DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

„Der lustige König ist überhaupt nicht lustig“

Jörg Weidner über den Puppentrickfilm «Der lustige König»

imageDie Leipziger Animatoren Anke Späth und Jörg Weidner haben es in den Internationalen Wettbewerb Kurzfilm geschafft und sind dort mit ihrem surreal anmutenden, von europäischen Märchen inspirierten, Puppentrickfilm «Der lustige König» vertreten.

Nur 300 Meter von den Passage Kinos entfernt, befindet sich das Studio der beiden Filmemacher. Dort leben und arbeiten sie zusammen. Jörg Weidner beschreibt die gemeinsamen Räume: „Wo andere ihr Fernsehgerät stehen haben, ist unser Animationstisch aufgebaut“. Ende 2008 setzte sich das eingespielte Team zusammen und legte rasch das Aussehen der Figuren, jenes der Sets und, bereits in diesem Stadium der Projektentwicklung, das komplette Erscheinungsbild des Kurzfilmes fest. Anschließend verfolgten sie andere Projekte, dachten aber immer wieder an ‚den lustigen König’ zurück. Etwas später fertigten sie ein Storyboard an und begannen schlussendlich im vergangenen Jahr mit dem Dreh des Films.„Im Fall von «Der lustige König» dauerte die Produktionszeit für 12 Minuten Puppentrick immerhin 15 Monate“ rechnet Jörg Weidner zusammen. Dennoch könnten Anke Späth und er sich nichts anderes als diesen, doch recht mühevollen undlangsamen Prozess der Stop-Motion vorstellen. „Gegenstände zu zerhacken und Dinge auseinander zu nehmen, ist das Schönste am Animieren!“ – darüber sind sich die Beiden einig. «Der lustige König» ist in liebevoller Handarbeit entstanden, welcher zunächst eine gründliche Recherche voran ging. „Ausgangspunkt für alle weiteren Ideen war das Gedicht Galgenlieder von Christian Morgenstern. Dann lasen wir noch reichlich Europäische Märchen. Eine weitere Vorlage für die Hauptfigur war Der lustige König der Gebrüder Grimm. Doch der lustige König ist überhaupt nicht lustig, im Gegenteil, er ist ziemlich depressiv und stellt sich die ganz große Sinnfrage. Es geht im Film letztlich darum, dass die Zeit unabänderlich verrinnt“ sinniert Jörg Weidner. Was Anke Späth und ihn am meisten an den Märchen, v.a. den folkloristischen Überlieferungen aus Irland, interessiert habe, sei der Moment der Transformation beispielsweise der Verwandlung einer Zitrone in ein Mädchen und umgekehrt.

Die Arbeitsteilung bei diesem „found material“-Puppentrickfilm muss man sich wie folgt vorstellen. Jörg Weidner streifte mit einem Netz 3 Tage lang durch den Park und sammelte Käfer ein. Anke Späth sezierte und präpariertesie sodann und später wurden die toten Tiere gemeinsam auf einem Glastisch animiert und zu neuem Leben erweckt. „In der Bude stank es mörderisch nach Käfern!“ beschreibt JörgWeidner die Arbeitsatmosphäre im Studio, „Tote Insekten riechen unerträglich. Noch schlimmer wurde es, als wir tagelang mit dem einen Fisch – für mehrere Fische was das Budget zu klein – gearbeitet und ihn dann auch noch mit Benzin verbrannt haben. Die Herstellung des Schimmels ging da schon geruchloser vonstatten. Den Schimmel für die Eingangsszene des Films haben wir eigens in einem Aquarium mit Staubsaugerfiltern herangezüchtet“. Die Mühe und die synästhetischen Strapazen der Beiden haben sich auf jeden Fall gelohnt: Die in Spinnenweben eingefasste Märchenlandschaft mit ihren vielen vertraut anmutenden und zugleich verfremdeten Elementen kann sich sehr wohl sehen lassen.

 

CLAUDIA CORNELIUS

»Der lustige König – The Baffled King«:

31.10.2015, 19:30, Schaubühne Lindenfels

Der Film ist Teil der Vorstellung »Der lustige König + Herr von Bohlen«

 

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