DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

»Dies ist die Zeit, die man beschreiben muss«

Andreas Voigt hat mit seinem Leipzig-Zyklus eine einzigartige Chronik der Stadt und seiner Menschen geschaffen. Im Interview erinnert sich der Regisseur, wie es dazu kam.

credit: Andreas Voigtkreuzer: Das Dokumentar- und Animationsfilmfestival in Leipzig, rollt in diesem Jahr den Teppich für Sie aus. Grit Lemke bezeichnete das 58. Dok schon scherzhaft als die Voigt-Festspiele. Mit dem Screening des Leipzig-Zyklus‘, mit dem neuen Film, mit der Gemeinschaftsarbeit »Als wir die Zukunft des Sozialimus waren«, an der Sie mitgewirkt haben. Natürlich hat es seine geschichtlichen Gründe, das Jahr der Einheit, das Bestandteil des Programmes ist. Aber das ist schon eine schönes Podium, oder?

Voigt: Es ist wunderbar und ich bin natürlich sehr froh darüber. Auch, dass der Film jetzt fertig ist. Wir haben über ein Jahr daran gedreht, natürlich auch weil man so sicher geht, dass sich Geschichten entwickeln können. Das schafft man natürlich am besten, wenn man sich einen längeren Drehzeitraum ermöglicht. Ich bin natürlich total froh, dass er zur Eröffnung des Dokumentarfilmfestivals läuft, das ist großartig. Weiterlesen

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Amerikas Peripherie

„The Other Side“ von Roberto Minervini

theothersideIm Jahr 2013 gewann der italienische Regisseur Roberto Minervini die Goldene Taube für den elegischen Reigen „Stop The Pounding Heart“  um die 14-jährige Sara und ihr jugendliches Erwachen in einem streng religiösen Elternhaus. In diesem Jahr ist er mit seinem neuen Film „The Other Siede“ zurück im Wettbewerb des DOK-Festivals. Während seine früheren Arbeiten das Leben der Menschen in der texanischen Provinz einfingen, dringt Minervini nun nach Louisiana vor und folgt in der ersten Hälfte des Films seinem Protagonisten Mark durch den trostlosen Alltag in einem Trailerpark. Die Gemeinschaft der hier Lebenden scheint vom Fortschritt der Weltmacht USA vergessen zu sein. Weiterlesen

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And the Winners are….

DOK WinnersDie Gewinner des 58. DOK Leipzig stehen fest. Hier gibt es die komplette Liste: http://www.dok-leipzig.de/en/festival/wettbewerbe/gewinner
Hier gibts Tickets und die Info, wo ihr sie am letzten Festivaltag sehen könnt: http://films2015.dok-leipzig.de/en/schedule?DATE=20151101

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„Der lustige König ist überhaupt nicht lustig“

Jörg Weidner über den Puppentrickfilm «Der lustige König»

imageDie Leipziger Animatoren Anke Späth und Jörg Weidner haben es in den Internationalen Wettbewerb Kurzfilm geschafft und sind dort mit ihrem surreal anmutenden, von europäischen Märchen inspirierten, Puppentrickfilm «Der lustige König» vertreten.

Nur 300 Meter von den Passage Kinos entfernt, befindet sich das Studio der beiden Filmemacher. Dort leben und arbeiten sie zusammen. Jörg Weidner beschreibt die gemeinsamen Räume: „Wo andere ihr Fernsehgerät stehen haben, ist unser Animationstisch aufgebaut“. Ende 2008 setzte sich das eingespielte Team zusammen und legte rasch das Aussehen der Figuren, jenes der Sets und, bereits in diesem Stadium der Projektentwicklung, das komplette Erscheinungsbild des Kurzfilmes fest. Anschließend verfolgten sie andere Projekte, dachten aber immer wieder an ‚den lustigen König’ zurück. Etwas später fertigten sie ein Storyboard an und begannen schlussendlich im vergangenen Jahr mit dem Dreh des Films. Weiterlesen

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DEFA mit Zukunft

Das Zeitkino kehrt in den Leipziger Hauptbahnhof zurück. Bei der DEFA-Matinee am Sonntag ist es gleich die Zukunft, die ihre Wiederkehr hat.

proximaSo manche heutige Idee, die in Leipzig ihre Umsetzung und viele Kritiker und Spötter findet, hat schon mehr als hundert Jahre auf dem Buckel. Der Citytunnel, der die Messestadt ganz großstädtisch mit sowas ähnlichem wie einer U-Bahn ausstattet, ist so eine Idee, denn bereits 1914 hatte man zur Vorbereitung einer U-Bahn-Linie in den gerade entstehenden Hauptbahnhof einen Tunnel integriert. Dieser wurde dann doch nicht gebraucht, vielleicht, weil erstmal ein Krieg dazwischen kam und dann das Geld fehlte. Einen weiteren Weltkrieg später zog in den nach wie vor nicht zweckgemäß genutzten Tunnel das Zeitkino ein. Das ist allen (ehemaligen) Leipzigern, die nicht mehr zu den ganz jungen Semestern gehören, ein Begriff. Mancher hat das Warten auf den Zug damit überbrückt oder sich zwischen Schule und Heimfahrt eine kleine Pause gegönnt. Möglich waren derartige Auszeiten unter den Bahnsteigen in den Jahren von 1950 bis 1992, und zwar von früh bis spät und auf gut 200 Plätzen. Weiterlesen

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Tipp: Ostsee 1987

»Die Weite suchen« vom Hallenser Animationsfilmemacher Falk Schuster

Die Weite suchenFür so manche Erfahrung gibt es auf dem Zeitstrahl der Geschichte nur schmale Fenster, die wenige Jahre später wieder geschlossen sind. Eine davon ist das Erlebnis, im Sommer als Kind auf dem Rücksitz eines Trabbis von Sachsen an die Ostsee zu fahren. Das kommt einer Weltreise gleich, weil der Trabbi vollbepackt ist und die Fahrt ewig dauert. Es ist freilich auch deshalb eine Weltreise, weil sie buchstäblich vom einen Ende der damaligen Republik zum anderen führt. Da gibt es Strand und Meer und Schiffe am Horizont, von einer Anhöhe kann man in den Westen rüberkucken. Es lässt sich erahnen, dass die Welt hier doch nicht zu Ende ist. Für die Kinder ist diese Dimension erstmal mäßig interessant. Es ist einer von vielen Pluspunkten von »Die Weite suchen«, dass die Darstellung des früheren Urlaubs strikt in der Perspektive des Jungen bleibt, der nach dem Urlaub eingeschult wird. Wenn Zeitzeugen, die damals schon erwachsen waren – Urlauber, Grenzer, Einheimische –, zurückblicken, ist das kein Widerspruch, sondern liefert den Rahmen für den kindlichen Blick. Weiterlesen

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Reaktion: »Alter!«

Auch im Knast werden Filme des Festivals gezeigt

Die erste Frage, die kommt, lautet: »Was heißt D.O.K.?« Ein Pappschild mit dem selbstgemalten Dok-Logo ziert die Bühne, die die Insassen der JSA Regis-Breitingen vorbereitet haben. Kurz sind Moderator Matthias Heeder und Regisseur Alexander Riedel irritiert. Gerade lief Riedels Film »Valentina, 26« in dem Veranstaltungsraum des Gefängnisses, etwa die Hälfte des Publikums besteht aus Menschen mit Besucher-Ausweisen, die andere Hälfte lebt derzeit hier. Zwischen 14 und 27 Jahren sind die Gefangenen, alle männlich. Weiterlesen

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Persönliche Reizüberflutung

Die Abende sind lang und ausgefüllt während der DOK-Woche. Manchmal sind sie auch chaotisch. Kann am derzeitigen Vollmond liegen, kann aber auch an der durchaus positiven Reizüberflutung durch Filme multipliziert mit Filmen liegen.

Gestern Abend wurde ich Zeugin meiner eigenen Reizüberflutung. Ich – ohnehin mit flatternden Nerven gesegnet, immer ein kleines Plastiktütchen zur Regulation meiner Schnappatmung in der Hosentasche – muss jetzt ganz schnell ins Kino! Aber mein Fahrrad ist nicht da, ich nehme also das meines Partners. Es ist zu groß, der Sattel reicht mir im Stehen bis zur Schulter, aber welche Wahl habe ich, zehn Minuten vor Filmbeginn?! Ich muss ausgesehen haben wie ein artistisch ambitionierter Storch als ich halsbrecherisch vor den Passage-Kinos zum Stehen komme und einen letzten freien Platz an den überfüllten Fahrradstangen ergattere. Aber egal, perfekt zum Filmstart keuche ich über die Schwelle zur Eingangshalle. Der prüfende Blick auf die Eintrittskarte jedoch sagt mir: Falsches Kino. Weiterlesen

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Von Trostfrauen und Schamaninnen

Länderfokus Südkorea

Herstory (Animationsfilm, 11 Minuten, Südkorea, Regie: Jun-ki Ki)

herstoryIm Animationsfilm „Herstory“ des Südkoreaners Jun-ki Kim erzählt eine Frau, Chung Seo-woon. ihre Lebensgeschichte. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Dorf von Japanern überfallen , ihr Vater verschleppt und sie selbst schließlich als „Trostfrau“ nach Indonesien entführt. Dort war es ihr einziger Zweck, japanischen Soldaten gefügig zu sein. Die Stimme der alten Frau führt durch die Handlung entlang der Abscheulichkeiten, die Chung Seo-woon und vielen anderen jungen Frauen widerfuhren. Der Regisseur greift, wie bereits in früheren Arbeiten, das Thema Krieg auf – und hier vor allem die Reichweite und Grausamkeit der Handlungen, die Unterdrücker an den Unterdrückten vollziehen. Einzig wie die Figuren animiert sind, will nicht recht zum Sujet passen. Beinahe drollig sehen manche japanische Soldaten aus. Hier hätte eine zurückgenommene Art der Animation der Inszenierung gut getan. Weiterlesen

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Tipp: Die Welt als Film

Der Sundance Gewinner »The Wolfpack« von Crystal Moselle

wolfpackEs gibt mit Sicherheit einige Besucher des DOK-Festivals, die von sich behaupten würden, Film sei ihr Leben. Was aber, wenn man das Leben nur durch Filme kennen gelernt hat? Welchen Eindruck vermittelt einem dann noch die Realität? Beim namensgebenden Wolfsrudel handelt es sich um die sechs Angulo-Brüder: alle langhaarig, groß und schlacksig und vor allem: eingesperrt in die elterliche Wohnung. Einzige Verbindung zur Außenwelt ist die umfangreiche Filmsammlung des Vaters – von Citizen Kane bis zur Tarantino-Kollektion ist alles dabei. Und da es in der kargen New Yorker Wohnung sonst wenig zur Unterhaltung der Teenager gibt, schreiben die Brüder penibel jede gesprochene Zeile mit, lernen sie auswendig und spielen ihre Lieblingsfilme nach. Besonders geeignet: Reservoir Dogs von Tarantino, denn da kann jeder von den sechs eine größere Rolle einnehmen. Weiterlesen

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Tipp: Von Trauer, Trost und Erotik

In »Erbarme Dich: Matthäus Passion Stories« erzählen Leute von ihrer emotionalen Verbindung mit dem Werk

Erbarme DichDie Matthäus-Passion ist protestantische Theologie. Eine erzählende und erklärende Andacht mit Solisten, zwei Orchestern und zwei vierstimmigen Chören, die etwa dreieinhalb Stunden dauert. Die dramatische Darstellung handelt von Trauer, Schuld und Sünde und der gute alte Bach hat sich die Musik dazu nicht ganz zufällig einfallen lassen; es ist sogar ziemlich sicher, dass von der Musik mehr Kraft ausgeht als von den Worten. Nun mag man sagen, dass es schön ist, wenn Musik Leute berührt. Mindestens diejenigen, die die Musik zur Aufführung bringen, sind aber gezwungen, sich zu verdeutlichen, was sie da aufführen. Und diejenigen, die das Werk in anderen Genres interpretiert haben, kann man fragen, was sie daran so sehr fasziniert. Schon ist ein Gedankenaustausch über Trauer, Schuld und Sünde möglich, über die feste, jahrelange Beziehung zum Werk und über seine entscheidende Rolle im eigenen Leben. Weiterlesen

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Playing Games with John Smith

John Smith spielt mit den Erwartungen des Zuschauers. Und wie ist es, wenn man mit seinen spielt? Die DOK Spotters haben es ausprobiert.

dok-spotters.de/de/2015/10/30/playing-games-with-john-smith/

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„The Event“ gewinnt ersten Preis

Sergei Loznitsa gewann den ‚Leipziger Ring Award‘ der Stiftung Friedliche Revolution für seinen Film „The Event“.

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Tipp: Intime Nähe

»Akt« handelt weniger von Nacktheit denn von Modellen mit Falten und Geschichten

aktAus der Antike ist uns ein Körperbild der weißen Makellosigkeit überliefert, das sich an den Statuen bewundern lässt. Da ist vielleicht mal ein Kratzer entstanden oder eine der Figuren hat im Laufe der Zeit einen Arm verloren. Grundsätzlich kann man sich aber im Museum vorstellen, das Abbild eines jungen, schönen, nackten Menschen vor sich zu haben. So müssen Aktmodelle aussehen, oder nicht? Tatsächlich sind die Menschen aber vielleicht nicht mehr ganz jung, nicht ganz schlank oder nicht ganz faltenfrei, haben einen Bauchansatz und da dann auch noch viele Haare drauf. Weiterlesen

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Tipp: »Land am Wasser«

Ein Film – zwei Eindrücke

Land am WasserIn der Region um Leipzig sind aus den ehemaligen Braunkohletagebauen vielfach natürlich scheinende Gebiete gewachsen – Seenlandschaften und Rückzugsräume für verschiedene Tierarten. Ein Idyll, aber komplett künstlich. Was vorher an diesen Orten war, kann sich kaum jemand mehr vorstellen. Tom Lemkes leiser Film »Land am Wasser« beginnt bereits im Jahr 2003 in Grunau, einer Ortschaft in Sachsen-Anhalt – dort, wo heute der Tagebau Profen ringsherum bereits riesige Löcher in den Boden gefressen hat und wo später einmal vielleicht kleine weiße Segelboote ihre Kreise ziehen werden. Weiterlesen

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Tipp: Spielshow und Psychiatrie

Dienten Spielshows wie »Der Preis ist heiß« geheimen Zielen? »Overgames« theoretisiert, wie Psychiatrie, Drittes Reich und TV-Shows zusammenhängen

overgamesLutz Dammbecks Recherche beginnt mit einer Talkrunde. Prominente deutsche Fernsehgesichter diskutieren, unter ihnen Joachim »Blacky« Fuchsberger. Im Gespräch über Spielshows wie »Nur nicht nervös werden« erwähnt Fuchsberger, die Idee zum Sendeformat hätten US-Fernsehsender wie CBS aus der Psychiatrie, wo Spiele zur Verhaltenssteuerung der Patienten eingesetzt würden. Dammbeck ist elektrisiert. Handelt es sich bei den Gameshows etwa um ein bewusst eingesetztes Mittel der massenhaften Umerziehung? Hat das US-Militär im Nachkriegsdeutschland Spielshows verbreiten lassen, um die Bevölkerung zu entnazifizieren? Dammbeck begibt sich auf Spurensuche durch Archive und Bibliotheken, verfolgte wissenschaftstheoretische Ideenstränge und die Diskurse liberaler Geheimgesellschaften, kreuzt sie mit den Konzepten prominenter Gameshowentwickler, die die Mechanik hinter Sendungen wie »Der Preis ist heiß« erläutern. Weiterlesen

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Tipp: »The Conversation«

»Razgovor«, Int. Wettbewerb kurzer Dokumentar- und Animationsfilm, 22 Minuten, Russland 2015, Regie: Anastasia Novikova

RazgovorDie Kamera tastet sich behutsam an eine Landschaft heran, streift Gräser, schwenkt über matschige Feldwege und gelangt schließlich an ein windschiefes Haus. Hier, am aufgeräumten Küchentisch, sitzt ein alter Mann mit weißem Rauschebart. Vielsagend wendet er ein Mobiltelefon in seinen Händen. Sein Anblick lässt Erinnerungen wach werden an all die anderen alten Männer aus russischen Kindermärchen. Weiterlesen

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Tipp: Lebensfrohes Sterben

»Transfatty lives« zeigt auf tragisch komische Weise den Verlauf der tödlichen Nervenkrankheit ALS

transfattyDas Internet liebt Patrick O’Brien. Der 30-jährige Punk studiert Film in New York und legt nebenbei als DJ Transfatty auf Partys auf. Mit seinen verrückten Späßen Freunde und Familie zum Lachen. Erst beginnen seine Füße zu zittern, schon ein Jahr später kann er nur noch einen Mittelfinger bewegen. Patrick leidet an amyotropher Lateralsklerose (ALS), der Krankheit, die Physiknobelpreisträger Steven Hawking an den Rollstuhl fesselt und die vergangenes Jahr einige Aufmerksamkeit erfuhr, als sich jede Menge Leute im Internet Eiswasserkübel über die Köpfe lehrten. Nervenbahnen bilden sich zurück, die Erkrankten verlieren nach und nach ihre Bewegungsfähigkeit, während sie zugleich im Gehirn vollkommen wach bleiben. Weiterlesen

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Tipp: Mehr oder weniger

»On the Side« legt den Fokus auf die, denen das Geld ständig ausgeht

onthesideDie Eurokrise hat Portugal stark gebeutelt, auch wenn die nackten Zahlen, die hierzulande zum Thema veröffentlicht werden, wenig von dem transportieren, was das konkret für die Bevölkerung bedeutet, von der ein gutes Viertel an der Armutsgrenze lebt. Im Lissabonner Vorort ist Krise Alltag und wesentlicher Bestandteil der Gespräche, von denen die meisten sich so zusammenfassen lassen: »Es wird immer schlimmer« und »Früher war es besser«. Früher gab es nicht nur ordentliche Bohnen, Erbsen, Süßkartoffeln, früher gab es auch Jobs. Früher hat man viel gearbeitet und viele Kinder bekommen. Früher gab es Geld. Heute laufen Jobs aus oder sind nicht zu haben oder werden zumindest schlecht bezahlt. Dafür hat, wer nicht die Freizeit mit Nebenjobs und Zuverdiensten verbringt, viel frei und kann das Glas auf die Troika heben. Da ist es eine kleine Sensation, wenn jemand fallen lässt, dass er Lohnzahlungen erhält. In den verschiedenen Milieus der Nachbarschaft gleichen sich die Sorgen und Erzählungen. Die Bilder davon sind so nebeneinandergestellt, dass eine dichte Schilderung des portugiesischen Alltags jenseits der Arbeit gelingt, in der sich die Wege der Protagonisten kreuzen. Weiterlesen

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Tipp: Rock’n’Roll auf Khmer

»Don’t think I’ve forgotten« erzählt die vergessene und jäh zu Ende gegangene Geschichte der musikalischen Jugendkultur in Kambodscha

donthinkEs muss eine Zeit gegeben haben, so in den 60ern und frühen 70ern des letzten Jahrhunderts, da sah man in Kambodscha mit Vorfreude in die Zukunft. Man trug westliche Kleidung und tanzte zu westlicher Musik, man sah sich ganz vorne dran, der König förderte alles, was fortschrittlich war und trat selbst als talentierter Musiker auf. In diesem Klima entwickelte sich eine große Rock- und Hippieszene. Von alldem gibt es Filmaufnahmen, die Menschen sind bunt und fröhlich und tanzen wild zu abgedrehten Gigs, bei denen die Musik trotz aller Wiedererkennungseffekte leicht schräg klingt, weil sie amerikanische, französische und lokale Traditionen mischt. Weiterlesen

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Tipp: Heimatscholle

»(Be)longing« erzählt im Wortsinn von Zugehörigkeit

belongigEs ist nicht viel los in einem nordportugiesischen Dorf von 50 Leuten, möchte man meinen. Nicht nur für die Jugend bedeutet das Landleben vor allem eine Reihe von Beschränkungen: bei der Jobwahl, bei der Partnerwahl, beim Freizeitvergnügen. Soll was zu essen auf den Tisch kommen, muss das Feld bestellt und geerntet, müssen Rinder und Schweine versorgt werden. Die Alten wissen alles besser, sind nur am rummeckern, und die Gespräche in der Dorfgemeinschaft kreisen auffällig oft debattenhaft um Kleinkram. Das Jahr plätschert so dahin. Aber weggehen scheint auch keine Option, nicht mal in ein anderes Dorf, denn schließlich gehört man hier hin. Es ist die Leistung dieses eindrucksreichen Films, mit ruhiger Beobachtung ein Art Heimatgefühl zu vermitteln, ohne effekthascherisch die landschaftlichen Reize hervorzuheben oder das traditionelle Landleben als die Welt zu verklären, in der alles in Ordnung ist. Weiterlesen

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Außen hui, innen pfui?

Baden in Unschuld: »Girl Model« wirft einen Blick auf die Schönheitsindustrie

girlmodelDass die Innenwelt der Schönheitsindustrie so schön nicht ist, wird heute niemanden überraschen. Die Doku »Girl Model« (R: David Redmon u. Ashley Sabin, IE 2011) wirft ein eher beschreibendes, weniger investigatives Schlaglicht auf das Geschäft mit den menschlichen Anziehpuppen (Entschuldigung für den Ausdruck, aber als solche werden sie von den Verantwortlichen offensichtlich angesehen). Und doch reicht schon dieser betrachtende Blick aus, um allerlei Fragen aufzuwerfen. Weiterlesen

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Tipp: Fremd im Heimatfilm

Im Berchtesgadener »Café Waldluft« kreuzen sich die Wege von Asylsuchenden und Bajuwaren, von denen mancher selbst eine bewegte Migrationsgeschichte erzählt

waldluftWeit über 100 Jahre hat das alte Haus schon auf dem Buckel. Mal war es ein Ferienheim für gutbetuchte Bürger des Kaiserreichs, mal eine Absteige für Nazikader, die Termine im nahegelegenen Führerhauptquartier am Obersalzberg hatten. Oberhalb des Café Waldlufts in Berchtesgaden erhebt sich der Watzmann, Deutschlands zweithöchster Berg, einige Kilometer taleinwärts liegt der Königsee am Fuß der schneebedeckten Gipfel. Ein Alpenidyll, in dem die Einheimischen vom Schuhplatteln bis zur Blaskapelle Traditionen pflegen, in denen sich bereits Zugereiste aus den nur einige hundert Kilometer entfernten nördlichen Gegenden Deutschlands fremd fühlen müssen. Dieses Café Waldluft ist nun seit einigen Jahren Unterkunft für rund 40 Flüchtlinge. Weiterlesen

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Africa’s calling

Sonderprogramm: Animiertes aus dem Subsahara-Raum

hisab»Sprechende Tiere, Kannibalenmonster und Medizinmänner. … Alltag und Aufbruch, bunt und wild.« – Ein bißchen klischiert liest sich die Ankündigung zum Sonderprogramm »Afrika animiert.« schon. »Subsaharische Trickfilme« sind zu sehen, außer Südafrika, muss man hinzufügen. Denn das Land wurde ausgespart, weil es im Gegensatz zu den anderen über eine professionelle Trickfilmproduktion verfügt. Andernorts fehlen solche Rahmenbedingungen, fehlen Technik und Ausbildung. So sind die meisten des in zwei Vorführsessions unterteilten Sonderprogramms vorgestellten Künstler Autodidakten. Teilweise sind die Filme auch unter Mithilfe von Personen oder Institutionen aus den ehemaligen Kolonialherrenländern entstanden. Die Themen sind dabei von beeindruckender Vielfalt und der im Programmheft zunächst erweckte Eindruck des Exotismus verflüchtigt sich. Und ja, auch Buntes und Tiere gibt es zu sehen, etwa bei der ironischen Alltagsbetrachtung »Hisab« (ET 2011), der Esel, Ziege und Hund pastellig in Acryl Taxi fahren lässt.

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Versteckspiel

»Ayan and the White Balloon« ist Konfrontation zwischen Weggegangenen und Dagebliebenen

ayanFilme drehen kann anstrengen: Wieder und wieder müssen die Szenen gedreht werden, werden Dinge und Schauspieler von Neuem arrangiert. Anfängliche Fröhlichkeit und ausgelassenes Feiern miteinander verwandeln sich, wenn die Nerven blank liegen, schnell in Vorwürfe, statt gemeinsamen Gesängen hört man grundsätzliche Fragen. Die Filmemacherin Vida Dena hat, weil sie nicht mehr arbeiten konnte, den Iran Richtung Europa verlassen. Als sie nach fünf Jahren wiederkommt, um mit Freunden einen Film zu drehen, wird ihr erklärt, dass auch für die Dagebliebenen das Leben weitergegangen ist. Weiterlesen

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Das dritte Auge

Fein-kleine Animation über die Flossen der Wahrnehmung

fidhEinem Mann passiert ein kulinarisches Missgeschick – und schon sieht er die Welt mit anderen Augen. Bereits im Titel »He Who Ate the Eye of a Fish« (Alice Saey, FR 2014) wird die Handlung des Achtminüters, der Animationsfilm läuft im Internationalen Wettbewerb Kurzfilm, deutlich ausgedrückt. Mann verspeist versehentlich das Auge eines Fisches, ihm wird erst übel, dann anders, schließlich ändert sich seine Wahrnehmung. Und nein, sie verschwimmt nicht und Schuppen fallen ihm auch keine von den Augen. Weiterlesen

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Tipp: A Baptism of Fire

Die moderne Infrastruktur der Medien ermöglicht heute einen nahezu ungebrochenen Fluss an Informationen und Nachrichten. Der Ursprung der Bilder und die Umstände ihres Entstehens können in dieser Geschwindigkeit kaum mehr einzeln wahrgenommen werden. »A Baptism of Fire« des 1984 geborenen Regisseurs Jérôme Clément-Wilz wirft den Zuschauer mitten hinein in das prekäre Geschäft mit den Bildern – hautnah am Alltag junger Journalistinnen und Journalisten, die sich in die Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt wagen, um authentische Eindrücke aus erster Hand zu liefern.

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Versicherung gegen Nagelbomben

Der »Der Kuaför aus der Keupstraße« erinnert an den Nagelbombenanschlag von Köln – und erzählt endlich auch die Geschichte der Opfer, die lange als Täter galten

kuafoer»Viele haben vergessen, was uns passiert ist«, sagt Abdulla Özkan unter Applaus. Vor elf Jahren wurde Özkan von einem Nagel im Hals getroffen. 2004 in Köln war das, in der Keupstraße, also dort, wo viel Türken ihre Geschäfte haben. Sieben Jahre lang haben die Ermittler versucht, die Täter hinter dem Nagelbombenattentat zu finden – unter den Türken, unter den Opfern. Bis sich herausstellte, dass hier die rechtsextreme Terrororganisation NSU ihren Fremdenhass mit Gewalt herausgelassen hat.

Der Dokumentarfilm »Der Kuaför aus der Keupstraße«, der am Dienstag beim DOK in Leipzig Weltpremiere feierte, rekonstruiert weniger das Attentat selbst, sondern vielmehr das Hinterher. Spricht mit den Friseurinhabern, dessen Laden zerstört wurde, und mit ihren Nachbarn. Zeigt den Skandal der Ermittlungen, die den Opfern nicht glauben wollten. Weiterlesen

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Tipp: John Wayne und Witold Giersz

Eine unterhaltsame Werkschau mit Cowboys und Pferden

Witold Giersz

Der Meister des polnischen Animationsfilms Witold Giersz hat eine ganz klare Vorliebe für den Wilden Westen, Cowboys und Western. Was wohl auch der mangelnden Reisefreiheit zu Zeiten des eisernen Vorhangs geschuldet ist. Im Programm »Farben im Galopp – Der Animationskünstler Witold Giersz« läuft u.a. der Kurzfilm »Horses« aus dem Jahr 1967, den Giersz damals nicht in die DDR begleiten konnte. Doch auch diesmal hat der Animator mit diesem Film kein Glück. »Horses« müsste in Cinemascope projiziert werden, wurde jedoch versehentlich im falschen Format an das Festival geschickt. Giersz, ein Mann des trockenen Humors, bittet daher die durch den Formatwechsel von titelgebenden Pferden zu Giraffen mutierten Wesen zu entschuldigen. Weiterlesen

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Utopie und Zuversicht

»Als wir die Zukunft waren« erzählt vom Aufwachsen in den frühen Jahren der DDR

alswirdiezukunftwaren»Ihr jungen Menschen, frisch und aufstrebend, seid das erblühende Leben […]. Unsere Hoffnungen ruhen auf euch«, soll Mao 1957 gesagt haben. Im Sommer 1968 ist der jugendliche Thomas Knauf, der später Drehbuchautor und Regisseur werden sollte, in Warschau und bekommt dort die »Bibel« des aus DDR-Perspektive als Renegaten einzustufenden Mao in die Hand. Zu dieser Zeit war es mit den geradezu naiven Hoffnungen in die Jugend im besseren Deutschland nicht mehr ganz so weit her. Davon erzählt nicht nur die Episode des gebürtigen Hallensers Knauf. Weiterlesen

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Als es dunkel wurde im Saal

Eindrücke vom ersten Tag

Der erste Tag mit prallem Filmprogramm auf dem diesjährigen 58. DOK Leipzig ist zu Ende – die Kinos waren voll, die Sonne schien, aber ich sah sie nur flüchtig auf dem Weg von Kino zu Kino. Viele Menschen drängen sich vormittags im Cinestar vor den Sälen, aber die Schlangen schrumpfen rasch – alles scheint reibungslos zu laufen. Weiterlesen

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Tipp »Reach for the SKY«

Polizeisirenen heulen, ganze Straßenzüge sind abgesperrt, Menschen applaudieren, während Schüler hastig an ihnen vorbeieilen – was klingt wie ein Marathon, ist in Südkorea der Tag der großen Schul-Abschlussprüfungen. Alle müssen rechtzeitig erscheinen, wer zu spät zu kommen droht, bekommt auch schon mal eine Polizeieskorte. Der Test ist die alles entscheidende Antwort auf die Frage, welche Uni die Schüler besuchen dürfen. Das Ziel: SKY – die drei besten Unis im Land. Dort angenommen zu werden, garantiert den Studenten hohes Ansehen innerhalb der Familie und die besten Aussichten auf einen Job. Und so nehmen die Schüler im ganzen Land oft die völlige Isolation von ihren Freunden und jeglichen Freizeitaktivitäten in Kauf, während die Familien sich für Lernmaterial und Nachhilfe hoch verschulden. »Reach for the SKY« begleitet einige dieser Schüler während ihrer Vorbereitung auf ihre große Prüfung. Der Lerneifer und die bedingungslose Hingabe an das System ist nüchtern dargestellt, die Schüler reden wie selbstverständlich von all den Opfern, die sie bringen müssen. Damit wirkt die Dokumentation teilweise regelrecht beängstigend und stellt die Anforderungen in Frage, die heutzutage auf die Schüler einprasseln. Weiterlesen

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Tipp »Pervert Park«

Behutsam erzählt »Pervert Park« die Geschichte von verurteilten Sexualstraftätern, die nach ihrer Entlassung aus der Haft in einem Trailerpark unter ihresgleichen leben. In klaren Bildern und auf einfühlsame Weise lässt der Film seine Hauptfiguren erzählen: Von häuslicher Gewalt und großen Tragödien, die wiederum zu mehr häuslicher Gewalt und größeren Tragödien führten. Es gibt keine Schuldzuweisungen oder Erklärungsversuche – alle Beteiligten sind sich ihrer Schuld mehr als bewusst. Und doch verurteilt der Film nicht radikal, sondern lässt einen Platz für Würde und Menschlichkeit. Weiterlesen

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Tipp: »Snails«

snailsDas große Geld machen – das wäre schön! Auf die Idee, dieses mit Schneckenzucht zu verdienen, kommen allerdings die Wenigsten. Zwei polnische Brüder nehmen sich der schleimigen Tierchen an, doch die machen es den beiden Neu-Züchtern nicht so leicht wie gedacht. Denn auch wenn Schnecken seeehr langsam sind – weglaufen können sie trotzdem. »Snails« überzeugt mit viel Humor und einer für Schnecken völlig unerwarteten Ästhetik. Weiterlesen

DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
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Körper von Gewicht

Reihe außer der Reihe: »Bodycheck« widmet sich den Leib-Seele-Problemen Heranwachsender

thischairisnotmeAlan ist einsam. Mit gelähmter Motorik sitzt er im Rollstuhl isoliert zu Hause. Dass er einmal tanzen wird, glaubt er selbst sicherlich zuletzt. Immerhin kann er via Funk Kontakt mit der außerhäuslichen Außenwelt halten. Doch als ihm sein Vater das Funken verbietet, nimmt Alan kurzerhand Reißaus und flieht nach London. Nachdem Schritt der Befreiung ist nichts mehr, wie es mal war. Bekannte sammeln für einen Sprachcomputer, der einst Unglückliche nimmt sich neue Freiheiten, lernt das selbstbestimmte Leben kennen und lebt heute als Tanzlehrer. In nur zehn Minuten findet sich der Akt der Selbstermächtigung im Film »This Chair is not Me« (R: Andy Taylor Smith, UK 2013) eingefangen, der zur besonders für Jugendliche ausgerichteten Reihe »Bodycheck« gehört. Weiterlesen

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Transitzone als neue Mauer

Die Retrospektive »Grenzen ziehen … Europa seit 1990« thematisiert erschreckend aktuelle Fragen

jorgeLars Meyer ist entsetzt. Dass die Retrospektive »Grenzen ziehen … Europa seit 1990« so aktuell sein würde, hat er dann auch nicht gedacht. »Jetzt wird wieder über die Schaffung von Grenzen nachgedacht – jede Woche deutlicher«, sagt er zu Einführung. »Transitzone – das ist ein Unwort, das nur eine neue Mauer bezeichnet.« Weiterlesen

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Legida anschreien

Die neue Festivaldirektorin hält eine politische Rede auf der Eröffnungsfeier, die etwas chaotisch wirkt und immer noch zu lange dauert

Leena Pasanen, Foto: DOK Leipzig/ Susann Jehnichen

Leena Pasanen, Foto: DOK/ S. Jehnichen

Plötzlich steht sie da. Leena Pasanen, die neue Festivaldirektorin. Es herrscht noch ein bisschen Unruhe von Leuten, die ihre Plätze im großen Cinestar-8-Kinosaal einnehmen, als sie die Bühne betritt und zu reden anfängt. Nach warmen Worten der Begrüßung dauert es nicht lange, bis sie auf Legida zu sprechen kommt, die zeitgleich in der Innenstadt demonstrieren und fremdenfeindliche Parolen brüllen. Sie habe sich das lange angesehen, »aber ich sollte wohl besser zurückschreien«, sagt die Finnin, die drei Jahre in Budapest gelebt und die Veränderungen unter der Orbán-Regierung persönlich miterlebt hat. Dokumentarfilme seien ein hervorragendes Mittel, um Ignoranz und Engstirnigkeit zu bekämpfen. Deswegen empfehle sie jedem Legida-Sympathisanten, jetzt lieber in den Hauptbahnhof zu gehen, wo zur gleichen Zeit der Eröffnungsfilm »Alles andere zeigt die Zeit« zu sehen ist.

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Leena Pasanen im Interview

Ein gutes Jahr wohnt die neue Festivaldirektorin Leena Pasanen nun in Leipzig. Bevor das DOK richtig losging, hatten die DOK Spotters die Möglichkeit sie zu treffen und ihr ein paar exklusive Fragen zu stellen – zum Festival, aber natürlich auch zu ihrer Person.

http://dok-spotters.de/de/2015/10/26/die-festivaldirektorin-und-ihr-kleines-fettes-pony/

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Tagestipp »Floating Life«

Fast wirkt die Leere auf den endlosen Weiten des Loktak im Norden Indiens wie ein direkter Gegensatz zu den überfüllten Großstädten. Doch die Zivilisation zeigt sich von ihrer schmutzigsten Seite in Bergen von Müll, die an die Küsten geschwemmt werden. floatinglife

Verantwortlich macht die Regierung die Menschen, die auf künstlichen Inseln aus Schwemmland seit Generationen ihre Hütten bauen – absurd, sind die Fischer doch angewiesen auf das fragile ökologische Gleichgewicht des Sees. Die Gründe, warum ihre Siedlungen ein Dorn im Auge der Regierung sind, liegen woanders und die kommerzielle Nutzung des Sees für Wasserkraftwerke ist da ein nicht unwesentlicher Faktor. Weit draußen leben die Siedler heute, möglichst weit von der Küste und dem Arm des Gesetzes entfernt und außerhalb der Gesellschaft. Immer wieder zerstören die staatlichen Organe die Hütten, immer wieder bauen die Fischer sie auf. Sie haben nichts anderes. In beeindruckenden Aufnahmen der Natur und der Menschen, die im Einklang mit ihr überleben, zeigt Haobam Paban Kumar das bedrohte Leben einer im Untergang befindlichen Zivilisation. Die Hintergründe sind schwer zu erfassen und werden in den Büros der Städte geschmiedet. Die Auswirkungen treffen die Menschen, die Kumar über Jahre hinweg begleitete, direkt und unerbittlich. Mit dem Mut der Verzweiflung haben die Menschen begonnen, sich zur Wehr zu setzen. Doch wie lange reicht ihre Energie?

Lars Tunçay

27.10.2015, 17:30, Cinémathèque Leipzig

30.10.2015, 22:30, Passage Kinos Filmeck

 

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Kaffee und Mate – es geht los

Als DOK Spotters berichten 13 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren von ihren Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen im Kino und mit den Filmemachern. Bevor es heute richtig los geht, haben sie sich selbst als Filmemacher versucht, und geben hier einen kurzen, aber detaillierten Einblick in das, »was wir den ganzen Tag über so machen.«

http://dok-spotters.de

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Auferstanden aus Ruinen

Der Filmemacher Andreas Voigt eröffnet das Dokfestival mit einem Beitrag zur Chronik der Menschen dieser Stadt

allesanderezeigtdiezeitDie Bilder könnten auch von 1945 sein: überall Trümmer und Schutt, dazwischen ragen Abrisshäuser auf, aus denen Jugendliche mit Kippe und Bier in der Hand die Füße baumeln lassen. Es ist 1990, das Jahr des Beitritts, und das Land, das hier in Trümmern liegt, ist die DDR, Stadt Leipzig. Vor dem besetzten Haus in der Stockartstraße steht Isabel. Selbstbewusst und offen spricht die 12-Jährige mit der wilden Mähne in die Kamera. Über Wünsche, Träume und ganz unmittelbare Dinge wie den Alltag mit den Glatzen. Eine Lehre als Frisörin könnte sie sich vorstellen. Darüber, ihr Viertel zu verlassen, denkt sie nicht nach.

Isabel ist eine der Protagonistinnen von Andreas Voigts Leipzig-Zyklus. 1986 nahm dieser seinen Anfang. Protagonist damals war Alfred, ein alter Arbeiter, gezeichnet vom Leben. Kennengelernt hatte der Filmemacher ihn durch ein Porträt eines befreundeten Malers. Als er Alfred traf, war für Voigt, der damals noch an der Filmhochschule studierte, auf Anhieb klar, dass er einen Film über ihn drehen wollte. »Der saß da in einem riesigen Berg von Büchern, las Heidegger und Nietzsche, Stalin und Rosa Luxemburg und erzählte aus seinem Leben. Daraus sind dann in zwei Tagen hochspannende Tonaufnahmen entstanden und zwei Tage später ist Alfred gestorben«, erinnert sich Voigt. »Da standen wir dann mit diesem Vermächtnis in der Hand, das wir jemandem mitteilen wollten, und daraus haben wir eine sehr subjektive Rekonstruktion eines deutschen Arbeiterlebens gemacht, das durch alle Höhen und Tiefen, alle Konflikte des letzten Jahrhunderts gegangen ist. Dieser Zufall führte mich nach Leipzig.« Weiterlesen

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Zum Anfassen

DOK Neuland ist der augenzwinkernde Titel einer interaktiven Ausstellung im Herzen des Festivals

dok-neulandAlles ist neu: Nach dem Wechsel an der Festivalspitze wird die Frischzellenkur mit dem Herannahen der DOK-Woche immer deutlicher. Die wird sich in diesem Jahrgang nicht nur in der Fusion der beiden Säulen Dokumentar- und Animationsfilm bemerkbar machen. Das DOK Leipzig betritt Neuland. So nennt sich auch eine Ausstellung, die das Festival hinein ins Herz der Stadt trägt. Mitten auf dem Marktplatz baut das DOK seine Zelte auf und präsentiert vom 27. bis 31. Oktober interaktive Arbeiten, die neue Formen des non-fiktionalen Geschichtenerzählens abseits der Kinoleinwand aufzeigen. Virtual Reality, Webdokus, Games und Apps setzen sich mit dem Genre des Dokumentarfilms auseinander und loten neue Möglichkeiten aus. Entwickelt wurden sie in Experimentierlaboren wie dem Net Lab, die seit einigen Jahren das Festival begleiten. Weiterlesen

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Das DOK Leipzig wird groß

DOK-Leipzig-zuschauer_2013Das Programm des 58. Internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm ist so umfangreich, dass an dieser Stelle nur ein erster, kleiner Blick auf einige der Highlights geworfen sei. Die ausführliche Betrachtung der einzelnen Programme und Sektionen gibt es in den folgenden Tagen auf den Seiten des kreuzer-DOK-Blogs.

Die prominentesten Nebensektionen sind auch in diesem Jahr klar definiert: Die Retrospektive »Grenzen ziehen« setzt sich mit unserem Europa seit 1990 auseinander; der Länderfokus »Himmelsstürmer« blickt nach Südkorea; zwei Hommagen widmen sich zum einen dem Werk des englischen Filmemachers und Videokünstlers John Smith, zum anderen dem polnischen Animationskünstler Witold Giersz. Das Animationsfilmfestival richtet den Blick nach Afrika und bringt seltene »Subsaharische Trickfilme« auf die Leinwände. Das Programm »Collagen aus dem Untergrund« wagt den Spagat mit animierten Dokumentarfilmen aus Ungarn. Daneben setzt Andreas Voigt seinen Filmzyklus

»Leipzig 1986 bis 2015« fort, im Hauptbahnhof flimmern historische Filme in einem Zeitkino und zwei DEFA-Programme beschreiben die künstlerische Arbeit von Animationsfilmern und die Faszination für Zukunftswelten in der DDR.

Für die Festivalbesucher ist es also auch in diesem Jahr essenziell, sich vorher zu informieren und zu planen. Das Kartenvorverkaufssystem hat sich im letzten Jahr bewährt, ist aber sicherlich noch verbesserungsfähig. Hinter den Kulissen wird fleißig geschraubt, gesichtet, geplant, und dann kann es am Montag losgehen mit dem 58. DOK Leipzig (26.10.–1.11.) und dem kreuzer-DOK-Blog. Glück auf!

LARS TUNÇAY

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