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Willkommen in Leipzig

Migranten sorgen mit Neueröffnungen für kulturelle und kulinarische Vielfalt

Renu Bandhari im Nepal-Haus Chulo, Foto: Sandra Neuhaus Größeres Bild

Leipzigs Gastro-Szene erlebt aktuell viel Schwung. Derzeit starten Neueröffnungen mit einem ganz eigenen Flair: Familienbetriebe von Migranten, die aus unterschiedlichen Gründen in Leipzig angekommen sind und in der Gastronomie eine berufliche Existenz begründen.

Hier bringen sie nicht allein ihre kulturellen Werte ein, sondern sorgen auch für exotische kulinarische Erlebnisse. Das Schöne daran: Die jungen Köche gehen munter ans Werk und kochen unbeeinflusst authentische Gerichte ihrer Heimat. Manche versuchen, mit bewährten Ideen erst mal einen Fuß in die Tür zu bekommen. Die kreuzer-Redaktion stellt nach dem Restaurant Kabul im September diesmal drei Beispiele vor, denen vor allem eins zu wünschen ist: dauerhafter Erfolg.

Altes Damaskus in Gohlis-Mitte

Derar Amro

Derar Amro

Zur Eröffnungsparty schallte aus dem kleinen Haus auf der Georg-Schumann-Straße syrische Musik. Auch wenn die jetzt leiser klingt, das Essen ist der Hammer! Sicher gibt es Schawerma, Falafel oder Köfte, Linsensuppe und gefüllte Weinblätter auch anderswo. Aber in dieser Qualität und so wunderschön angerichtet sind die orientalischen Spezialitäten nur selten zu erleben. Dazu entführt das Ambiente in eine ganz eigene Welt. Die Terrasse verschwand inzwischen unter einem weißen Zelt. Innen laden mit Holz verkleidete Wände, Lederbänke und eine mit syrischen Decken ausgestattete Einrichtung zum Verweilen ein. Die ganze Familie Amro scheint eingespannt, um den Holzkohlegrill zu bedienen, zu kochen, die Gäste zu bewirten und jeden zu fragen, ob das Essen denn gut schmeckt. Extra fruchtig munden Mango-Medaillons mit Hähnchenbrust, Datteln, Reis und Mangosauce. Wer es pikanter mag, bestellt Manakisch, kleine scharfe, arabische Pizzen. Zudem gilt hier: Kein Alkohol! Bier gibts alkoholfrei, die Cocktails werden mit Gewürzen, Fruchtsäften, Kräutern und/oder Milch gemixt.

Georg-Schumann-Str. 67, 04155 Leipzig, tägl. 11–23 Uhr, Tel. 01 73/9 38 48 49, Hauptgerichte um 10 €

Chulo in Schleußig

Renu Bhandari, Foto: S. Neuhaus

Renu Bhandari

Pradip Khadka und seine Frau Renu verschlug es zum Studium von Nepal aus nach Leipzig. »Wir möchten am liebsten ein Nepal-Haus führen und Leipzig mit unserer Kultur vertraut machen, auch Anlaufpunkt für andere Nepaleser sein«, sagt die charmante Gastgeberin. Das kulturelle Angebot wird sich noch entwickeln. Was jetzt schon funktioniert, sind ihre Fähigkeiten in der Küche: Wie beide erklären, halten ayurvedische Gewürze wie Kurkuma, Kreuzkümmel oder Koriander, Ginger, Muskat und Kardamom in Verbindung mit frischen Zutaten Körper und Geist gesund. Ob vegan, vegetarisch oder mit Lammfleisch – als Grundlage nepalesischer Speisen und Currys sorgen sie hier für neue Erlebnisse beim Essen. Unbedingt probieren: Momos (mit Gemüse oder Hackfleisch gefüllte Teigtaschen), Chulo-Chilis in verschiedenen Varianten mit Hühnchen oder Hüttenkäse, Fischcurry und Gemüsecurry. Unter Letzteren findet sich zum Beispiel Aloo Kauli, eine raffiniert gewürzte Mischung aus gebratenem Blumenkohl und Kartoffeln. Als Getränke sind Mango Lassi und frisch gebrühte Tees quasi Pflicht, aber auch Bio-Säfte, Cocktails wie der Nepal Libre und ja selbst Brotschnaps von Fischer & Bunge werden angeboten.

Oeserstr. 33, 04229 Leipzig, Tel. 49 62 65 06, Di–So 17–22.30 Uhr, Hauptgerichte 9,80–19 €, www.chulo-leipzig.de

Allegretto in Gohlis-Nord

Alex Samsonian, Foto: S. Neuhaus

Alex Samsonian

Ohne großes Bohei eröffnete Familie Samsonian ein italienisches Lokal auf der Landsberger Straße. Die Einrichtung ist solide-dezent und bequem. Ein Wandbild dramatisiert die Mailänder Scala. Die italienischen Klassiker wie Steinofenpizza oder Piccata alla Milanese sind von guter Qualität, die Weinauswahl hält sich bisher klein. Mit der freundlichen Patronin kommt man schnell ins Gespräch: Die Familie stammt aus Georgien. Ich denke, ich höre nicht richtig, und erkläre ihr, dass es in Leipzig noch kein einziges georgisches Restaurant gibt. Das weiß sie natürlich selbst, aber sie wiegelt meine Idee lächelnd ab und meint, die georgische Küche mit ihren Fleischgerichten und starken Gewürzen wäre für hiesige Gaumen doch sehr gewöhnungsbedürftig. Und dann bietet sie an, einen georgischen Abend zu organisieren, wenn wir für eine Runde reservieren. Der Plan steht. Vielleicht folgt dem ersten Abend ja dann bald ein zweiter. Und wer weiß, vielleicht ist die Zeit in Leipzig dann irgendwann reif für wiederum ungewohnte kulinarische Entdeckungen.

Landsberger Str. 9, 04157 Leipzig, Tel. 97 48 09 41, Di–Sa und Feiertage 11–14, 17.30–22.30, So 11.30–14, 17.30–22.30 Uhr, Hauptgerichte um 10 €, www.allegretto-leipzig.de

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