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Die Reihe »Die Welt im Sucher« erzählt von ungewöhnlichen Trips

Fahrradtausch auf Burning Man, Foto: Michael Wigge Größeres Bild

Wer auf Reisen war, hat Fotos und Anekdoten dabei. Das ist der Kern der Vortragsreihe der Reisefibel. »Die Welt im Sucher« startet in dieser Woche.

Christine Thürmer war eine erfolgreiche Managerin, bis sie eine nicht ganz freiwillige Berufspause einlegen musste. Die nutzte sie, um die Westküste der USA zu erkunden, und zwar zu Fuß auf dem sogenannten Pacific Crest Trail. Das sind 4.277 Kilometer von der mexikanischen zur kanadischen Grenze. Es folgten der Continent Divide Trail (5.000 Kilometer) und der Appalachian Trail (3.340 Kilometer). »Laufen. Essen. Schlafen.« heißt das Buch, in dem sie diese drei Wanderungen beschreibt – der Titel fasst zusammen, was das Leben mit nur sechs Kilo Gepäck an frischer Luft im Wesentlichen bestimmt. Natürlich trifft man da auch Menschen, ernährt sich von Nougatcreme oder lernt, dass sich mit der deutschen Nationalhymne Bären abwehren lassen. Die De-facto-Wohnungslose hat inzwischen über 30.000 Kilometer erwandert und wechselt auch mal aufs Fahrrad oder ins Boot. Nun lässt sie kurz die Wildnis Wildnis sein und tauscht Gebirge, Wüste, Hitze und Schnee gegen die Leipziger Stadtbibliothek. Dort berichtet sie von ihren Wandertrips, liest aus dem Buch und erzählt, warum man sich daran so gut gewöhnen kann.

Während Thürmer ihre Wege dank guter Planung heil absolviert, ist Planung das, was Michael Wigge sich nicht leisten kann. Sein Sport besteht darin, ohne Geld von A nach B zu kommen. Tauschenderweise hat er es schon von Berlin in die Antarktis geschafft und oder zu einem Eigenheim auf Hawaii. Er startet mit einem Apfel und fragwürdigen Dienstleistungen – zum Beispiel kann er Waldhorn spielen. Von seinem letzten Tauschrausch-Roadtrip berichtet Wigge im Pentahotel. Vielleicht gibt es da Gelegenheit für die Frage, wie man aus der Antarktis eigentlich wieder wegkommt.

Reisen heißt nicht nur, die Fremde zu entdecken, man kann auch mal Bekanntes anschauen und besondere ethnologische Ansätze erproben. Eine Möglichkeit ergibt sich, wenn man als deutschstämmiger Sinologe mit zwölf Chinesen Europa entdeckt. Diese Konstellation hat Christoph Rehage gewählt, indem er sich in einer Gruppe chinesischer Touristen als ebensolcher getarnt hat. So lernt er zwischen Kuckucksuhren, Florenz und, ja, Chinarestaurants einiges über Europa und darüber, wie es von außen aussieht. Und auch, warum Chinesen so auf Sissi stehen. Das Ganze ist ebenfalls in einem Buch dokumentiert, das den sympathischen Titel »Neuschweinstein« trägt und das Rehage in der Reisefibel vorstellt.

Wer reist, schreibt natürlich nicht immer gleich ein Buch. Nach einer Reise hat man aber trotzdem was zu erzählen, und das geht am besten mit guten Fotos. Das klassische Länderporträt hat nicht an Reiz verloren, obwohl das Internet voll ist mit Bildern und Insiderinfos auch zu den entlegensten Flecken der Welt. »Die Welt im Sucher« hat unter anderem Indien, Russland und Äthiopien auf dem Plan. Beim Provence-Abend und dem mit norwegischen Impressionen ergänzt Musik das Bild – oder andersrum. Wie das geht mit der Reisefotografie zeigen zwei Workshops, während mit Michael Martin der Meister der Wüstenfotografie Bilder von Eis und Sand präsentiert. Vor Weihnachten kommt noch Reinhold Messner und Rüdiger Nehberg nächstes Jahr vor Ostern. Dann ist der Winter vorbei und es kann wieder rausgehen in die Welt.

Die Welt im Sucher, ab 3. November, http://www.reisefibel.de/wis

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