DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Tipp: Intime Nähe

»Akt« handelt weniger von Nacktheit denn von Modellen mit Falten und Geschichten

aktAus der Antike ist uns ein Körperbild der weißen Makellosigkeit überliefert, das sich an den Statuen bewundern lässt. Da ist vielleicht mal ein Kratzer entstanden oder eine der Figuren hat im Laufe der Zeit einen Arm verloren. Grundsätzlich kann man sich aber im Museum vorstellen, das Abbild eines jungen, schönen, nackten Menschen vor sich zu haben. So müssen Aktmodelle aussehen, oder nicht? Tatsächlich sind die Menschen aber vielleicht nicht mehr ganz jung, nicht ganz schlank oder nicht ganz faltenfrei, haben einen Bauchansatz und da dann auch noch viele Haare drauf. Als wären sie ebenfalls Statuen, umfährt die Kamera in »Akt« die Menschen, die sich nackt vor eine Gruppe Staffeleien stellen oder setzen und für eine Weile still halten, das einzige Geräusch im Raum das Kratzen von Stiften. Dies empfinden die Protagonisten, denen die Kamera schließlich durch ihr Leben folgt, als Pause von der Welt, als meditative Momente, in denen sie zum Nichtstun gezwungen sind und mal in Ruhe ihren Gedanken nachgehen können. Umso intensiver erzählen sie dann, als die Kamera sie dazu auffordert. So sind zum Teil sehr intime Einblicke in die Welt der Aktmodelle entstanden, die persönlicher geraten sind als jede Zeichnung von nackter Haut.

FRANZISKA REIF

»Akt«: 29.10.2015, 13:15, CineStar 4 und 31.10.2015, 22:00, Schaubühne Lindenfels

Der Film ist Teil der Vorstellung Happiness + Naked Beauty.

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