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Geschrumpfte Stadt an der Elbe

Perlen der Provinz: Ein Tag in Wittenberge

Elbufer, Foto: Flickr/Romatikgeist Größeres Bild

Wittenberge liegt an der Elbe auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg und Rostock und Magdeburg. Das ist der Grund für die Einbindung ins Eisenbahnnetz samt späterem ICE und die industrielle Blüte des heute beschaulichen Städtchens.

Der Aufschwung begann mit dem Bau einer Ölmühle 1823, zwölf Jahre später war der Elbhafen fertig. Es folgten unter anderem Fabriken für Seife, Singer-Nähmaschinen, Zellwolle und ein Eisenbahn-Ausbesserungswerk. Der Niedergang wurde mit der Wende besiegelt. Nähmaschinenwerk, Zellwollewerk und Ölmühle schlossen, nur das Eisenbahnausbesserungswerk arbeitete weiter. Es folgte großer Einwohnerverlust, die Stadt schrumpfte um über 40 Prozent. Die heute existierenden Firmen sind eher klein. Sie bauen kein Denkmal in die Stadtsilhouette.

Draußen: Vom Elbufer mit Sportboothafen geht es über die Altstadt zum Bahnhof. An dieser Magistrale finden sich neben Einzelhandel und Eisdielen das Kultur- und Festspielhaus, an den Elbpromenaden steht der rote Klinkerbau der Ölmühle. Die Gebäude vor allem im Jahn-Schulviertel entstammen der Gründerzeit, viel Jugendstil entstand im Quartier Heisterbusch, wo die Fassade am Haus der vier Jahreszeiten an eine überladene Torte erinnert. Das Rathaus im Stil des Historismus liegt im Kern des gründerzeitlichen Viertels. Der Singer-Uhrenturm, einst Wasserturm für das Nähmaschinenwerk, trägt eine der größten Turmuhren Europas. Der Kanuverleih bietet auch geführte Touren auf der Elbe und ihren Nebenflüssen Stepenitz und Löcknitz an.

Drinnen: Das Stadtmuseum in der Alten Burg erzählt von der Zeit als Ackerbürgerstädtchen, von der identitätsstiftenden Funktion der großen Betriebe, von Elbhafen, Handwerk und Bahnhof. Das daneben gelegene Steintor ist das älteste Gebäude der Stadt und war zwischendurch mal Polizeigefängnis. Der historische Lokschuppen beherbergt ein Eisenbahnmuseum. Der Tauchturm bei der Ölmühle wird mit Elbwasser gespeist, das auf 24 Grad Celsius angewärmt wird.

Mit Kindern: Wittenberge hat einen Freizeitpark und eine Badewelt, auf der Elbe fahren Dampfer. Im Indoorkletterturm bei der Ölmühle können Kinder ab 12 klettern. Das alte Gefängnis im Steintor hält Ganovengeschichten und Geheimsprache vor.

Abends: Das Kino Movie Star zeigt die aktuellsten Filme, gerne auch in 3-D. Im Kultur- und Festspielhaus gibt es Theater, Kabarett, Musik oder Lesungen. Das Restaurant Theaterkeller im selben Gebäude serviert gutbürgerliche Küche, das Brauhaus Alte Ölmühle in den Speichern der Ölmühle braut nach dem Fabrikgründer benanntes Herzbräu und kocht auch schon mal damit. Die Karte des Restaurants Kranhaus ist modern und international.

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