wollen … nicht mehr als das. Ich meine, wir zielen nicht auf Ruhm ab, sind keine Trend-Opfer. Wir bemerken, dass mehr und mehr Leute unsere Shirts tragen und sehen das als gutes Zeichen für die Band. Das bedeutet, dass sie unsere Musik mögen. Ich möchte etwas über Karl Willetts (Bolt Thrower, Memoriam) sagen. Er unterstützte und unterstützt uns weiter so sehr, dass wir sehr dankbar sind für das, was er für uns getan hat. Unser Respekt geht an ihn! Wir bekamen einige Anerkennung durch ihn und fühlen uns geehrt. Grind on Karl!

kreuzer: Ihr habt auf größeren Bühnen gespielt – beim In Flammen in Torgau 2013 vor einigen hundert Leuten –, aber auch in kleinen Räumen tretet ihr auf, wie 2014 im Leipziger Manfred. Gibt’s da Unterschiede?

HUMILIATION: Wir sind eine kleine Band aus einem Dritte-Welt-Land. Und wir haben die Bühne beim In Flammen mit großen Bands geteilt. Aber wir stören uns nicht daran, in kleinen Läden zu spielen. So lange die Leute kommen, um uns zu sehen, sind wir mehr als glücklich.

kreuzer: Freut ihr Euch auf etwas Besonderes beim Leipzig-Gig?

HUMILIATION: Wir werden unser neues Album zuerst bei der Leipzig-Show vorstellen. Wir werden unser Bestes geben, wir sehen uns dort! Wir können es nicht erwaren, in Leipzig zu spielen, terima kasih!

»Masters of Death«: Humiliation, Cytotoxin, Neuroleptic, Wound Spreader, 30.9., 20 Uhr, Moritzbastei

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