DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Das dritte Auge

Fein-kleine Animation über die Flossen der Wahrnehmung

fidhEinem Mann passiert ein kulinarisches Missgeschick – und schon sieht er die Welt mit anderen Augen. Bereits im Titel »He Who Ate the Eye of a Fish« (Alice Saey, FR 2014) wird die Handlung des Achtminüters, der Animationsfilm läuft im Internationalen Wettbewerb Kurzfilm, deutlich ausgedrückt. Mann verspeist versehentlich das Auge eines Fisches, ihm wird erst übel, dann anders, schließlich ändert sich seine Wahrnehmung. Und nein, sie verschwimmt nicht und Schuppen fallen ihm auch keine von den Augen.

Surreal und skurril kommt dieser Kurzfilm daher, in dem sich so etwas wie ein kleiner Abgrund auftut. Der Malmstrom entsteht hier im Auge des Essers. Rätsel bleibt Rätsel, Ästhetik steht vor jeder Erklärung. Eine klare Linienführung, die als Negativ gestaltete Schwarz-Weiß-Zeichnung erinnert an Schabkartontechnik, lässt Verspieltes nicht zu. Zwischendurch entstehen weitere Kontraste durch brachial einbrechendes Rot. Plötzlich pulsiert die Stadt, wird zum Organismus, dessen Architektur sich wie beim Atmen bebend hebt und senkt. Der Protagonist treibt mit den Flossen seiner neuen Wahrnehmung dahin, der Betrachter folgt ihm gebannt und reibt sich am Ende die Augen.

TOBIAS PRÜWER

»He Who Ate the Eye of a Fish«: Do 19 Uhr, Cinestar 5, Fr 19.30 Uhr, Passage Kinos Astoria

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