DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Ein Königreich für 115 Lamas

Short Documentary-Auswahl über Heimatgefühle und Grenzziehung

The Green and Pleasant Land

Anhand von Online-Kommentaren erforscht Max Colson via digitaler Karte das Heimatgefühl seiner Landsleute. Mit Schäfchen auf Hügeln, Telefonzellen, Familien, grünen Wiesen und anderen Texturen, die zur Grundausstattung eines Amateur-Animationsprogramms gehören, erschafft er ein trügerisches Bild, das mit der Realität recht wenig zu tun hat. Max Colson verzichtet komplett auf fremdenfeindliche Kommentare, trotzdem schwingt im Stolz der Briten auf ihr Land auch immer die Abwehr des Fremden mit und so ist »The Green and Pleasant Land« auch ein eindrücklicher Beitrag zum Rechtsruck in Europa.

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Darüber reden

»In Search« von Beryl Magoko

Am verheerendsten sind das Schweigen und die Scham. Im Verbund mit Traditionen haben sie für Jahrhunderte dafür gesorgt, dass Frauen beschnitten wurden. Beryl Magoko ist eine dieser Frauen. Als kleines Mädchen wurde ihr ein Teil ihrer Klitoris entfernt. Als junge Frau setzt sie sich damit auseinander. Und dokumentiert diese Auseinandersetzung mit der Kamera. Das Ergebnis ist »In Search«. Weiterlesen

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Tausend schöne Momente

»Immer und ewig« von Fanny Bräuning

In der Schweiz lernen sie sich kennen. Sie, Kind einer strengen Schweizer Familie, er ein Seemann. Beide studieren an der Kunsthochschule. Er fotografiert, sie malt. Sie heiraten, bekommen zwei Kinder. Die Bilder zeugen von einer aufregenden, stürmischen Beziehung. Aufregend, das zeigt die Dokumentation, die Fanny Bräuning über das Leben ihrer Eltern drehte, bleibt die Beziehung auch später. Doch sie verändert sich auch stark. Denn Fannys Mutter hat Multiple Sklerose. Das heißt ihr Körper baut in Phasen immer mehr ab. Weiterlesen

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DOK Leipzig 2018: Die Preisträger

Der Film »I Had a Dream« hat die Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb Langer Dokumentar- und Animationsfilm gewonnen. In der Langzeitstudie über das letzte politische Jahrzehnt Italiens stellt Regisseurin Claudia Tosi mit ihren beiden Protagonistinnen die brutale Frage, ob Demokratie und Politik überhaupt noch am Leben sind. Eine Lobende Erwähnung erhielt Goran Dević für den Film »On the Water« – eine poetisch-politische Studie über Menschen am Wasser.

Die Goldene Taube im Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm ging an den kontrovers diskutierten Beitrag »Lord of the Toys« von Pablo Ben Yakov. »Mit seinen präzisen Beobachtungen legt der Film eine Jugendkultur und deren erschreckende Sprache offen, die das Internet bewusst nutzt – mit weitreichenden Folgen in den Alltag.« – sagt zumindest das DOK Leipzig. Beim Publikum sorgte der Film für Kontroversen. Weiterlesen

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Nach dem Krieg

Die DOK Spotters über »Stress« von Florian Baron

Wenn von Krieg die Rede ist, erzeugt das Bilder in unseren Köpfen. Bilder von Terror, Blut, Chaos und Tod. Stress, der Dokumentarfilm von Florian Baron, handelt zwar von Krieg – kriegstypische Bilder bleiben jedoch aus.

Stattdessen gleitet die Kamera während der Horrorerzählungen von Veteranen bedächtig über die statische Großstadtarchitektur von Pittsburgh. Vogelperspektiven und Zeitlupen kreieren ein surreales Setting, die Zeit scheint still zu stehen. Genau wie in den Geschichten der Protagonisten, wenn sie aus dem Off über ihre Zeit in Afghanistan berichten. Weiterlesen

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Der Krieg hört nicht auf

»Diorama« und »No obvious Signs«: Zwei persönliche Berichte aus der Ukraine

Als »Diorama« werden Schaukästen bezeichnet, in denen Modellfiguren vor bemalten Hintergründen stehen. Wer vor einem Diorama stehen muss, um sich den Ort seiner Kindheit anzusehen, dessen Welt muss sich stark verändert haben. Zoya Laktionova ist in Mariupol aufgewachsen. Vor dem Krieg verbrachte sie viel Zeit an dem Strand, den sie sich in der letzten Szene im Museum anschaut. Davor ist er der Protagonist ihres Kurzfilms. Wellen, die im Dunst langsam an den Sand schwappen. In der Ferne Schiffe, die geisterhaft vorübergleiten. Einmal eine struppige Katze, dann ein Hund, der in die Kamera hochblickt, als wollte er fragen was das alles soll. Weiterlesen

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Demokratieversagen

»I Had a Dream« erzählt vom Auseinanderbrechen der italienischen Gesellschaft

Manchmal wird etwas erst möglich durch das Scheitern von etwas anderem. »I Had a Dream« ist so ein Fall. Ursprünglich sollte er die Reaktion zweier italienischer Politikerinnen auf die Wahlniederlage Silvio Berlusconis erzählen. Doch dann gewann Berlusconi 2008 die Wahlen, das Projekt zerplatzte und die Regisseurin Claudia Tosi musste sich etwas Neues überlegen.
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Menschen wachsen aus der Landschaft

In Robertas Verbas frühem »The Old Man and the Land« entfaltet sich die Poesie litauischen Landlebens

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21515&title=The+Old+Man+and+the+LandDie Kinder in der Schule singen Tonleitern, brav hören sie auf den Lehrer, gerade sitzen sie in den Bänken, auch wenn die Müdigkeit sie gähnen lässt. Ätherische Gesänge begleiten die morbide Stimmung und die Kälte, in der einer mit dem Pferdewagen den Grabstein für seine Frau aus der Stadt holt. Sein Alter lässt ihn krumm laufen, sein beeindruckender Schnurrbart ist schlohweiß und er erzählt. Von dem Leben, das er mit seiner Frau gehabt hat, und von den Kindern.

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Zeitenwende

Arūnas Matelis schaut in »Ten Minutes before the Flight of Icarus« auf einen kaputten Stadtteil von Vilnius, in dem die neue Zeit schon in der Luft liegt

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21520&title=Ten+Minutes+Before+the+Flight+of+IcarusDie Veränderungen scheinen nicht von jetzt auf gleich über Užupis zu kommen, ein Stadtteil am Rande der Altstadt von Vilnius. Vor der Unabhängigkeit Litauens galt das Viertel als das am stärksten vernachlässigte in der Stadt. Die Kamera fährt denn auch über runtergekommene Fassaden, krummes, rundgelaufenes Pflaster, Menschen, die mit Eimern Wasser holen oder wegbringen.

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Eine gestörte Nation

Lutz Dammbecks Filmessay »Overgames«

Deutschland als Versuchslabor? Die Umerziehung eines ganzen Volkes? Gefügigkeit durch Gameshows? Das Fass, welches Lutz Dammbeck in seinem Mammutwerk »Overgames« öffnet, gereicht wahrhaft zu einem Fest für Verschwörungstheoretiker. Aber der Filmemacher sucht Antworten, nicht Thesen. Akribisch sammelte er über Jahre hinweg Fakten und die Kamera begleitete ihn dabei. Herausgekommen ist eine 164-minütige Reise durch die Weltgeschichte und die Psychologie. Vom Geist der Aufklärung über das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus‘ bis hin zu den Gameshows der Gegenwart. Ein Kraftakt auch für den Zuschauer, aber ebenso ein einzigartiger Trip durch die Psyche des Menschen.
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Die Magie einer guten Geschichte

Dok-Animation Night Extended präsentiert die Arbeit des Cartoon Saloon

Jedes Jahr wenn der irische Cartoon Saloon bei den Oscars in der Kategorie für den besten Animationsfilm mitmischt, gibt es ein kleines bisschen Hoffnung, dass die Übermacht der Disney-Pixar-Heile-Welt-Gewinnerfilme mal gebrochen werden könnte. Nur einmal bitte – die gewinnen die ja nicht zu Unrecht -, wirklich nur ganz kurz für einen Film, der anders aussieht, sich anders anfühlt. Und jedes Jahr ist da wieder die Enttäuschung, dass sich die Academy nicht auf Experimente einlassen mag. »Secret of Kells« wurde von »Oben« geschlagen, »Song of the Sea« von »Baymax«, in diesem Jahr konnte »The Breadwinner« sich leider nicht gegen »Coco« durchsetzen. Dabei überzeugen die Filme des Cartoon Saloons durch bezaubernd schöne Bilder voller Muster, Oranmente und Farben. Sie erzählen von Mythen, Märchen und Tradition und von der Kraft, die eine gut erzählte Geschichte geben kann. Gerade im aktuellen Werk »The Breadwinner«  ist das nötiger denn je: Wir sehen die junge Parvana, die in Kabul aufwächst, das von den Taliban kontrolliert wird. Als ihr Vater ins Gefägnis geworfen wird, ist es Parvana, ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester nicht erlaubt, ohne männliche Begleitung überhaupt auf die Straße zu gehen. Wie also Essen kaufen? Wie Geld verdienen? Und so verkleidet sich Parvana als Junge, um die Familie durchzubringen. Sie muss schwer arbeiten, viel Spott ertragen, und irgendwie muss sie ja noch ihren Vater aus dem Gefängnis befreien. Mut schöpft sie aus einer Geschichte, die von dem ungleichen Kampf eines einsamen Jungen gegen den großen Elefantenkönig erzählt. Rot und Gelb sind die dominierenden Farben, inmitten derer uns Parvanas Augen in strahlendem Grün ein wenig Hoffnung schenken. Auch, dass es vielleicht ganz bald endlich was wird mit dem Oscar! Weiterlesen

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Platz finden

Šarūnas Bartas holt auch Außenseiter auf die Straßen des winterlichen Vilnius

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21521&title=In+Memory+of+a+Day+Gone+ByEs sind die alltäglichen Dinge, die nicht der Rede wert scheinen, an denen sich Wandel erkennen lässt. Deshalb gibt es den Tag wie jeden anderen nicht; die Dinge, Menschen, Gewohnheiten und Bewegungsmuster ordnen sich ständig neu. Da gehen zum Beispiel Mütterchen mit Kopftuch, die sich auf der Straße bekreuzigen, zur Kirche. Junge Typen stehen mit Zigarette herum, ein anderer mit Bart und langen Haaren hat eine Marionette dabei. Die Marionette tanzt über eine schön gepflasterte Straße mit hübschen Fassaden, während Leute ihren Müll auf dafür abgestellten Wagen entsorgen.

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Exzellenz-Initiative

Sie kommen in Frieden: »All Creatures Welcome« setzt den Chaos Computer Club in Szene

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=20507&title=All+Creatures+Welcome»Wenn Hamburg zu klein wird, dann ziehen wir eben nach Leipzig.« Diesem Motto folgte der Chaos Computer Club (CCC) vergangenen Dezember und verlegte seinen Chaos Communication Congress auf Leipziger Messegelände. Wer es nicht auf den Kongress geschafft hat, dem zeigt nun eine vergnügliche Doku, was es mit den Hacker-Space-Invaders auf sich hat.

»All Creatures Welcome« besucht mehrere Zusammenkünfte des CCC und seiner Gleichgesinnten. Ganz unpathetisch muss man schon sagen: Ihnen kommt die Rolle einer Bürgerrechtsbewegung zu, wenn sie auf Gefahren von Digitalisierung hinweisen, Überwachung kritisieren, Verschlüsselungsmaßnahmen anempfehlen oder die Welt einfach ein Stückchen besser machen wollen. Regisseurin Sandra Trostel hat genau hingeschaut und -gehört und eine wunderbar leichte Übersetzung für das nicht ganz unkomplizierte Thema gefunden. (»Komplex ist die neue Norm«, raunt Sascha Lobo an einer Stelle aus dem Off.)

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Dichterbriefe reloaded

»Die Geträumten« von Ruth Beckermann
https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21199&title=Die+Getr%C3%A4umtenIn »Die Geträumten« lässt Ruth Beckermann, diesjähriger Ehrengast der DOK, zwei junge Menschen, Briefe von Paul Celan und Ingeborg Bachmann lesen.
Es gibt einen Satz von Westernregisseur John Ford, der auf die Frage, was denn im Falle eines Regengusses gedreht wird, geantwortet haben soll, »Die spannendste Landschaft, die ich kenne. Das menschliche Gesicht«. Das nimmt auch in Beckermanns Dokumentation großen Raum ein. Präziser, die Gesichter ihrer beiden Protagonisten. Die eine, Anja Plaschg, ist eine bekannte Musikerin. Der andere, Laurence Rupp, erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler. »Die Geträumten« führt sie im Tonstudio zusammen, wo sie Briefe von Paul Celan und Ingeborg Bachmann einlesen.

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Rechtsoffen für Menschlichkeit und Fairness

Unkritisch feiert »Lord of the Toys« Dresdner Youtube-Prahlhanse ab, die mit ein »bisschen Hitler« kein Problem haben

Dresden trollt die Dok: Schon wieder lässt ein unkritischer Dresdendokumentarfilm auf dem Festival Menschen ungefiltert zu Wort kommen, die wenig Probleme mit rechten Positionen haben. Um es mal harmlos auszudrücken. Ganz so drastisch wie das Draufhalten auf Pegida in »Montags in Dresden« im vergangenen Jahr ist »Lord of the Toys« nicht. Er verweigert aber jeden Kontext und Hintergründe seiner Protagonisten. Womit er ihr Tun – je nach Lesart – verharmlost oder ihnen eine exklusive Bühne zur reinwaschenden Promotion bietet. Weiterlesen

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I want to become a star in a Tarkovsky movie

»The Sleeping Land« von José Bautista, Alfons Rodríguez

Mehrere tausend Kilometer von Moskau entfernt liegt Wladiwostok – die russische Hafenstadt am Pazifik mit der größten Bevölkerungszahl und dem höchsten wirtschaftlichen Impact. Dazwischen liegen nicht nur sieben Zeitzonen, sondern auch diverse fast unbewohnte Landschaften und Vegetationen – Sibirien, Steppe und Baikalgebirge – sowie dicht besiedelte, nicht vollkommen triste Lebensräume, aber solche, an denen Sinn schwer gestiftet wird.
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Verloren

»Chris the Swiss«, eine spannend erzählte, visuell beeindruckende Spurensuche, die mit Leipziger Hilfe entstand

Die Leinwand erwacht in grau-schwarzen Strichen. Ein kleines Mädchen kämpft sich durch das Dickicht eines Maisfelds. Am Ende erkennt sie eine großgewachsene Gestalt, die sorglos rauchend neben dem Feld steht. Doch dann erscheinen bedrohliche Gestalten, flüchtige Schemen zusammengesetzt aus Schwärmen hunderter, rabenähnlicher Fragmente, die den jungen Mann über die weite Ebene jagen. »Als ich klein war, erzählte mir meine Mutter von einem seltsamen Land mit Ebenen so weit wie das Meer – und dass dort manchmal Menschen verloren gehen.«

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»Dokumentieren/Demonstrieren«

Eine Hommage bietet einen Querschnitt durch das politische Kino Ruth Beckermanns

Unter dem Titel »Dokumentieren/Demonstrieren« versammelt das Dubnov-Institut in Zusammenarbeit mit DOK Leipzig fünf der insgesamt elf vorwiegend dokumentarischen Langfilme sowie zwei kurze Vorfilme, die die in Wien lebende Ruth Beckermann seit Ende der 1970er Jahre gedreht hat. Als Mitbegründerin des Verleihs »Filmladen« und der Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm zählt sie auch abseits ihres Filmschaffens im engeren Sinne zu den zentralen Protagonistinnen der unabhängigen Szene Österreichs. Zu ihren Sujets gehören u.a. das jüdische Leben und die jüdische Diaspora, die gegen Widerstände durchgeführte Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der NS-Zeit sowie politische und soziale Lagen, aber auch persönliche Porträts. So etwa Die Geträumten (2016) – Beckermanns erster und bislang einziger Spielfilm, in dem sie die fragile Liebe zwischen dem Lyriker Paul Celan und der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann inszeniert und zwar an Hand der Briefe , die die beiden einander über fast zwei Jahrzehnte hinweg geschrieben haben.

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Deckmantel der Macht

»Waldheims Walzer« von Ruth Beckermann

Kurt Waldheim streckt die langen Arme aus, grinst und verkündet süffisant: »Sie werden nichts finden. Wir waren anständig«. Anstand, Moral, Wahrheit, Lüge – in Ruth Beckermanns Archiv-Montage »Waldheims Walzer« werden diese Werte zur Referenz für die Dehnbarkeit vermeintlich feststehender Normen und deren ganz individuell ausgelegte Interpretation. Für ihr beeindruckendes Werk seziert die Regisseurin die sogenannte »Waldheim Affäre«, die ab 1986 erst die österreichische und dann die Weltöffentlichkeit erschüttert. Weiterlesen

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Intimitätssimulation

Der Berlinale-Gewinner »Touch me not« in der Spätlese

Die bürgerliche Presse hat den Berlinale-Gewinner auf Grund expliziter Darstellung von Sexualität als »obszön« gelabelt. Bei denjenigen, die für identitätspolitische Forderungen nach gleicher Anerkennung und Sichtbarkeit von randständigen Sexualitäten offen sind, dürfte der Streifen allerdings keine Aufregung hervorrufen. In einer nur auf den ersten Blick experimentellen Erzählanordnung zeigt »Touch Me Not« drei Protagonisten in Situationen, in denen sie körperliche oder seelische Intimität erfahren. Weiterlesen

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Meet DOK Leipzig: Leena Pasanen

Leena Pasanen erzählt den DOK Spotters, was sie am DOK Festival verändert hat – und wie das Festival sie geprägt hat.

In Vorbereitung auf das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm haben die DOK Spotters die Festivalleiterin Leena Pasanen getroffen. Im Interview verrät sie, was ihr am Festivalmotto gefällt und wie das DOK Leipzig sie geprägt hat.

 

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Über das Erhabene

Kunst- und Sakralbau erfahren in »Architektur der Unendlichkeit« eine faszinierende Zusammenführung

Ein Film, über den man nicht viele Worte verlieren sollte – sondern den man schauen muss. Jedenfalls wenn man sich für Architektur interessiert und dem Begriff der Erhabenheit nachgehen möchte. Die reicht ja weit über das rein ästhetisch Schöne hinaus. Sie löst Gefühle von Ergriffenheit und Unendlichkeit – als deren Teil man sich begreift – aus und bewegt das Gemüt, um den Philosophen Immanuel Kant zu paraphrasieren. In »Architektur der Unendlichkeit« kommen keine Philosophen zu Wort. Es sind Architekten und Künstler, die über das in Bauten gegossene Ewige sinnieren: in Kirchen und Museumsgebäuden. Weiterlesen

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So einsam die Nacht

»Nightwanderers« – Schöne Bilder und erschütternde Geschichten

Da ist dieses Bild gleich zu Beginn. Der Blick durch das Fenster eines Wohnwagens, hinaus auf eine nächtliche Tankstellenlandschaft. Verschwommene Lichter, die durch das Plastik der Scheibe gebrochen werden. Benjamin Rost erkundet in »Nightwanderers« auf der Autobahn das nächtliche (Süd-)deutschland.

Er hat seine, etwas mehr als einer Stunde dauernde Dokumentation recht klassisch angelegt. Nächtliche Impressionen wie die aus dem Wohnwagenfenster, oder einer hellerleuchteten Baustelle, wechseln sich ab mit Geschichten von den Menschen, die diese Nächte bevölkern. Vornehmlich an den Schnellstraßen der Republik. So wie die Frau, die ein Pornokino betreibt und spät in der Nacht durch die einzelnen Räume geht, in denen es von jedem Bildschirm stöhnt und sich unscharf Körper bewegen. Bis ein Bildschirm nach dem anderen abgeschaltet wird. Draußen steckt sich die Frau dann eine Zigarette an. Sie möchte nichts sagen.

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Die Bilder und das Licht

»Living the Light« – Leben und Werk des niederländischen Kameramanns Robby Müller

Mithilfe von Archivmaterial und den Stimmen Verwandter und Freunde nähert sich die Regisseurin Claire Pijman dem in diesem Jahr verstorbenen Niederländer.

Das Licht. Es stand im Mittelpunkt für Robby Müller. Und vielleicht passt das, denn immerhin ist der Mann Niederländer und damit Teil eines Landes, dessen Kunsttradition stark vom Umgang mit dem Licht geprägt ist. Man braucht sich nur die alten holländischen Meister ansehen und welche Rolle das Licht in ihren Werken spielt. Oder man sieht sich gleich die Filme an, die Robby Müller gemacht hat und die in Ausschnitten auch in dieser Dokumentation auftauchen.

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Im Hufeisen gefangen

»Exit« dokumentiert die Hilflosigkeit der Extremismusformel

Hufeisen sollen Glück bringen. In einem Fall aber verstellen sie den Blick: bei der so genannten Extremismustheorie. Diese besagt, dass die Gesellschaft aus einer unproblematischen Mitte besteht, an deren politischen Rändern rechts wie links Extremisten ihr Unwesen treiben. Wesentlich unterscheiden sich diese Extremisten nicht, weshalb sie sich wie die beiden Enden eines Hufeisens einander annähern. Links- und Rechtsextremismus sind demzufolge die gleiche Chose, mit nur vorgegebenen anderen Vorzeichen. Den »Ausländerextremismus« hat man dann auch noch irgendwie ins Bild gestopft, fertig ist die Hufeisen-Topografie des Extremismus. In der Wissenschaft wird diese Annahme weitestgehend abgelehnt, weil sie inhaltlich leer ist, begründungslogische Lücken aufweist und nicht einmal erklären kann, was genau diese demokratische Mitte genau ausmacht. Plausibel genug aber erscheint das Bild für andere, so dass sich der Verfassungsschutz und auch viele Medien darauf berufen – und das Bild immer wieder bedienen. Die Doku »Exit« folgt leider auch genau dieser Spur. Weiterlesen

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Auf den Nerv

»#Female Pleasure« zeigt Ursprünge globaler Frauenverachtung

»Feminismus nervt«, meinte einmal hellsichtig die Slamerin und Autorin Sarah Bosetti – das müsse er aber auch, solange Gleichberechtigung unter den Geschlechtern nicht hergestellt sei. Solange patriarchale Strukturen herrschen, bleibt er notwendig – da kann man(n) nach #meetoo etc. auch noch so genervt die Augen rollen. Dass das patriarchale Korsett nicht nur mit Frauen etwas macht, wird übrigens von solch Genervten auch gern übersehen. Weiterlesen

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AusgeDOKt

DOK Industry beim diesjährigen DOK Festival Leipzig 2016

traumzwangEine Woche prallen Lebens für die Leipziger Filmlandschaft ist vorüber. Es kann nur jedes Herz erfreuen, zu sehen, wie viele Menschen regelmäßig Jahr für Jahr in die Spielstätten des DOK Leipzig pilgern und dem Dokumentar- und Animationsfilm ihre Aufwartung machen.

Neben dem regulären Publikum trifft sich immer auch die Branche, um neue Trends entweder vorzustellen oder zu begutachten. Diskussionen, Panels, Workshops, Case Studies oder nicht zuletzt das weiße Iglu des DOK Neuland sorgen für ein enges Zusammenrücken der Vertreter*innen aus allen Bereichen der Branche.
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Neo Rauch im Knast

Bei Dok im Knast wurde dieses Jahr auch der Film über Neo Rauch gezeigt. Interessanter waren aber die Kurzfilme, die die Gefangenen selber gedreht haben.

dokimknastEs gibt Popcorn. Zwei Inhaftierte stehen hinter einer kleinen Popcornmaschine und freuen sich, dass sich alle so darüber freuen. Es ist der dritte und letzte Abend der Reihe Dok im Knast und auf dem Programm steht: »Neo Rauch – Gefährten und Begleiter.«

Eine Auswahl, die etwas verwundert, wenn man weiß, dass die Insassen die Filme selber ausgesucht haben. Am ersten Tag lief der rührende Animationsfilm »My Life As A Courgette«, am Abend zuvor »Fighter« – über Männer, die sich im Käfig blutig schlagen. Warum also jetzt dieses Künstlerportrait? Ein Junge aus der Jury nennt drei Gründe: »Wir fanden es interessant zu sehen, wie die Charaktere der Bilder entstanden sind. Und die Kunst, die Herr Neo Rauch da macht. Außerdem ist er Leipziger – und wir sind ja auch Leipziger.« Weiterlesen

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Machtlos

Preisträger der Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb: »Furusato« von Thorsten Trimpop

furusato»Wer weiß, was wir alles abbekommen haben, als damals die Wolke aus dem Osten kam…« Manchmal hört man derartige Sätze aus dem Munde der Eltern oder Großeltern. Tschernobyl ist zum Synonym geworden für den unsichtbaren Schrecken, den die Nutzung der Atomkraft in sich trägt. Und fast stand dieser unglückselige Ort allein da auf der Welt. Bis am 11. März 2011 die Erde vor Japans Ostküste bebte. Genau da beginnt Thorsten Trimpops Film »Furusato«. Die Eröffnungssequenz des diesjährigen Goldene Taube-Preisträgers in der Kategorie »Deutscher Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm« ist unglaublich stark, wenngleich nur eine Karte zu sehen ist, die den Verlauf und die Stärke der Beben um die japanischen Inseln herum zeigt. Vibrierende Punkte ploppen da an etlichen Stellen auf, jedes dieser Signale wird begleitet von einem schaurigen Dröhnen. Am 11. März dann plötzlich verdichtet sich alles, die Animation zeigt ein einziges riesiges rot vibrierendes Durcheinander, das Dröhnen schwillt an, die Einstellung scheint nicht enden zu wollen.

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Ausgezeichnet kurz

Die Kurzfilme »Eternal Hunting Ground« und »Patriotic Lesson« wurden gestern mit der goldenen Taube ausgezeichnet

patriotic-lessonEin blondes Mädchen steht auf der Bühne und singt ein bewegendes Lied über den Krieg. Die Eltern sind stolz, die Lehrer gespannt, die älteren Zuhörer beginnen zu weinen: In einer Schule irgendwo in Polen findet ein Wettbewerb für patriotische Poesie und Musik statt. Großartig fängt Regisseur Filip Jacobson in »Patriotic Lesson« den Mikrokosmos Turnhalle ein und taucht die Szenen in schwarz-weiß, als wäre diese Veranstaltung schon lange Vergangenheit. Weiterlesen

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Interview mit David Sproxton

David Sproxton hat 1976 mit Peter Lord Aardman Animations gegründet. Aardman ist das Produktionsteam hinter den Kinderhelden Shaun das Schaf, Wallace und Gromit und Morph. Aber Aardman hat weitaus mehr gemacht als die oben genannten Figuren, sie haben viele Filme und Kurzfilme heraus gebracht wie Chicken Run und  Creature Comforts.

Die DokSpotters haben David Sproxton zum Interview getroffen und ihm Knete in die Hand gedrückt.

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Die Preisträger des 59. DOK Leipzig

Insgesamt hat das Filmfestival 21 Preise in Höhe von 77.000 Euro ausgelobt 

austerlitzDer ukrainische Filmemacher Sergei Loznitsa hat bei DOK Leipzig mit dem Film »Austerlitz« die prestigeträchtige Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm gewonnen, gestiftet vom Mitteldeutschen Rundfunk. Der renommierte Filmemacher beobachtet in seinem Werk in Schwarz-Weiß-Bildern Besucherinnen und Besucher in Konzentrationslagern. Die Jury begründete ihre Wahl unter anderem mit den Worten: »Die seinen Bildern innewohnende Ruhe und Schönheit sowie die bemerkenswerte Klangbearbeitung lassen jede Menge Zeit, nochmals darüber nachzudenken, was sich vor noch gar nicht so langer Zeit in der Mitte Europas ereignet hat.« Am 15. Dezember kommt »Austerlitz« bundesweit in die Kinos.  Weiterlesen

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Die Sehnsucht nach Ruine

Ute Puder erzählt in ihrem Erstlingsfilm die Geschichte des Lindenauer Hafens

sehnsuchtGefühlt 90 Prozent aller jüngeren Leipzig-Dokus beschäftigen sich mit den Großruinen dieser Stadt. »Die Sehnsucht nach dem Meer« reiht sich hier nahtlos ein. Erzählt wird die Geschichte des Lindenauer Hafens, der bis voriges Jahr nur auf dem Landweg erreichbar war. Nach mehr als 100 Jahren wurde 2015 die 665 Meter lange Wasserverbindung zum Karl-Heine-Kanal fertiggestellt.

In die andere Richtung ist hinter den Speichern immer noch Schluss: Der Durchstich zum Saale-Leipzig-Kanal soll erst in den kommenden Jahren gebaut werden. Aber auch an dessen westlichem Ende nahe Leuna fehlen noch mehrere Kilometer Wasserstraße und ein sehr teures Schleusenbauwerk, um die Verbindung zur Saale und damit zu den Weltmeeren herzustellen. Weiterlesen

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Leipzig loben oder nicht

Die Matinee Amateurfilm II spannt einen weiten Bogen mit DDR-Filmen von 1964 bis 1987, von Trickfilm bis Spielfilm und von Jubel bis Satire

bis_tausend_stimmen_stimmen_webEine Anekdote aus dem DDR-Alltag im Chemiedreieck der Achtziger geht so: Honecker hatte seinen Besuch in den Schkopauer Buna-Werken angekündigt, die dafür verantwortlich waren, dass rundherum jedes Hausdach und jedes Blatt am Baum mit einer weißen Carbidschicht überzogen war. Der Staatsratsvorsitzende sollte davon nichts mitbekommen, folglich wurden Überstunden darauf verwendet, das Gras auf dem Werksgelände und in dessen Umgebung grün anzumalen. Ein ähnliches Szenario setzt der Trickfilm von Manfred Seifert mit dem unverblümten Titel »Tünche« um: In Silhouettentechnik stellt der Film den Zusammenhang zwischen Industriedreck und kahlen Bäumen her. Fröhlich wird das Ganze erst wieder, als ein Flugzeug grüne Farbe abwirft: »Gebt uns Tünche und wir sind erbötig, alles so zu machen, dass es noch mal geht!«, lauten die dazu passenden Brechtworte.

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Eine Frage der Haltung

Das Sonderprogramm »We Are Hip Hop« fokussiert die politische Haltung des Musikgenres

this-is»This is what it is.« So bringen es die kubanischen Hip-Hop-Künstler in dem gleichnamigen Film auf den Punkt, wenn sie ihre Musik beschreiben. Die Texte des Duos »Los Aldeanos« um die Rapper Aldo Baquero und Bian Galádes sind keine auf Papier gebrachten, philosophischen Gedankenkonstrukte, sondern drücken die Realität der Insel aus, die den meisten Pauschaltouristen unbekannt bleibt. Der Alltag auf Kuba, der von Restriktionen und Perspektivlosigkeit geprägt ist, bringt die kubanischen Musiker schließlich dazu, ihre Heimat zu verlassen, um auf den Bühnen Europas und Amerikas aufzutreten. Doch dort erwartet sie eine Realität, die eher am Gewinn als an ihrer Musik interessiert ist. Weiterlesen

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Tipp: »Mich vermisst keiner«

mich-vermisst-keinerEvi sitzt alleine in ihrer Wohnung. Raus gehen oder den Balkon nutzen kann sie nicht; der ehemaligen Sportlerin wurden die Beine amputiert. Freunde kommen schon lange nicht mehr zu Besuch und die Familie hat mit ihr gebrochen. Ihr Kontakt zur Außenwelt besteht nur noch aus dem allmorgendlichen Besuch des Pflegedienstes und dem Internet. Und so spielt sich ihr Leben und demzufolge der gesamte Film zwischen Fernseher, Küche und Bett ab.

Evi wirkt auf der einen Seite einsam, verschroben und verbittert, auf der anderen Seite hat sie sich einen außergewöhnlichen Humor und eine sehr liebenswerte Art bewahrt.

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Die Innere Aufrüstung

»Do Not Resist« zeigt die von wachsender Angst getriebene Aufrüstung der US-Polizeibehörden

do-not-resist Da ist der Sheriff der kleinen Gemeinde Juneau in Wisconsin (0 Morde in 2014): Wenn seine Polizei einen schwer gepanzerten Mannschaftstransporter bekommen kann, warum nicht? Schließlich könnte man auch in Juneau einmal in die Situation kommen, einen bewaffneten Aufstand bekämpfen zu müssen, oder? Weiterlesen

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»Die Türken sind filmverrückt«

Der Länderfokus Türkei zeigt vielfältiges Filmschaffen
once-uponDer Zug setzt sich in Bewegung in eine ungewisse Zukunft. Eine Familie ist unterwegs mit ihrem gesamten Hab und Gut von Batman im Osten des Landes ins 1000 Kilometer entfernte Umland von Ankara. Dort werden sie den Sommer über auf den Feldern schuften mit hunderten anderen wie ihnen. Kurden, die für einen Hungerlohn Gemüse ernten, das auch in unseren Supermärkten landet. Weiterlesen

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Tipp: Happy

happyDieter ist 60 und lebt irgendwo in der westdeutschen Provinz. Er ist Verwaltungsangestellter, Hobbygärtner, -landwirt und -imker, er ist etwas hutzelig und scheucht auch schon mal in Unterhosen die Hühner übern Hof, weil er keine Zeit mehr hatte, seine Hose anzuziehen. Er ist geschieden und hat eine erwachsene Tochter, die Filmemacherin Carolin Genreith. Vor allem aber ist Dieter einsam und hat große Angst vor dem Alleinsein im Alter.

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Verstellt

»Intensity of Watching« von Andrzej Sapija

intensity-of-watchingKazimierz Karabasz gilt als der wichtigste Dokumentarfilmer der polnischen Nachkriegszeit. Die in den 50er Jahren begründete »Karabasz-Schule« verschrieb sich dem »einfachen Menschen« und beeinflusst bis heute den polnischen Dokumentarfilm. Mit einem schlichten und prägnanten Stil wurden Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld portraitiert, vor allem Arbeiter – allerdings ohne den bis dato vorherrschenden ideologischen Zeigefinger. Karabasz war überzeugt, dass derartige Portraits aus jedem etwas Besonderes und Ungewöhnliches machen, dass es nur auf die Art des Blicks ankommt, mit der die Person betrachtet wird. Weiterlesen

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Interaktive Arbeiten erleben – Ein Selbstversuch

DOK Neuland – eine Ausstellung der Künstlerin Paula Gehrmann und des Koordinators Lars Rummel

neuland»Schon immer lebte das bewegte Bild von Illusionen. In der der Virtual Reality finden sie einen neuen Höhepunkt.( … )Wahrnehmung besteht aus Sinneseindrücken, die imitiert, getäuscht, manipuliert, ergänzt und in den schönsten Farben ausgedrückt werden können. Die menschliche Wahrnehmung ist aber keine feste Größe, sie ist vielmehr individuell und situativ…«

Aha. So steht es auf der Programmseite vom DOK über die interaktive Ausstellung »DOK Neuland«. Ich hätte also schon ahnen können, was mich erwartet, aber irgendwie ist die Ausstellung bisher an mir vorbei gegangen.

Und so stolpere ich am verregneten späten Mittwochnachmittag in dieses iglu-ähnliche Zelt auf dem Marktplatz. Ich habe nämlich meinen Film verpasst, weil das Filmgespräch vom Film vorher so lange gedauert hat. Zu spät ins Kino kommen ist blöd und peinlich. Koordinator Lars Rummel, der mich am Eingang empfängt, grinst: »Das ist einer der Gründe, warum wir diese Ausstellung machen«“ Was mich aber gleich erwartet ist vielmehr als schnöder Zeitvertreib.

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Tipp: Minimalistisches Leuchten

»Mishka« heißt der Bär, der seine Gefühle für den Fuchs nicht in den Griff bekommt

Wer Sterne mit Linien verbindet, um darin Muster und Figuren wie den Orion zu erkennen, kommt nicht auf die Idee, die Flächen dazwischen bunt auszumalen, auf dass der Orion zum Beispiel eine blaue Hose bekomme. Eine ähnliche Sternbildfigur ist der minimalistische Bär in »Mishka«, der auch nur aus hellen Umrissen vor dem Nachthimmel und einem abstrakten Wald besteht und dabei nicht minder ein vollständiger Bär ist, mit Bewegungen und, vor allem: Emotionen. Die äußern sich in erster Linie dem Fuchs gegenüber, ein irritierend roter Körper, der mal ein Wollknäuel bildet, mal viele Fäden, mal in den Himmel wächst. Sphärische Klänge untermalen die Interaktionen innerhalb der poetische Transformationen von Körpern, die sich nicht nur umeinander schlingen.

FRANZISKA REIF

»Mishka«: D 2016 | 5 min | Deutscher Wettbewerb Kurzfilm, Neue Deutsche Animation | R: Eszter Jánka | ohne Dialog/Untertitel | Weltpremiere

Passage Kinos Astoria: 4.11., 22 Uhr (Teil des Programms »Mishka + Kaisa’s Enchanted Forest«)

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Echte Männer tanzen Ballett

»Keep Frozen« ist der Auftrag beim Entladen eines Fischtrawlers

keep-frozenWenn der Trawler monatelang auf See war, kommt er voll Fisch im Hafen von Reykjavik an. Fisch heißt in dem Fall: 25 Kilo schwere Pakete, tiefgefroren. Die Pakete müssen an Land und trotz Technik und Kränen ist das Handarbeit. Handarbeit für echte Männer aus Stahl: Kisten nehmen, per Hand auf Paletten stapeln, Paletten wegbringen, Kisten wieder nehmen, neu stapeln. Wenn alles gut geht, dauert das nur zehn bis zwölf Stunden. Meistens kommt aber was dazwischen, Stapel fallen um oder stürzen ineinander oder es geht eine Palette kaputt, am besten, während sie am Kran in der Luft hängt. Dann landet nicht nur ein Teil der Ladung im eiskalten Wasser, es könnte auch schlecht für die ausgehen, die darunter stehen. Entsprechend berichten die Männer, deren Lebensmittelpunkt das ewige Eis bildet, von kaputten Gliedmaßen oder amputierten Fingern. In ihren sich wiederholenden Bewegungen, in den wiederkehrenden Abläufen von Kisten hier und Kisten da, in der Eintönigkeit der Logistik ist der Einzelne so etwas wie eine Ameise, die zum Gelingen des großen Ganzen beiträgt. Weiterlesen

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Tipp »Terminal Device«

terminaldeviceDer Schurke mit dem Haken: Ob Captain Hook oder der gruselige Killer aus »Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast« – ein Haken als Hand steht meist für den Superbösewicht, vor dem sich alle fürchten müssen. Ross Turnbull trägt, seit er denken kann, eine Prothese, und hat damit leben gelernt: Mit den Blicken, der Angst, dem Misstrauen. In seinem Film »Terminal Device« untersucht der Filmemacher, woher das Misstrauen und all die Legenden rund um die künstliche Hand überhaupt kommen. Und wie könnte man die Wirkung auf die Öffentlichkeit besser untersuchen, als anhand von Blockbustern der Filmgeschichte? Da sind Luke Skywalker aus Star Wars und der Terminator ebenso gute Beispiele wie Edward mit den Scherenhänden. Und immer wieder Hook. Positive Beispiele sind allerdings kaum vorhanden, immer wieder wird ein Makel am Körper auch mit einem unsteten Charakter assoziiert. »Terminal Device« versammelt Helden und Schurken der Kindheit, erzählt eine ungewöhnliche Geschichte und räumt dabei spielend mit allerhand Vorurteilen auf.

HANNE BIERMANN

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Unbeschreibbar

Drei Mädchen sprechen in »A157« über das Leid, das ihnen der Krieg angetan hat

a157Gleich zu Beginn des Filmes stellt sich ein beklemmendes Gefühl ein. Lautes Donnergrollen. Es regnet in Strömen. Die Wege in dem riesigen Flüchtlingslager, irgendwo an der türkisch-syrischen Grenze, sind verschlammt. Ein junges Mädchen zieht ihre Schlappen über den nassen Pfad, während sie auf ein UNHCR-Zelt zusteuert. Es hat die Nummer A157. Fast ausschließlich auf das Zeltinnere konzentriert, nähert sich diese Doku dem Schicksal dreier junger Mädchen, jesidische Kurdinnen aus Syrien, die den Gräueltaten der IS-Kämpfer zum Opfer gefallen sind. Sie haben überlebt, konnten fliehen, und fristen nun ein verzweifeltes Dasein in dem Zelt. Weiterlesen

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»Mit dem Selfie-Stick auf der Rampe«

könnte eine flüchtige und vielleicht nicht unzutreffende Synopse von gleich zwei Filmen des diesjährigen DOK-Programms lauten – von »#uploading holocaust« (R: Sagi Bornstein, Udi Nir) und von »Austerlitz« (R: Sergej Loznitsa).

uploading-holocaustBeide zeigen die zeitgenössische »Erinnungskultur«s an den Gedenkstätten der Shoa. Während Loznitsa in der ihm eigen ästhetischen Signatur in kommentarlosen, gedehnten Einstellungen die Besucherströme u.a. im KZ Sachsenhausen an seiner statischen Kamera vorbeifließen lässt, montieren Bornstein und Nir Amateuraufnahmen, die hauptsächlich von israelischen Jugendlichen stammen, von denen jährlich Tausende während einer einwöchigen Exkursion Orte des Holocausts besuchen, die heute in Polen liegen – Städte, in denen während der NS-Besatzung Ghettos errichtet wurden, Vernichtungslager und Hinrichtungsstätten.

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Tipp: Zwischen den Stühlen

zwischen-den-stuehlenAnna, Ralf und Katja lernen den Ernst des Lebens kennen. Aber nicht als Schüler, sondern als Lehrer, viel mehr als Referendare. Sie sind in einer »Zwittersituation«, Lehrende und Belehrte zugleich. Diese Zeit ist für alle drei Protagonisten mit viel Stress und Nervenaufwand verbunden. Der permanente Druck, ein »guter Lehrer« zu sein, lässt sie teilweise an sich selbst zweifeln. Doch was ist eigentlich ein guter Lehrer? Und in was für einem System soll er funktionieren? Jakob Schmidt wirft einen nachdenklichen Blick auf die Maßstäbe von Bildung in der Gesellschaft. Interessanter Film über den Widerspruch (oder die Akzeptanz) persönlicher Werte und genormter Realität.

JUDITH DE SANTIS

CineStar 4:   
 

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Starks and Silence

»Into the Silence«, »Two Worlds«, »Seeing Voices« und eine besondere App

seeing-voicesIm Kino: Der Film beginnt, ich starte die App »Starks«, das Package für den aktuellen Film habe ich mir heruntergeladen. Das ging alles recht schnell und komfortabel. Ich sehe »Mein Leben als Zucchini«, den Eröffnungsfilm. Bei den ersten Worten erscheinen Worte auf dem dunklen Bildschirm. Ich starre auf die App: Was passiert? Dann fällt mir ein: Ach nein, ich bin doch hier, um den Film zu sehen! Ich schaue wieder auf die Leinwand, höre Französisch, dessen ich nur unzureichend mächtig bin, lese die englischen Untertitel und vergleiche dann mit den deutschen Sätzen in der App, ich schaue geradeaus, runter, weiter runter, wieder zurück. Und wie kann ich denn jetzt noch auf die entzückende Animation achten? Tatsächlich ist der Umgang mit der Untertitel-App erstmal sehr verwirrend. Ich merke schnell, dass ich nur bedingt zum Zielpublikum gehöre. Ein weiteres Problem: Wohin mit dem Handy? Auf dem Schoß liegt es zu tief. Geradeaus gehalten versperrt es die Sicht. Rechts, aber nah den Augen, damit ich weiterhin geradeaus schauen kann, wird schnell der Arm müde. So recht konnte ich noch keine Möglichkeit finden. Doch trotz all der Unkenrufe und der vielen Unsicherheiten, die der Umgang mit der App erstmal bietet, so ist es doch ein großartiges Angebot und ein spannender Testlauf beim Dok-Festival. Gerade für die Menschen, die die englischen Untertitel nicht verstehen oder nicht lesen können. Oder eben alle, die den Ton nicht wahrnehmen können und trotzdem am Festival und seiner besonderen Atmosphäre aktiv teilhaben möchten. Weiterlesen

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Gleichgewicht zwischen Pflicht und Vergnügen

Die DOK Spotters haben Leena Pasanen – die Direktorin des DOK Leipzig – getroffen, um mit ihr über ihren vollen Terminplaner und ihre persönliche Beziehung zu Animations- und Dokumentarfilmen zu reden.


Wann stehst du auf und wann gehst du ins Bett während des Festivals?

Naja, die Festivalwoche ist ziemlich speziell: Ich muss sagen, dass ich nicht vor sieben Uhr aufstehe, aber wenn ich dann schlafen gehe ist es meistens gegen zwei Uhr morgens. Mein Kalender sieht absolut schrecklich aus und ich renne eigentlich die ganze Woche von einem Ort zum nächsten.

Wie viele Filme schaust du pro Monat?

Das kommt ganz auf den Monat an. Ich würde sagen, dass es jeden Monat mehrere Filme gibt, auch weil ich auf vielen anderen Festivals, Workshops und Märkten unterwegs bin. Viele dieser Filme sind noch nicht fertig. Wenn es dann Richtung Juni, Juli und August geht, also unsere Auswahlsaison beginnt, dann schaue ich hunderte Filme, sagen wir insgesamt 200-300. Im Vergleich mit den Mitgliedern der Auswahlkommission ist das aber nichts, die schauen durchschnittlich 600-800 Filme. Weiterlesen

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Tipp »Pickle«

Ständig sterben Tiere in diesem Film – und doch ist er der wahrscheinlich witzigste des Festivals. Debbie und Tom haben ein Herz für Tiere und retten daher jede Menge geschundene Kreaturen: Ein Opossum, das nicht laufen kann, bekommt ein Skateboard und für einen Fisch, der nicht schwimmen kann, basteln sie einen Schwamm, der ihn vor dem Runterfallen bewahrt. Angefangen hat die Tierliebe mit einem Massentierhaltungshuhn, das vom Laster gefallen war. Portrait eines hilfsbereiten Ehepaares, das von ihrer Tochter liebevoll gefilmt und dessen inzwischen verstorbene Haustiere charmant animiert wurden. JULIANE STREICH

»Pickle«: USA | 2015 | 15 Minuten | englisch | keine Untertitel | Deutsche Premiere
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Tipp: »Communion«

communionDie Geschwister Ola und Nikodem wohnen mit ihrem Vater in einer ranzigen Wohnung in einem polnischen Dorf. Nikodem ist Autist, der Vater Alkoholiker, die Mutter wohnt bei ihrem neuen Freund. Die 14-jährige Ola hält durch Optimismus, Strenge und den unschlagbaren Willen, die Familie über Wasser zu halten, ihr aller Leben zusammen. Anna Zameckas Debüt lief im August in der Semaine de la Critique des 69. Filmfestivals in Locarno. Leise und trocken poetisch portraitiert sie das Leben zweier Jugendlicher, die in sehr schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Nikodem, der die Geschehnisse immer wieder in seiner sehr eigenen Sichtweise kommentiert, wirkt bisweilen wie der einzige Vernünftige in diesem Szenario, das durchaus shakespeareske Züge trägt.

MAGDALENA KOTZUREK

»Communion«: Regie: Anna Zamecka |Internationaler Wettbewerb | Polen |
2016 | 72 Minuten | polnisch | engl. UT |

CineStar 5: 02.11.2016 / 19:00
Polnisches Institut: 03.11.2016 / 17:30
CineStar 8: 04.11.2016 / 13:00

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Tipp: Fighter

MfighterMA ist ein hartes Gewerbe: Für Mixed Martial Art, das alle möglichen Kampfkünste zum Technikcocktail aus Schlag-, Tritt- und Ringmoves  verbindet, braucht man neben Können eine Menge Ausdauer – und muss einstecken können. Susanne Binninger begleitet drei Käfigkämpfer auf ihrem Weg zum nächsten Sieg – oder zur Niederlage. Spannende Einführung in ein weniger bekanntes Sportphänomen, in den Traum von Anerkennung und Geldregen sowie den lebensbejahenden Rausch des Kampfes.

TOBIAS PRÜWER

»Fighter«: D 2016 | 103 min | englisch, deutsch | englische, deutsche UT | Weltpremiere

CineStar 5: 1.11., 19 Uhr
JSA Regis-Breitingen: 2.11., 17 Uhr
Passage Kinos Universum: 4.11., 13.30 Uhr
CineStar 4: 6.11., 19.45 Uhr 

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Begegnungsstätte am Bahnhof

»Neben den Gleisen« liegt der Treffpunkt im mecklenburgischen Städtchen Boizenburg

neben-den-gleisenIm Frühsommer diesen Jahres ging das kurze Video viral, in dem eine 16-Jährige aus Mecklenburg vermeintlich davon berichtet, dass ein Flüchtling ein Kind gegessen hat, und zwar bei lebendigem Leib. Wer mehr als diesen Ausschnitt kennt, erfährt, dass man nur den Zitaten glauben schenken sollte, die man selber aus dem Kontext gerissen hat. Noch später im Film stellt sich heraus, dass eines der Mädchen im Ausschnitt Arabisch lernt und Kontakte zu Flüchtlingen pflegt.

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Regisseurinnen, Religion und Politik

Bei der deutsch-englischen Eröffnungsveranstaltung wurde gefragt: What’s going on in dieser Welt?

eroeffnungDas Überraschendste an der Eröffnungsveranstaltung war ihre Länge. Nach zwei Stunden war sie schon vorbei. Das lag einerseits daran, dass der Eröffnungsfilm »My Life As A Courgette« nur eine gute Stunde ging, aber auch die drei Rednerinnen nicht ausschweifend wurden, sondern recht präzise zum Punkt kamen. Und der Punkt, oder besser gesagt die Punkte waren bei Festivalintendantin Leena Pasanen, der sächsischen Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange und der Leipziger Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke nahezu die gleichen: Regisseurinnen, Religion und Politik. Weiterlesen

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Spurensuche in den Leerlauf

Geschickt verstrickt und dann beim Mäandern verrannt: »Kokolampy«

kokolampy»Ich kann hier nur die losen Enden zusammenführen«: Gleich zu Beginn des Films spricht Regisseur Hajo Schomerus seine Warnung aus. Man missversteht die Worte leicht als Einladung, sich auf den Film einzulassen. Und findet sich schließlich selbst verloren an losen Enden stehend.

Dabei beginnt die Geschichte wirklich gut und spannend. Schomerus Großonkel Menko war ein Abenteurer, von dem der Filmemacher in seinen Kindertagen fasziniert war. Neben den wilden Storys war es besonders ein Elefantenvogelei, das ihn anzog. Der Onkel ist seit Jahrzehnten tot. Nun fragt Schomerus, was denn aus dem Ei der einst auf Madagaskar lebenden, vor vielen Jahrhunderten ausgestorbenen Riesenvögel geworden ist. Geschickt folgt er der Spur, landet bei einem christlichen Madagaskarmissionswerk, das bald nicht mehr ist, spürt ihm in ethnografischen und naturkundlichen Museen nach. Es keimt ein Verdacht: War der Onkel Edelsteinschmuggler oder gar Biopirat, der Wirkstoffpflanzen von der Insel an die Pharmaindustrie verscherbelt hat? Nun denn, man erfährt es nicht.
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Zugig

Der Eröffnungsabend im Hauptbahnhof

bild-1DOK-Start in der Osthalle. Statt bei schummriger Saalbeleuchtung in gemütlichen Kinosesseln zu versinken, konnte man sich gestern im Hauptbahnhof zwischen Klappstuhl und Steintreppe entscheiden, um den französischen Animationsfilm »My Life as a Courgette« anzuschauen. Die Idee, den Eröffnungsfilm der DOK an einem öffentlichen Ort zu präsentieren, wie es auch schon letztes Jahr der Fall war, ist an sich eine nette Sache. Frei zugänglich, kein Eintritt. Das zog gestern auch viele junge Leute in den Bahnhof.  Weiterlesen

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Herzzerreissend

Der Eröffnungsfilm »Ma vie de Courgette« trifft ins Herz

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In diesem Jahr feiern die Aardman Studios ihr 40jähriges bestehen auf dem 59. DOK Leipzig. Am Freitag wird Mitbegründer David Sproxton in der Schaubühne Lindenfels aus der Geschichte des Animationsstudios erzählen. Vielleicht die größte Leistung, die Nick Park & Co. vollbracht haben ist, den knetanimierten Stop-Motion-Film für ein breites Kinopublikum zu öffnen. Seit ihren ersten »Wallace & Gromit« Abenteuern sorgen sie mit jedem neuen Werk für Begeisterung gleichermaßen bei kleinen und großen Kinozuschauern – die Basis für die Meisterwerke von Tim Burton und Henry Selick (»A Nightmare Before Christmas«) oder den Laika Studios (»Coraline« und aktuell »Kubo, der tapfere Samurai«).

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Grenzen überschreiten

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Ein Streifzug durchs 59. DOK Leipzig mit Programmatorin Grit Lemke

Grit Lemke ist seit 25 Jahren beim DOK Leipzig tätig, seit 2010 Leiterin des Dokumentarfilmprogramms. Kaum einer kennt das Festival so gut wie sie. Wir trafen uns zum Plausch über die Sektionen und Sonderprogramme, das Zusammenwachsen von Dokumentarfilm und Animation, das diesjährige Motto »Ungehorsam« und die Highlights.

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DOK Spotters ziehen los

Auch die DOK Spotters legen los, um vom Festival zu berichten.

Mehr Informationen zu den jungen Reportern gibt es hier.

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»Wau wau!« bellt das Dienstgerät

»Hundesoldaten« stählen sich in Drill und Bällebädern

hundesoldatenWehrwölfe in den schottischen Highlands treiben sich in »Dog Soldiers« um. »Hundesoldaten« zeigt die Bundeswehr beim Gassi-Gehen mit Hunden in süddeutschen Wäldern. Doch es bleibt nicht bei der langen Leine, die Tiere werden abgerichtet, um »Dienstgerät« (O-Ton) zu werden. Und mit ihnen verwachsen die zu Diensthundeführern ausgebildeten Rekruten zu einem seltsamen Kampmaschinenhybriden. Zudem dienen die Hunde als Therapiemedium für Soldaten, die mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus Einsätzen zurückkehrten – für Beziehungen zu Menschen sind sie nicht mehr fähig. Weiterlesen

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Tipp »Hundesoldaten«

Sie werden in Drill und Bällebädern gestählt: »Hundesoldaten« zeigt die Bundeswehr beim Gassi-Gehen mit Hunden. Doch es bleibt nicht bei der langen Leine, die Tiere werden abgerichtet, um »Dienstgerät (O-Ton) zu werden. Und mit ihnen verwachsen die zu Diensthundeführern ausgebildeten Rekruten zu einem seltsamen Kampmaschinenhybriden. Regisseurin Lena Leonhardt schließt eine eigene, ja eigenartige Welt auf. Zwischen Kuscheln und hartem Drill nähern sich Mensch und Tier an. Neben der Genese dieser Zweierbindung und ihren Sinn und Zweck weitet Leonhardt den inhaltlichen Kreis auf eine leise Reflexion über das Thema Hund und Krieg, Instinkt und Ratio aus.

TOBIAS PRÜWER

»Hundesoldaten«: Regie: Lena Leonhardt |Deutscher Wettbewerb | Deutschland | 2016 | 69 Minuten | deutsch | engl. UT | Weltpremiere

CineStar 4: 02.11.2016 / 16:15
Schaubühne Lindenfels: 03.11.2016 / 19:30
CineStar 4: 04.11.2016 / 22:15

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Puppen-Nietzsche macht ne Fliege

Die »Ewige Wiederkunft« des Friedrich N.

ewigewiederkehrEin Kammerspiel: Friedrich Nietzsche taumelt durch eine Puppenstube, steuert dann als Pilot eine Stubenfliege, kommt wieder bei sich selbst an. Schlussendlich heben sich alle Unterschiede auf, beginnt alles von vorn. Ziemlich abgefahren dreht sich der Animationsfilm »Ewige Wiederkunft« (Regie: Jörg Weidner & Anke Späth) sehr frei (schwebend) um Friedrich Nietzsches »Die ewige Wiederkehr des immer Gleichen«.

Ob diese das zentrale Konzept seines Denkens ist, darüber wird gestritten. Er machte es aber zu seiner Lebensmaxime: Es ist die größte Form der Lebensbejahung, das Schicksal anzunehmen und zu begrüßen, dass in der Unendlichkeit von Zeit und Raum die endlichen Kombinationen möglicher Welten zu Wiederholungen führe. Der Animationsfilm nimmt daran lose Anstoß als herrliches Kombinationsspiel. Weiterlesen

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Morpheus in der Matratzenwelt

Unternehmerische Hampelmänner gehen viral: »Mattress Men«

matressmenDie Rezession lässt Mick kaum schlafen. Wie kann er seine Firma Mattress Mick’s halten und weiter irische Matratzen unters irische Volk bringen? Irgendeine Maßnahme zum Guerilla-Marketing muss her, denn Mick braucht öffentliche Aufmerksamkeit, die wenig Geld kostet. Warum nicht einen Music-Clip drehen, in dem Mick selbst den Rapper gibt? Weiterlesen

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»Urlaub von mir selber«

»Ein Aus Weg« animiert den Bericht eines Inhaftierten in fantasievollen Bildern

einausweg»Das ist keine Strafe, ich mache hier Urlaub von mir selber.« Herr K. ist vor dem Gesetz genauso unbeeindruckt wie nach dem Prozess. Alles zu lasch hier, der deutsche Knast schreckt ihn nicht. Dann macht er halt Urlaub von sich und seiner kriminellen Tätigkeit. Diebstähle und Drogendelikte brachten Alex K. ins Gefängnis. Während mehrerer Aufenthalte hinter Gittern gibt K. Notizen aus seinem Leben zu Protokoll. Warum er immer wieder Delikte begeht, beantwortet er damit, dass er eben gut im Klauen sei. Die Differenz zwischen Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit – wenn er so gut wäre, würde er nicht immer wieder vorm Gesetz stehen – stört ihn nicht. Er erzählt von seinen Träumen, seiner Freundin, gibt sich vielerlei Fantasien hin. Weiterlesen

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Cinema Futures

»Von dem, was sich hinter dem magischen Stuhl abspielt, dort wo das Licht herkommt.«

cinemafuturesIm ursprünglichen Sinn ist das Kino ein doppelt unsichtbarer Ort: Einer der sich selbst zum Verschwinden bringt und sein Dasein im Schatten fristet. Zudem ist Kino auch jener Teil der Technologie, der in der Filmvorführung meist verborgen bleibt: die Projektionstechnik, das Gefüge von Mensch und Maschine, das Ineinandergreifen von Projektor und Filmstreifen. Bis vor wenigen Jahren – genauer gesagt: bis 2011 – war dieses Gefüge die unverhandelbare Grundlage, um Film erfahrbar zu machen.

Seitdem gibt es zwar nach wie vor Filmvorführer, sie sind aber in erster Linie Admins und Verwalter von Daten. Denn Bewegtbilder werden seitdem als Festplatten, Sticks und im Standard DCP (Digital Cinema Package) oder anderen digitalen Formaten verbreitet und projiziert. Die analoge Filmkopie wurde im gleichen Zuge überflüssig.

Den Gründen, warum auch dieser Wandel sich im Verborgenen vollzogen hat, welche Konsequenzen und Widerstände er nach sich zog, schildert Michael Palm in seinem wunderbar kommentierten und vielstimmigen Essayfilm »Cinema Futures«. Die digitale Revolution – die für die Filmindustrie mindestens so einschneidend ist wie die Einführung des Tons – erfahren wir gleich zu Anfang, spielte sich dort ab, »where the money is made«, also bei den Big Six (die sechs großen Major Film Studios: Fox, Warner, Disney, Paramount, Columbia und Universal). Diese initiierten das gemeinsame Vorhaben, weltweit einen digitalen Standard einzuführen und konnten – ökonomisch gesprochen – hierbei den notwendigen Marktdruck entwickeln: wer mitmacht, kann bald 3D-Filme in seinem Kino zeigen, wer nicht mitmacht, kann bald gar keine Filme mehr zeigen. Weiterlesen

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Animiert, manchmal bewegend

Streiflichter aus der Rubrik Neue Deutsche Animation

themanwhofellupAuf Neue Deutsche Welle folgte Neue Deutsche Härte, nun also Neue Deutsche Animation. Den Trickfilm hat sich DOK Leipzig ja ab diesem Jahr besonders groß auf die Fahnen geschrieben (Link Interview), ein bisschen nach Förderung und Schulterklopfen an die heimischen Animationsfilmer wirkt das Einrichten der Sonderrubrik. Dabei können sich die meisten Filme durchaus sehen lassen, als oft originäre und eigenständige Auseinandersetzungen mit dem Genre. Auffällig dabei ist, dass die meisten sich eher im künstlerischen Bereich bewegen, der Einsatz als Doku-Illustration ist randständig. Besonders gelungen in dieser Hinsicht ist »Ein Aus Weg« (R: Simon Steinhorst & Hannah Stragholz), weil hier im Mix aus künstlerischer Experimentierlust und Dokumentation ein sehenswerter Animationsfilm entstanden ist. Darum soll er im Blog eine eigene Besprechung bekommen. Persönliches Highlight ist das verspielte Essay über Nietzsches Missverständnis der »Ewigen Wiederkunft« (R: Jörg Weidner & Anke Späth), das auch eigene Betrachtung im Blog bekommen wird. Weiterlesen

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Treuenbrietzen, deutsch-italienisch

»Im Märkischen Sand« erzählt von der Ermordung italienischer Zwangsarbeiter und einem Historikerstreit en miniature

antonio-ceseri»Komm mal nach Treuenbrietzen, wir müssen das filmen«, lautete sinngemäß die Aufforderung an Matthias Neumann, Kameramann und Filmemacher. Das war im letzten Jahrzehnt. Dort, in Brandenburg, hat Neumann dann Antonio Ceseri kennengelernt, den letzten Überlebenden des Massakers vom 23. April 1945: Deutsche Soldaten erschießen 127 italienische Militärinternierte, Zwangsarbeiter in einem Munitionsbetrieb in Treuenbrietzen, in einer Sandgrube, nur vier überleben.

Ceseri ist der letzte Zeitzeuge. Wenige Jahre bevor Neumann begann, sich dafür zu interessieren, fing auch Treuenbrietzen an, sich mit den Ereignissen auseinanderzusetzen. Angestoßen hatten das zwei Berliner Lehrer, die mit der Liste der damaligen Opfer vor Ort am Thema rührten. Mit der Zeit entwickelte sich eine alljährliche Zeremonie samt italienischen Gästen und Autokorso, und eine Städtepartnerschaft mit dem italienischen Chiaravalle entstand, dem Heimatort eines weiteren Überlebenden. Weiterlesen

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»Das Medium Film auf den Seziertisch packen«

Das DOK Leipzig hat einen neuen Kopf fürs Animierte: André Eckardt

aeckardtAndré Eckardt ist der neue Leiter der Animation beim DOK Leipzig. Als Leiter des Deutschen Instituts für Animationsfilm bringt der Dresdner gute Voraussetzungen mit. Der kreuzer sprach mit ihm über die Situation und die Chancen des Animationsfilms.

kreuzer: In Deutschland führt der Animationsfilm ein Nischendasein …

ANDRÉ ECKARDT: Das stimmt. Ich finde es trotzdem spannend, was hierzulande in der Animation passiert, besonders im experimentellen Bereich. Hier gibt es sehr viele, die sich nicht darum scheren, ob sie jetzt nun einen Animationsfilm machen oder etwas Artverwandtes. Außerdem gibt es einige ganz tolle Agenturen in Deutschland, die sich auf Motion Design konzentrieren, einerseits für hochkommerzielle Aufträge arbeiten, andererseits freie Projekte pflegen. Weiterlesen

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Freischwimmen

Die Leipziger Dokumentarfilmerin Susanne Kim zeigt in »Trockenschwimmen« Menschen, die ihre Ängste überwinden

trockenschwimmenKarin kann schwimmen. Sie hat es nicht verlernt. Aber die Angst übermannt sie jedes Mal, wenn sie einen Fuß ins Wasser setzt. Seit sie bei einem Badeurlaub 1995 in Portugal in der plötzlich hereinbrechenden Flut beinahe ertrunken wäre, ist sie traumatisiert. Selbst zwanzig Jahre später beginnt sie am ganzen Körper zu zittern, wenn sie sich daran erinnert.

»Trockenschwimmen, das wärs.« Weiterlesen

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Der Animationsfilm läuft Amok

decasiaSo richtig ungehorsam wirds beim Animationsfilmfestival im Dok: Comiczeichner brechen Tabus und bringen unterdrückte Fantasien an die Oberfläche. Der Digital-Glitch nutzt Bildfehler, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen, und eine Arbeit des Künstlers Bill Morrison zeigt, wie Filmmaterial in chemischen Prozessen zersetzt wird und dadurch ganz neue Ansichten erscheinen. Weiterlesen

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Über die Stränge schlagen

Das 59. Dok Leipzig gibt sich ungehorsam

Die Dokumentarfilme tragen den Protest von der Straße auf die Leinwand

Film sollte unbequem sein, polarisieren, Partei ergreifen und leidenschaftlich kämpfen. Besonders der Dokumentarfilm. »Disobedient Images« nennt es das Internationale Dokumentar- und Animationsfilmfestival, kurz: Dok, und hat sich diese Schlagworte für die 59. Auflage auf seine Fahne geschrieben. Das Motto zieht sich durch alle Rubriken. Sonderprogramme setzen sich mit den Strategien auseinander, die Filmemacher in einem restriktiven Umfeld entwickeln. Die Retrospektive widmet sich dem Filmland Polen, das sich immer wieder auch formal widersetzte und auch beim Dok Leipzig für Kontroversen sorgte. Weiterlesen

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And the Winners are….

DOK WinnersDie Gewinner des 58. DOK Leipzig stehen fest. Hier gibt es die komplette Liste: http://www.dok-leipzig.de/en/festival/wettbewerbe/gewinner
Hier gibts Tickets und die Info, wo ihr sie am letzten Festivaltag sehen könnt: http://films2015.dok-leipzig.de/en/schedule?DATE=20151101

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„Der lustige König ist überhaupt nicht lustig“

Jörg Weidner über den Puppentrickfilm «Der lustige König»

imageDie Leipziger Animatoren Anke Späth und Jörg Weidner haben es in den Internationalen Wettbewerb Kurzfilm geschafft und sind dort mit ihrem surreal anmutenden, von europäischen Märchen inspirierten, Puppentrickfilm «Der lustige König» vertreten.

Nur 300 Meter von den Passage Kinos entfernt, befindet sich das Studio der beiden Filmemacher. Dort leben und arbeiten sie zusammen. Jörg Weidner beschreibt die gemeinsamen Räume: „Wo andere ihr Fernsehgerät stehen haben, ist unser Animationstisch aufgebaut“. Ende 2008 setzte sich das eingespielte Team zusammen und legte rasch das Aussehen der Figuren, jenes der Sets und, bereits in diesem Stadium der Projektentwicklung, das komplette Erscheinungsbild des Kurzfilmes fest. Anschließend verfolgten sie andere Projekte, dachten aber immer wieder an ‚den lustigen König’ zurück. Etwas später fertigten sie ein Storyboard an und begannen schlussendlich im vergangenen Jahr mit dem Dreh des Films. Weiterlesen

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DEFA mit Zukunft

Das Zeitkino kehrt in den Leipziger Hauptbahnhof zurück. Bei der DEFA-Matinee am Sonntag ist es gleich die Zukunft, die ihre Wiederkehr hat.

proximaSo manche heutige Idee, die in Leipzig ihre Umsetzung und viele Kritiker und Spötter findet, hat schon mehr als hundert Jahre auf dem Buckel. Der Citytunnel, der die Messestadt ganz großstädtisch mit sowas ähnlichem wie einer U-Bahn ausstattet, ist so eine Idee, denn bereits 1914 hatte man zur Vorbereitung einer U-Bahn-Linie in den gerade entstehenden Hauptbahnhof einen Tunnel integriert. Dieser wurde dann doch nicht gebraucht, vielleicht, weil erstmal ein Krieg dazwischen kam und dann das Geld fehlte. Einen weiteren Weltkrieg später zog in den nach wie vor nicht zweckgemäß genutzten Tunnel das Zeitkino ein. Das ist allen (ehemaligen) Leipzigern, die nicht mehr zu den ganz jungen Semestern gehören, ein Begriff. Mancher hat das Warten auf den Zug damit überbrückt oder sich zwischen Schule und Heimfahrt eine kleine Pause gegönnt. Möglich waren derartige Auszeiten unter den Bahnsteigen in den Jahren von 1950 bis 1992, und zwar von früh bis spät und auf gut 200 Plätzen. Weiterlesen

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Tipp: Ostsee 1987

»Die Weite suchen« vom Hallenser Animationsfilmemacher Falk Schuster

Die Weite suchenFür so manche Erfahrung gibt es auf dem Zeitstrahl der Geschichte nur schmale Fenster, die wenige Jahre später wieder geschlossen sind. Eine davon ist das Erlebnis, im Sommer als Kind auf dem Rücksitz eines Trabbis von Sachsen an die Ostsee zu fahren. Das kommt einer Weltreise gleich, weil der Trabbi vollbepackt ist und die Fahrt ewig dauert. Es ist freilich auch deshalb eine Weltreise, weil sie buchstäblich vom einen Ende der damaligen Republik zum anderen führt. Da gibt es Strand und Meer und Schiffe am Horizont, von einer Anhöhe kann man in den Westen rüberkucken. Es lässt sich erahnen, dass die Welt hier doch nicht zu Ende ist. Für die Kinder ist diese Dimension erstmal mäßig interessant. Es ist einer von vielen Pluspunkten von »Die Weite suchen«, dass die Darstellung des früheren Urlaubs strikt in der Perspektive des Jungen bleibt, der nach dem Urlaub eingeschult wird. Wenn Zeitzeugen, die damals schon erwachsen waren – Urlauber, Grenzer, Einheimische –, zurückblicken, ist das kein Widerspruch, sondern liefert den Rahmen für den kindlichen Blick. Weiterlesen

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Reaktion: »Alter!«

Auch im Knast werden Filme des Festivals gezeigt

Die erste Frage, die kommt, lautet: »Was heißt D.O.K.?« Ein Pappschild mit dem selbstgemalten Dok-Logo ziert die Bühne, die die Insassen der JSA Regis-Breitingen vorbereitet haben. Kurz sind Moderator Matthias Heeder und Regisseur Alexander Riedel irritiert. Gerade lief Riedels Film »Valentina, 26« in dem Veranstaltungsraum des Gefängnisses, etwa die Hälfte des Publikums besteht aus Menschen mit Besucher-Ausweisen, die andere Hälfte lebt derzeit hier. Zwischen 14 und 27 Jahren sind die Gefangenen, alle männlich. Weiterlesen

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Persönliche Reizüberflutung

Die Abende sind lang und ausgefüllt während der DOK-Woche. Manchmal sind sie auch chaotisch. Kann am derzeitigen Vollmond liegen, kann aber auch an der durchaus positiven Reizüberflutung durch Filme multipliziert mit Filmen liegen.

Gestern Abend wurde ich Zeugin meiner eigenen Reizüberflutung. Ich – ohnehin mit flatternden Nerven gesegnet, immer ein kleines Plastiktütchen zur Regulation meiner Schnappatmung in der Hosentasche – muss jetzt ganz schnell ins Kino! Aber mein Fahrrad ist nicht da, ich nehme also das meines Partners. Es ist zu groß, der Sattel reicht mir im Stehen bis zur Schulter, aber welche Wahl habe ich, zehn Minuten vor Filmbeginn?! Ich muss ausgesehen haben wie ein artistisch ambitionierter Storch als ich halsbrecherisch vor den Passage-Kinos zum Stehen komme und einen letzten freien Platz an den überfüllten Fahrradstangen ergattere. Aber egal, perfekt zum Filmstart keuche ich über die Schwelle zur Eingangshalle. Der prüfende Blick auf die Eintrittskarte jedoch sagt mir: Falsches Kino. Weiterlesen

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Von Trostfrauen und Schamaninnen

Länderfokus Südkorea

Herstory (Animationsfilm, 11 Minuten, Südkorea, Regie: Jun-ki Ki)

herstoryIm Animationsfilm „Herstory“ des Südkoreaners Jun-ki Kim erzählt eine Frau, Chung Seo-woon. ihre Lebensgeschichte. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Dorf von Japanern überfallen , ihr Vater verschleppt und sie selbst schließlich als „Trostfrau“ nach Indonesien entführt. Dort war es ihr einziger Zweck, japanischen Soldaten gefügig zu sein. Die Stimme der alten Frau führt durch die Handlung entlang der Abscheulichkeiten, die Chung Seo-woon und vielen anderen jungen Frauen widerfuhren. Der Regisseur greift, wie bereits in früheren Arbeiten, das Thema Krieg auf – und hier vor allem die Reichweite und Grausamkeit der Handlungen, die Unterdrücker an den Unterdrückten vollziehen. Einzig wie die Figuren animiert sind, will nicht recht zum Sujet passen. Beinahe drollig sehen manche japanische Soldaten aus. Hier hätte eine zurückgenommene Art der Animation der Inszenierung gut getan. Weiterlesen

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Tipp: Die Welt als Film

Der Sundance Gewinner »The Wolfpack« von Crystal Moselle

wolfpackEs gibt mit Sicherheit einige Besucher des DOK-Festivals, die von sich behaupten würden, Film sei ihr Leben. Was aber, wenn man das Leben nur durch Filme kennen gelernt hat? Welchen Eindruck vermittelt einem dann noch die Realität? Beim namensgebenden Wolfsrudel handelt es sich um die sechs Angulo-Brüder: alle langhaarig, groß und schlacksig und vor allem: eingesperrt in die elterliche Wohnung. Einzige Verbindung zur Außenwelt ist die umfangreiche Filmsammlung des Vaters – von Citizen Kane bis zur Tarantino-Kollektion ist alles dabei. Und da es in der kargen New Yorker Wohnung sonst wenig zur Unterhaltung der Teenager gibt, schreiben die Brüder penibel jede gesprochene Zeile mit, lernen sie auswendig und spielen ihre Lieblingsfilme nach. Besonders geeignet: Reservoir Dogs von Tarantino, denn da kann jeder von den sechs eine größere Rolle einnehmen. Weiterlesen

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Tipp: Von Trauer, Trost und Erotik

In »Erbarme Dich: Matthäus Passion Stories« erzählen Leute von ihrer emotionalen Verbindung mit dem Werk

Erbarme DichDie Matthäus-Passion ist protestantische Theologie. Eine erzählende und erklärende Andacht mit Solisten, zwei Orchestern und zwei vierstimmigen Chören, die etwa dreieinhalb Stunden dauert. Die dramatische Darstellung handelt von Trauer, Schuld und Sünde und der gute alte Bach hat sich die Musik dazu nicht ganz zufällig einfallen lassen; es ist sogar ziemlich sicher, dass von der Musik mehr Kraft ausgeht als von den Worten. Nun mag man sagen, dass es schön ist, wenn Musik Leute berührt. Mindestens diejenigen, die die Musik zur Aufführung bringen, sind aber gezwungen, sich zu verdeutlichen, was sie da aufführen. Und diejenigen, die das Werk in anderen Genres interpretiert haben, kann man fragen, was sie daran so sehr fasziniert. Schon ist ein Gedankenaustausch über Trauer, Schuld und Sünde möglich, über die feste, jahrelange Beziehung zum Werk und über seine entscheidende Rolle im eigenen Leben. Weiterlesen

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Playing Games with John Smith

John Smith spielt mit den Erwartungen des Zuschauers. Und wie ist es, wenn man mit seinen spielt? Die DOK Spotters haben es ausprobiert.

dok-spotters.de/de/2015/10/30/playing-games-with-john-smith/

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„The Event“ gewinnt ersten Preis

Sergei Loznitsa gewann den ‚Leipziger Ring Award‘ der Stiftung Friedliche Revolution für seinen Film „The Event“.

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Tipp: Intime Nähe

»Akt« handelt weniger von Nacktheit denn von Modellen mit Falten und Geschichten

aktAus der Antike ist uns ein Körperbild der weißen Makellosigkeit überliefert, das sich an den Statuen bewundern lässt. Da ist vielleicht mal ein Kratzer entstanden oder eine der Figuren hat im Laufe der Zeit einen Arm verloren. Grundsätzlich kann man sich aber im Museum vorstellen, das Abbild eines jungen, schönen, nackten Menschen vor sich zu haben. So müssen Aktmodelle aussehen, oder nicht? Tatsächlich sind die Menschen aber vielleicht nicht mehr ganz jung, nicht ganz schlank oder nicht ganz faltenfrei, haben einen Bauchansatz und da dann auch noch viele Haare drauf. Weiterlesen

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Tipp: »Land am Wasser«

Ein Film – zwei Eindrücke

Land am WasserIn der Region um Leipzig sind aus den ehemaligen Braunkohletagebauen vielfach natürlich scheinende Gebiete gewachsen – Seenlandschaften und Rückzugsräume für verschiedene Tierarten. Ein Idyll, aber komplett künstlich. Was vorher an diesen Orten war, kann sich kaum jemand mehr vorstellen. Tom Lemkes leiser Film »Land am Wasser« beginnt bereits im Jahr 2003 in Grunau, einer Ortschaft in Sachsen-Anhalt – dort, wo heute der Tagebau Profen ringsherum bereits riesige Löcher in den Boden gefressen hat und wo später einmal vielleicht kleine weiße Segelboote ihre Kreise ziehen werden. Weiterlesen

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Tipp: Spielshow und Psychiatrie

Dienten Spielshows wie »Der Preis ist heiß« geheimen Zielen? »Overgames« theoretisiert, wie Psychiatrie, Drittes Reich und TV-Shows zusammenhängen

overgamesLutz Dammbecks Recherche beginnt mit einer Talkrunde. Prominente deutsche Fernsehgesichter diskutieren, unter ihnen Joachim »Blacky« Fuchsberger. Im Gespräch über Spielshows wie »Nur nicht nervös werden« erwähnt Fuchsberger, die Idee zum Sendeformat hätten US-Fernsehsender wie CBS aus der Psychiatrie, wo Spiele zur Verhaltenssteuerung der Patienten eingesetzt würden. Dammbeck ist elektrisiert. Handelt es sich bei den Gameshows etwa um ein bewusst eingesetztes Mittel der massenhaften Umerziehung? Hat das US-Militär im Nachkriegsdeutschland Spielshows verbreiten lassen, um die Bevölkerung zu entnazifizieren? Dammbeck begibt sich auf Spurensuche durch Archive und Bibliotheken, verfolgte wissenschaftstheoretische Ideenstränge und die Diskurse liberaler Geheimgesellschaften, kreuzt sie mit den Konzepten prominenter Gameshowentwickler, die die Mechanik hinter Sendungen wie »Der Preis ist heiß« erläutern. Weiterlesen

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Tipp: »The Conversation«

»Razgovor«, Int. Wettbewerb kurzer Dokumentar- und Animationsfilm, 22 Minuten, Russland 2015, Regie: Anastasia Novikova

RazgovorDie Kamera tastet sich behutsam an eine Landschaft heran, streift Gräser, schwenkt über matschige Feldwege und gelangt schließlich an ein windschiefes Haus. Hier, am aufgeräumten Küchentisch, sitzt ein alter Mann mit weißem Rauschebart. Vielsagend wendet er ein Mobiltelefon in seinen Händen. Sein Anblick lässt Erinnerungen wach werden an all die anderen alten Männer aus russischen Kindermärchen. Weiterlesen

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Tipp: Lebensfrohes Sterben

»Transfatty lives« zeigt auf tragisch komische Weise den Verlauf der tödlichen Nervenkrankheit ALS

transfattyDas Internet liebt Patrick O’Brien. Der 30-jährige Punk studiert Film in New York und legt nebenbei als DJ Transfatty auf Partys auf. Mit seinen verrückten Späßen Freunde und Familie zum Lachen. Erst beginnen seine Füße zu zittern, schon ein Jahr später kann er nur noch einen Mittelfinger bewegen. Patrick leidet an amyotropher Lateralsklerose (ALS), der Krankheit, die Physiknobelpreisträger Steven Hawking an den Rollstuhl fesselt und die vergangenes Jahr einige Aufmerksamkeit erfuhr, als sich jede Menge Leute im Internet Eiswasserkübel über die Köpfe lehrten. Nervenbahnen bilden sich zurück, die Erkrankten verlieren nach und nach ihre Bewegungsfähigkeit, während sie zugleich im Gehirn vollkommen wach bleiben. Weiterlesen

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Tipp: Mehr oder weniger

»On the Side« legt den Fokus auf die, denen das Geld ständig ausgeht

onthesideDie Eurokrise hat Portugal stark gebeutelt, auch wenn die nackten Zahlen, die hierzulande zum Thema veröffentlicht werden, wenig von dem transportieren, was das konkret für die Bevölkerung bedeutet, von der ein gutes Viertel an der Armutsgrenze lebt. Im Lissabonner Vorort ist Krise Alltag und wesentlicher Bestandteil der Gespräche, von denen die meisten sich so zusammenfassen lassen: »Es wird immer schlimmer« und »Früher war es besser«. Früher gab es nicht nur ordentliche Bohnen, Erbsen, Süßkartoffeln, früher gab es auch Jobs. Früher hat man viel gearbeitet und viele Kinder bekommen. Früher gab es Geld. Heute laufen Jobs aus oder sind nicht zu haben oder werden zumindest schlecht bezahlt. Dafür hat, wer nicht die Freizeit mit Nebenjobs und Zuverdiensten verbringt, viel frei und kann das Glas auf die Troika heben. Da ist es eine kleine Sensation, wenn jemand fallen lässt, dass er Lohnzahlungen erhält. In den verschiedenen Milieus der Nachbarschaft gleichen sich die Sorgen und Erzählungen. Die Bilder davon sind so nebeneinandergestellt, dass eine dichte Schilderung des portugiesischen Alltags jenseits der Arbeit gelingt, in der sich die Wege der Protagonisten kreuzen. Weiterlesen

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Tipp: Rock’n’Roll auf Khmer

»Don’t think I’ve forgotten« erzählt die vergessene und jäh zu Ende gegangene Geschichte der musikalischen Jugendkultur in Kambodscha

donthinkEs muss eine Zeit gegeben haben, so in den 60ern und frühen 70ern des letzten Jahrhunderts, da sah man in Kambodscha mit Vorfreude in die Zukunft. Man trug westliche Kleidung und tanzte zu westlicher Musik, man sah sich ganz vorne dran, der König förderte alles, was fortschrittlich war und trat selbst als talentierter Musiker auf. In diesem Klima entwickelte sich eine große Rock- und Hippieszene. Von alldem gibt es Filmaufnahmen, die Menschen sind bunt und fröhlich und tanzen wild zu abgedrehten Gigs, bei denen die Musik trotz aller Wiedererkennungseffekte leicht schräg klingt, weil sie amerikanische, französische und lokale Traditionen mischt. Weiterlesen

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Tipp: Heimatscholle

»(Be)longing« erzählt im Wortsinn von Zugehörigkeit

belongigEs ist nicht viel los in einem nordportugiesischen Dorf von 50 Leuten, möchte man meinen. Nicht nur für die Jugend bedeutet das Landleben vor allem eine Reihe von Beschränkungen: bei der Jobwahl, bei der Partnerwahl, beim Freizeitvergnügen. Soll was zu essen auf den Tisch kommen, muss das Feld bestellt und geerntet, müssen Rinder und Schweine versorgt werden. Die Alten wissen alles besser, sind nur am rummeckern, und die Gespräche in der Dorfgemeinschaft kreisen auffällig oft debattenhaft um Kleinkram. Das Jahr plätschert so dahin. Aber weggehen scheint auch keine Option, nicht mal in ein anderes Dorf, denn schließlich gehört man hier hin. Es ist die Leistung dieses eindrucksreichen Films, mit ruhiger Beobachtung ein Art Heimatgefühl zu vermitteln, ohne effekthascherisch die landschaftlichen Reize hervorzuheben oder das traditionelle Landleben als die Welt zu verklären, in der alles in Ordnung ist. Weiterlesen

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Außen hui, innen pfui?

Baden in Unschuld: »Girl Model« wirft einen Blick auf die Schönheitsindustrie

girlmodelDass die Innenwelt der Schönheitsindustrie so schön nicht ist, wird heute niemanden überraschen. Die Doku »Girl Model« (R: David Redmon u. Ashley Sabin, IE 2011) wirft ein eher beschreibendes, weniger investigatives Schlaglicht auf das Geschäft mit den menschlichen Anziehpuppen (Entschuldigung für den Ausdruck, aber als solche werden sie von den Verantwortlichen offensichtlich angesehen). Und doch reicht schon dieser betrachtende Blick aus, um allerlei Fragen aufzuwerfen. Weiterlesen

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Tipp: Fremd im Heimatfilm

Im Berchtesgadener »Café Waldluft« kreuzen sich die Wege von Asylsuchenden und Bajuwaren, von denen mancher selbst eine bewegte Migrationsgeschichte erzählt

waldluftWeit über 100 Jahre hat das alte Haus schon auf dem Buckel. Mal war es ein Ferienheim für gutbetuchte Bürger des Kaiserreichs, mal eine Absteige für Nazikader, die Termine im nahegelegenen Führerhauptquartier am Obersalzberg hatten. Oberhalb des Café Waldlufts in Berchtesgaden erhebt sich der Watzmann, Deutschlands zweithöchster Berg, einige Kilometer taleinwärts liegt der Königsee am Fuß der schneebedeckten Gipfel. Ein Alpenidyll, in dem die Einheimischen vom Schuhplatteln bis zur Blaskapelle Traditionen pflegen, in denen sich bereits Zugereiste aus den nur einige hundert Kilometer entfernten nördlichen Gegenden Deutschlands fremd fühlen müssen. Dieses Café Waldluft ist nun seit einigen Jahren Unterkunft für rund 40 Flüchtlinge. Weiterlesen

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Africa’s calling

Sonderprogramm: Animiertes aus dem Subsahara-Raum

hisab»Sprechende Tiere, Kannibalenmonster und Medizinmänner. … Alltag und Aufbruch, bunt und wild.« – Ein bißchen klischiert liest sich die Ankündigung zum Sonderprogramm »Afrika animiert.« schon. »Subsaharische Trickfilme« sind zu sehen, außer Südafrika, muss man hinzufügen. Denn das Land wurde ausgespart, weil es im Gegensatz zu den anderen über eine professionelle Trickfilmproduktion verfügt. Andernorts fehlen solche Rahmenbedingungen, fehlen Technik und Ausbildung. So sind die meisten des in zwei Vorführsessions unterteilten Sonderprogramms vorgestellten Künstler Autodidakten. Teilweise sind die Filme auch unter Mithilfe von Personen oder Institutionen aus den ehemaligen Kolonialherrenländern entstanden. Die Themen sind dabei von beeindruckender Vielfalt und der im Programmheft zunächst erweckte Eindruck des Exotismus verflüchtigt sich. Und ja, auch Buntes und Tiere gibt es zu sehen, etwa bei der ironischen Alltagsbetrachtung »Hisab« (ET 2011), der Esel, Ziege und Hund pastellig in Acryl Taxi fahren lässt.

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Versteckspiel

»Ayan and the White Balloon« ist Konfrontation zwischen Weggegangenen und Dagebliebenen

ayanFilme drehen kann anstrengen: Wieder und wieder müssen die Szenen gedreht werden, werden Dinge und Schauspieler von Neuem arrangiert. Anfängliche Fröhlichkeit und ausgelassenes Feiern miteinander verwandeln sich, wenn die Nerven blank liegen, schnell in Vorwürfe, statt gemeinsamen Gesängen hört man grundsätzliche Fragen. Die Filmemacherin Vida Dena hat, weil sie nicht mehr arbeiten konnte, den Iran Richtung Europa verlassen. Als sie nach fünf Jahren wiederkommt, um mit Freunden einen Film zu drehen, wird ihr erklärt, dass auch für die Dagebliebenen das Leben weitergegangen ist. Weiterlesen

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Das dritte Auge

Fein-kleine Animation über die Flossen der Wahrnehmung

fidhEinem Mann passiert ein kulinarisches Missgeschick – und schon sieht er die Welt mit anderen Augen. Bereits im Titel »He Who Ate the Eye of a Fish« (Alice Saey, FR 2014) wird die Handlung des Achtminüters, der Animationsfilm läuft im Internationalen Wettbewerb Kurzfilm, deutlich ausgedrückt. Mann verspeist versehentlich das Auge eines Fisches, ihm wird erst übel, dann anders, schließlich ändert sich seine Wahrnehmung. Und nein, sie verschwimmt nicht und Schuppen fallen ihm auch keine von den Augen. Weiterlesen

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Esquire von Matthew Buchanan