DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Goldene Taube für »Licu«

content_imageDie gebürtige rumänische Filmemacherin Ana Dumitrescu hat bei DOK Leipzig mit der Produktion »Licu, a Romanian Story« (»Licu, o poveste românească«) die prestigeträchtige Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm gewonnen, gestiftet vom Mitteldeutschen Rundfunk. Die ehemalige Fotojournalistin richtet ihre Aufmerksamkeit auf den 92- jährigen Liviu Canţer, genannt Licu, der seine Erinnerungen an die Extreme des 20. Jahrhunderts teilt. In intimer Atmosphäre berichtet er von Weltkrieg, Vertreibung und Post-Kommunismus. Im Laufe des Films wird die Regisseurin von der Beobachterin zur Besucherin, es entwickelt sich eine vertraute Beziehung zwischen ihr und dem Protagonisten. »Sie erreicht direkt unsere Herzen, denn sie gestaltet eine filmische Reise, die zwar nur 86 Minuten dauern, die aber für uns eine Lektion für das Leben ist«, so die Jury. Zwei Dokumentarfilme von Dumitrescu liefen bisher in den französischen Kinos.

Die Goldene Taube im Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm ging an die israelisch-deutsche Koproduktion »Muhi – Generally Temporary« von Rina Castelnuovo-Hollander und Tamir Elterman. Der 6-jährige Muhi wurde im Gazastreifen geboren und verbringt in Folge einer seltenen Autoimmunerkrankung seine Kindheit gemeinsam mit seinem Großvater in einem israelischen Krankenhaus. Obwohl ihm Hände und Füße amputiert werden mussten, meistert er die Situation mit viel Kraft und Optimismus. Der Film wurde von der Leipziger Produktionsfirma »Neue Celluloid Fabrik« koproduziert.

Mit der Goldenen Taube im Next Masters Wettbewerb wurde die südkoreanische Regisseurin Boram Kim für »Baek-gu« (»Gae-ui-yeok-sa«) ausgezeichnet. Im Film nähert sich die Filmemacherin über einen alten, hinkenden Hund den Einwohnern eines ruhigen Stadtteils von Seoul an, die in separaten Welten zu leben scheinen. Der Preis, gestiftet von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, dient als Anschubfinanzierung für das nächste Filmprojekt. Mit der Goldenen Taube für den besten animierten Dokumentarfilm wurde der norwegische Beitrag »Mum’s Hair« (»Mammas hår«) von Maja Arnekleiv geehrt. Die 20-jährige Regiedebütantin dokumentiert über zwei Jahre hinweg die äußerliche Veränderung ihrer an Krebs erkrankten Mutter. Über 2.000 Bilder fügt sie spielerisch in einer persönlichen Montage zu positiven Erinnerungen zusammen.

Im Internationalen Wettbewerb kurzer Dokumentar- und Animationsfilm wurde die portugiesische Filmemacherin Mónica Martins Nunes mit »The Ashes Remain Warm« (»Na cinza fica calor«) mit der Goldenen Taube kurzer Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Filmemacher Ehsan Gharib erhielt für den kanadischen Beitrag „Deyzangeroo“ die Goldene Taube kurzer Animationsfilm. Beide Filme können sich für den OSCAR® qualifizieren (in den Kategorien ‚Short Film‘ bzw. ‚Documentary Short Subject‘), sofern sie die formalen Kriterien der Academy erfüllen.

Die Goldene Taube für den besten kurzen deutschen Dokumentar- und Animationsfilm ging an den Animationsfilm »Megatrick« von Anne Isensee.

Der nach einjähriger Pause erneut vergebene Filmpreis Leipziger Ring wurde in diesem Jahr erstmals vom Publikum ermittelt. Der Preis ehrt einen Dokumentarfilm über Menschenrechte, Demokratie und bürgerschaftliches Engagement, gestiftet von der Stiftung Friedliche Revolution. Die Auszeichnung ging an den Film »Silent War« (»Syrie: La guerre silencieuse«) der britisch-französischen Regisseurin Manon Loizeau, der Vergewaltigungen syrischer Frauen und bislang unerzählte Kriegsverbrechen des Assad- Regimes thematisiert. Loizeau hat zuvor bereits Dokumentarfilme über Menschenrechte in u.a. Afghanistan, Tschetschenien und Pakistan gedreht.

Gleich vier Preise und damit die meisten Auszeichnungen des Abends erhielt der Film »Wildes Herz« von Charly Hübner und Sebastian Schultz über die norddeutsche Punkband »Feine Sahne Fischfilet« und deren Engagement gegen Rechts. Der Film kommt im April 2018 in die deutschen Kinos.

Insgesamt wurden beim diesjährigen Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 21 Preise in einem Gesamtwert von 73.500 Euro vergeben, darunter sieben Goldene Tauben. Am Sonntag werden vier der Preisträgerfilme sowie Publikumslieblinge (DOK Buster) noch einmal gezeigt. Insgesamt wurden in der am Sonntag endenden Festivalwoche 340 Werke gezeigt.

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