DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Tipp: Rock’n’Roll auf Khmer

»Don’t think I’ve forgotten« erzählt die vergessene und jäh zu Ende gegangene Geschichte der musikalischen Jugendkultur in Kambodscha

donthinkEs muss eine Zeit gegeben haben, so in den 60ern und frühen 70ern des letzten Jahrhunderts, da sah man in Kambodscha mit Vorfreude in die Zukunft. Man trug westliche Kleidung und tanzte zu westlicher Musik, man sah sich ganz vorne dran, der König förderte alles, was fortschrittlich war und trat selbst als talentierter Musiker auf. In diesem Klima entwickelte sich eine große Rock- und Hippieszene. Von alldem gibt es Filmaufnahmen, die Menschen sind bunt und fröhlich und tanzen wild zu abgedrehten Gigs, bei denen die Musik trotz aller Wiedererkennungseffekte leicht schräg klingt, weil sie amerikanische, französische und lokale Traditionen mischt.

Wenn dann schwarz-weiße Aufnahmen gezeigt werden, kommt das den allgemeinen Assoziationen von Kambodscha schon näher. Das hat weniger etwas mit der Farbe zu tun, sondern mit den Bildern selbst: Es ist Krieg, viele Menschen sterben, dann kommt Pol Pot mit seinem Steinzeitkommunismus, der solche Formen der Kultur nicht wünscht und dem ebenfalls unglaublich viele Menschen zum Opfer fallen. Eine allgemeine Stimmung des Antiintellektualismus macht Künstlern und Musikern das Leben schwer oder beendet es gleich ganz. Da braucht man zwar auch Musik zur Erbauung, aber Rock’n’Roll und bacchantische Tanzszenen am Strand gibt es nun nicht mehr. Dank der zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen bildet dieses intelligent montierte Archivmaterial keine Vorher-Nachher-Episode. Vielmehr ist ein spannender Ritt in die Vergangenheit und in ein unbekanntes Land entstanden, der mit einem einzigartigen Sound unterlegt ist.

FRANZISKA REIF

»Don’t think I’ve forgotten«: 30.10.2015, 17:00, Passage Kinos Filmeck, 31.10.2015, 22:00, Passage Kinos Wintergarten

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