DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

AusgeDOKt

DOK Industry beim diesjährigen DOK Festival Leipzig 2016

traumzwangEine Woche prallen Lebens für die Leipziger Filmlandschaft ist vorüber. Es kann nur jedes Herz erfreuen, zu sehen, wie viele Menschen regelmäßig Jahr für Jahr in die Spielstätten des DOK Leipzig pilgern und dem Dokumentar- und Animationsfilm ihre Aufwartung machen.

Neben dem regulären Publikum trifft sich immer auch die Branche, um neue Trends entweder vorzustellen oder zu begutachten. Diskussionen, Panels, Workshops, Case Studies oder nicht zuletzt das weiße Iglu des DOK Neuland sorgen für ein enges Zusammenrücken der Vertreter*innen aus allen Bereichen der Branche.
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Neo Rauch im Knast

Bei Dok im Knast wurde dieses Jahr auch der Film über Neo Rauch gezeigt. Interessanter waren aber die Kurzfilme, die die Gefangenen selber gedreht haben.

dokimknastEs gibt Popcorn. Zwei Inhaftierte stehen hinter einer kleinen Popcornmaschine und freuen sich, dass sich alle so darüber freuen. Es ist der dritte und letzte Abend der Reihe Dok im Knast und auf dem Programm steht: »Neo Rauch – Gefährten und Begleiter.«

Eine Auswahl, die etwas verwundert, wenn man weiß, dass die Insassen die Filme selber ausgesucht haben. Am ersten Tag lief der rührende Animationsfilm »My Life As A Courgette«, am Abend zuvor »Fighter« – über Männer, die sich im Käfig blutig schlagen. Warum also jetzt dieses Künstlerportrait? Ein Junge aus der Jury nennt drei Gründe: »Wir fanden es interessant zu sehen, wie die Charaktere der Bilder entstanden sind. Und die Kunst, die Herr Neo Rauch da macht. Außerdem ist er Leipziger – und wir sind ja auch Leipziger.« Weiterlesen

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Machtlos

Preisträger der Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb: »Furusato« von Thorsten Trimpop

furusato»Wer weiß, was wir alles abbekommen haben, als damals die Wolke aus dem Osten kam…« Manchmal hört man derartige Sätze aus dem Munde der Eltern oder Großeltern. Tschernobyl ist zum Synonym geworden für den unsichtbaren Schrecken, den die Nutzung der Atomkraft in sich trägt. Und fast stand dieser unglückselige Ort allein da auf der Welt. Bis am 11. März 2011 die Erde vor Japans Ostküste bebte. Genau da beginnt Thorsten Trimpops Film »Furusato«. Die Eröffnungssequenz des diesjährigen Goldene Taube-Preisträgers in der Kategorie »Deutscher Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm« ist unglaublich stark, wenngleich nur eine Karte zu sehen ist, die den Verlauf und die Stärke der Beben um die japanischen Inseln herum zeigt. Vibrierende Punkte ploppen da an etlichen Stellen auf, jedes dieser Signale wird begleitet von einem schaurigen Dröhnen. Am 11. März dann plötzlich verdichtet sich alles, die Animation zeigt ein einziges riesiges rot vibrierendes Durcheinander, das Dröhnen schwillt an, die Einstellung scheint nicht enden zu wollen.

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Ausgezeichnet kurz

Die Kurzfilme »Eternal Hunting Ground« und »Patriotic Lesson« wurden gestern mit der goldenen Taube ausgezeichnet

patriotic-lessonEin blondes Mädchen steht auf der Bühne und singt ein bewegendes Lied über den Krieg. Die Eltern sind stolz, die Lehrer gespannt, die älteren Zuhörer beginnen zu weinen: In einer Schule irgendwo in Polen findet ein Wettbewerb für patriotische Poesie und Musik statt. Großartig fängt Regisseur Filip Jacobson in »Patriotic Lesson« den Mikrokosmos Turnhalle ein und taucht die Szenen in schwarz-weiß, als wäre diese Veranstaltung schon lange Vergangenheit. Weiterlesen

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Interview mit David Sproxton

David Sproxton hat 1976 mit Peter Lord Aardman Animations gegründet. Aardman ist das Produktionsteam hinter den Kinderhelden Shaun das Schaf, Wallace und Gromit und Morph. Aber Aardman hat weitaus mehr gemacht als die oben genannten Figuren, sie haben viele Filme und Kurzfilme heraus gebracht wie Chicken Run und  Creature Comforts.

Die DokSpotters haben David Sproxton zum Interview getroffen und ihm Knete in die Hand gedrückt.

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Die Preisträger des 59. DOK Leipzig

Insgesamt hat das Filmfestival 21 Preise in Höhe von 77.000 Euro ausgelobt 

austerlitzDer ukrainische Filmemacher Sergei Loznitsa hat bei DOK Leipzig mit dem Film »Austerlitz« die prestigeträchtige Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm gewonnen, gestiftet vom Mitteldeutschen Rundfunk. Der renommierte Filmemacher beobachtet in seinem Werk in Schwarz-Weiß-Bildern Besucherinnen und Besucher in Konzentrationslagern. Die Jury begründete ihre Wahl unter anderem mit den Worten: »Die seinen Bildern innewohnende Ruhe und Schönheit sowie die bemerkenswerte Klangbearbeitung lassen jede Menge Zeit, nochmals darüber nachzudenken, was sich vor noch gar nicht so langer Zeit in der Mitte Europas ereignet hat.« Am 15. Dezember kommt »Austerlitz« bundesweit in die Kinos.  Weiterlesen

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Die Sehnsucht nach Ruine

Ute Puder erzählt in ihrem Erstlingsfilm die Geschichte des Lindenauer Hafens

sehnsuchtGefühlt 90 Prozent aller jüngeren Leipzig-Dokus beschäftigen sich mit den Großruinen dieser Stadt. »Die Sehnsucht nach dem Meer« reiht sich hier nahtlos ein. Erzählt wird die Geschichte des Lindenauer Hafens, der bis voriges Jahr nur auf dem Landweg erreichbar war. Nach mehr als 100 Jahren wurde 2015 die 665 Meter lange Wasserverbindung zum Karl-Heine-Kanal fertiggestellt.

In die andere Richtung ist hinter den Speichern immer noch Schluss: Der Durchstich zum Saale-Leipzig-Kanal soll erst in den kommenden Jahren gebaut werden. Aber auch an dessen westlichem Ende nahe Leuna fehlen noch mehrere Kilometer Wasserstraße und ein sehr teures Schleusenbauwerk, um die Verbindung zur Saale und damit zu den Weltmeeren herzustellen. Weiterlesen

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Leipzig loben oder nicht

Die Matinee Amateurfilm II spannt einen weiten Bogen mit DDR-Filmen von 1964 bis 1987, von Trickfilm bis Spielfilm und von Jubel bis Satire

bis_tausend_stimmen_stimmen_webEine Anekdote aus dem DDR-Alltag im Chemiedreieck der Achtziger geht so: Honecker hatte seinen Besuch in den Schkopauer Buna-Werken angekündigt, die dafür verantwortlich waren, dass rundherum jedes Hausdach und jedes Blatt am Baum mit einer weißen Carbidschicht überzogen war. Der Staatsratsvorsitzende sollte davon nichts mitbekommen, folglich wurden Überstunden darauf verwendet, das Gras auf dem Werksgelände und in dessen Umgebung grün anzumalen. Ein ähnliches Szenario setzt der Trickfilm von Manfred Seifert mit dem unverblümten Titel »Tünche« um: In Silhouettentechnik stellt der Film den Zusammenhang zwischen Industriedreck und kahlen Bäumen her. Fröhlich wird das Ganze erst wieder, als ein Flugzeug grüne Farbe abwirft: »Gebt uns Tünche und wir sind erbötig, alles so zu machen, dass es noch mal geht!«, lauten die dazu passenden Brechtworte.

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Eine Frage der Haltung

Das Sonderprogramm »We Are Hip Hop« fokussiert die politische Haltung des Musikgenres

this-is»This is what it is.« So bringen es die kubanischen Hip-Hop-Künstler in dem gleichnamigen Film auf den Punkt, wenn sie ihre Musik beschreiben. Die Texte des Duos »Los Aldeanos« um die Rapper Aldo Baquero und Bian Galádes sind keine auf Papier gebrachten, philosophischen Gedankenkonstrukte, sondern drücken die Realität der Insel aus, die den meisten Pauschaltouristen unbekannt bleibt. Der Alltag auf Kuba, der von Restriktionen und Perspektivlosigkeit geprägt ist, bringt die kubanischen Musiker schließlich dazu, ihre Heimat zu verlassen, um auf den Bühnen Europas und Amerikas aufzutreten. Doch dort erwartet sie eine Realität, die eher am Gewinn als an ihrer Musik interessiert ist. Weiterlesen

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Tipp: »Mich vermisst keiner«

mich-vermisst-keinerEvi sitzt alleine in ihrer Wohnung. Raus gehen oder den Balkon nutzen kann sie nicht; der ehemaligen Sportlerin wurden die Beine amputiert. Freunde kommen schon lange nicht mehr zu Besuch und die Familie hat mit ihr gebrochen. Ihr Kontakt zur Außenwelt besteht nur noch aus dem allmorgendlichen Besuch des Pflegedienstes und dem Internet. Und so spielt sich ihr Leben und demzufolge der gesamte Film zwischen Fernseher, Küche und Bett ab.

Evi wirkt auf der einen Seite einsam, verschroben und verbittert, auf der anderen Seite hat sie sich einen außergewöhnlichen Humor und eine sehr liebenswerte Art bewahrt.

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Die Innere Aufrüstung

»Do Not Resist« zeigt die von wachsender Angst getriebene Aufrüstung der US-Polizeibehörden

do-not-resist Da ist der Sheriff der kleinen Gemeinde Juneau in Wisconsin (0 Morde in 2014): Wenn seine Polizei einen schwer gepanzerten Mannschaftstransporter bekommen kann, warum nicht? Schließlich könnte man auch in Juneau einmal in die Situation kommen, einen bewaffneten Aufstand bekämpfen zu müssen, oder? Weiterlesen

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»Die Türken sind filmverrückt«

Der Länderfokus Türkei zeigt vielfältiges Filmschaffen
once-uponDer Zug setzt sich in Bewegung in eine ungewisse Zukunft. Eine Familie ist unterwegs mit ihrem gesamten Hab und Gut von Batman im Osten des Landes ins 1000 Kilometer entfernte Umland von Ankara. Dort werden sie den Sommer über auf den Feldern schuften mit hunderten anderen wie ihnen. Kurden, die für einen Hungerlohn Gemüse ernten, das auch in unseren Supermärkten landet. Weiterlesen

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Tipp: Happy

happyDieter ist 60 und lebt irgendwo in der westdeutschen Provinz. Er ist Verwaltungsangestellter, Hobbygärtner, -landwirt und -imker, er ist etwas hutzelig und scheucht auch schon mal in Unterhosen die Hühner übern Hof, weil er keine Zeit mehr hatte, seine Hose anzuziehen. Er ist geschieden und hat eine erwachsene Tochter, die Filmemacherin Carolin Genreith. Vor allem aber ist Dieter einsam und hat große Angst vor dem Alleinsein im Alter.

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Verstellt

»Intensity of Watching« von Andrzej Sapija

intensity-of-watchingKazimierz Karabasz gilt als der wichtigste Dokumentarfilmer der polnischen Nachkriegszeit. Die in den 50er Jahren begründete »Karabasz-Schule« verschrieb sich dem »einfachen Menschen« und beeinflusst bis heute den polnischen Dokumentarfilm. Mit einem schlichten und prägnanten Stil wurden Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld portraitiert, vor allem Arbeiter – allerdings ohne den bis dato vorherrschenden ideologischen Zeigefinger. Karabasz war überzeugt, dass derartige Portraits aus jedem etwas Besonderes und Ungewöhnliches machen, dass es nur auf die Art des Blicks ankommt, mit der die Person betrachtet wird. Weiterlesen

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Interaktive Arbeiten erleben – Ein Selbstversuch

DOK Neuland – eine Ausstellung der Künstlerin Paula Gehrmann und des Koordinators Lars Rummel

neuland»Schon immer lebte das bewegte Bild von Illusionen. In der der Virtual Reality finden sie einen neuen Höhepunkt.( … )Wahrnehmung besteht aus Sinneseindrücken, die imitiert, getäuscht, manipuliert, ergänzt und in den schönsten Farben ausgedrückt werden können. Die menschliche Wahrnehmung ist aber keine feste Größe, sie ist vielmehr individuell und situativ…«

Aha. So steht es auf der Programmseite vom DOK über die interaktive Ausstellung »DOK Neuland«. Ich hätte also schon ahnen können, was mich erwartet, aber irgendwie ist die Ausstellung bisher an mir vorbei gegangen.

Und so stolpere ich am verregneten späten Mittwochnachmittag in dieses iglu-ähnliche Zelt auf dem Marktplatz. Ich habe nämlich meinen Film verpasst, weil das Filmgespräch vom Film vorher so lange gedauert hat. Zu spät ins Kino kommen ist blöd und peinlich. Koordinator Lars Rummel, der mich am Eingang empfängt, grinst: »Das ist einer der Gründe, warum wir diese Ausstellung machen«“ Was mich aber gleich erwartet ist vielmehr als schnöder Zeitvertreib.

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Tipp: Minimalistisches Leuchten

»Mishka« heißt der Bär, der seine Gefühle für den Fuchs nicht in den Griff bekommt

Wer Sterne mit Linien verbindet, um darin Muster und Figuren wie den Orion zu erkennen, kommt nicht auf die Idee, die Flächen dazwischen bunt auszumalen, auf dass der Orion zum Beispiel eine blaue Hose bekomme. Eine ähnliche Sternbildfigur ist der minimalistische Bär in »Mishka«, der auch nur aus hellen Umrissen vor dem Nachthimmel und einem abstrakten Wald besteht und dabei nicht minder ein vollständiger Bär ist, mit Bewegungen und, vor allem: Emotionen. Die äußern sich in erster Linie dem Fuchs gegenüber, ein irritierend roter Körper, der mal ein Wollknäuel bildet, mal viele Fäden, mal in den Himmel wächst. Sphärische Klänge untermalen die Interaktionen innerhalb der poetische Transformationen von Körpern, die sich nicht nur umeinander schlingen.

FRANZISKA REIF

»Mishka«: D 2016 | 5 min | Deutscher Wettbewerb Kurzfilm, Neue Deutsche Animation | R: Eszter Jánka | ohne Dialog/Untertitel | Weltpremiere

Passage Kinos Astoria: 4.11., 22 Uhr (Teil des Programms »Mishka + Kaisa’s Enchanted Forest«)

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Echte Männer tanzen Ballett

»Keep Frozen« ist der Auftrag beim Entladen eines Fischtrawlers

keep-frozenWenn der Trawler monatelang auf See war, kommt er voll Fisch im Hafen von Reykjavik an. Fisch heißt in dem Fall: 25 Kilo schwere Pakete, tiefgefroren. Die Pakete müssen an Land und trotz Technik und Kränen ist das Handarbeit. Handarbeit für echte Männer aus Stahl: Kisten nehmen, per Hand auf Paletten stapeln, Paletten wegbringen, Kisten wieder nehmen, neu stapeln. Wenn alles gut geht, dauert das nur zehn bis zwölf Stunden. Meistens kommt aber was dazwischen, Stapel fallen um oder stürzen ineinander oder es geht eine Palette kaputt, am besten, während sie am Kran in der Luft hängt. Dann landet nicht nur ein Teil der Ladung im eiskalten Wasser, es könnte auch schlecht für die ausgehen, die darunter stehen. Entsprechend berichten die Männer, deren Lebensmittelpunkt das ewige Eis bildet, von kaputten Gliedmaßen oder amputierten Fingern. In ihren sich wiederholenden Bewegungen, in den wiederkehrenden Abläufen von Kisten hier und Kisten da, in der Eintönigkeit der Logistik ist der Einzelne so etwas wie eine Ameise, die zum Gelingen des großen Ganzen beiträgt. Weiterlesen

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Tipp »Terminal Device«

terminaldeviceDer Schurke mit dem Haken: Ob Captain Hook oder der gruselige Killer aus »Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast« – ein Haken als Hand steht meist für den Superbösewicht, vor dem sich alle fürchten müssen. Ross Turnbull trägt, seit er denken kann, eine Prothese, und hat damit leben gelernt: Mit den Blicken, der Angst, dem Misstrauen. In seinem Film »Terminal Device« untersucht der Filmemacher, woher das Misstrauen und all die Legenden rund um die künstliche Hand überhaupt kommen. Und wie könnte man die Wirkung auf die Öffentlichkeit besser untersuchen, als anhand von Blockbustern der Filmgeschichte? Da sind Luke Skywalker aus Star Wars und der Terminator ebenso gute Beispiele wie Edward mit den Scherenhänden. Und immer wieder Hook. Positive Beispiele sind allerdings kaum vorhanden, immer wieder wird ein Makel am Körper auch mit einem unsteten Charakter assoziiert. »Terminal Device« versammelt Helden und Schurken der Kindheit, erzählt eine ungewöhnliche Geschichte und räumt dabei spielend mit allerhand Vorurteilen auf.

HANNE BIERMANN

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Unbeschreibbar

Drei Mädchen sprechen in »A157« über das Leid, das ihnen der Krieg angetan hat

a157Gleich zu Beginn des Filmes stellt sich ein beklemmendes Gefühl ein. Lautes Donnergrollen. Es regnet in Strömen. Die Wege in dem riesigen Flüchtlingslager, irgendwo an der türkisch-syrischen Grenze, sind verschlammt. Ein junges Mädchen zieht ihre Schlappen über den nassen Pfad, während sie auf ein UNHCR-Zelt zusteuert. Es hat die Nummer A157. Fast ausschließlich auf das Zeltinnere konzentriert, nähert sich diese Doku dem Schicksal dreier junger Mädchen, jesidische Kurdinnen aus Syrien, die den Gräueltaten der IS-Kämpfer zum Opfer gefallen sind. Sie haben überlebt, konnten fliehen, und fristen nun ein verzweifeltes Dasein in dem Zelt. Weiterlesen

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»Mit dem Selfie-Stick auf der Rampe«

könnte eine flüchtige und vielleicht nicht unzutreffende Synopse von gleich zwei Filmen des diesjährigen DOK-Programms lauten – von »#uploading holocaust« (R: Sagi Bornstein, Udi Nir) und von »Austerlitz« (R: Sergej Loznitsa).

uploading-holocaustBeide zeigen die zeitgenössische »Erinnungskultur«s an den Gedenkstätten der Shoa. Während Loznitsa in der ihm eigen ästhetischen Signatur in kommentarlosen, gedehnten Einstellungen die Besucherströme u.a. im KZ Sachsenhausen an seiner statischen Kamera vorbeifließen lässt, montieren Bornstein und Nir Amateuraufnahmen, die hauptsächlich von israelischen Jugendlichen stammen, von denen jährlich Tausende während einer einwöchigen Exkursion Orte des Holocausts besuchen, die heute in Polen liegen – Städte, in denen während der NS-Besatzung Ghettos errichtet wurden, Vernichtungslager und Hinrichtungsstätten.

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Tipp: Zwischen den Stühlen

zwischen-den-stuehlenAnna, Ralf und Katja lernen den Ernst des Lebens kennen. Aber nicht als Schüler, sondern als Lehrer, viel mehr als Referendare. Sie sind in einer »Zwittersituation«, Lehrende und Belehrte zugleich. Diese Zeit ist für alle drei Protagonisten mit viel Stress und Nervenaufwand verbunden. Der permanente Druck, ein »guter Lehrer« zu sein, lässt sie teilweise an sich selbst zweifeln. Doch was ist eigentlich ein guter Lehrer? Und in was für einem System soll er funktionieren? Jakob Schmidt wirft einen nachdenklichen Blick auf die Maßstäbe von Bildung in der Gesellschaft. Interessanter Film über den Widerspruch (oder die Akzeptanz) persönlicher Werte und genormter Realität.

JUDITH DE SANTIS

CineStar 4:   
 

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Starks and Silence

»Into the Silence«, »Two Worlds«, »Seeing Voices« und eine besondere App

seeing-voicesIm Kino: Der Film beginnt, ich starte die App »Starks«, das Package für den aktuellen Film habe ich mir heruntergeladen. Das ging alles recht schnell und komfortabel. Ich sehe »Mein Leben als Zucchini«, den Eröffnungsfilm. Bei den ersten Worten erscheinen Worte auf dem dunklen Bildschirm. Ich starre auf die App: Was passiert? Dann fällt mir ein: Ach nein, ich bin doch hier, um den Film zu sehen! Ich schaue wieder auf die Leinwand, höre Französisch, dessen ich nur unzureichend mächtig bin, lese die englischen Untertitel und vergleiche dann mit den deutschen Sätzen in der App, ich schaue geradeaus, runter, weiter runter, wieder zurück. Und wie kann ich denn jetzt noch auf die entzückende Animation achten? Tatsächlich ist der Umgang mit der Untertitel-App erstmal sehr verwirrend. Ich merke schnell, dass ich nur bedingt zum Zielpublikum gehöre. Ein weiteres Problem: Wohin mit dem Handy? Auf dem Schoß liegt es zu tief. Geradeaus gehalten versperrt es die Sicht. Rechts, aber nah den Augen, damit ich weiterhin geradeaus schauen kann, wird schnell der Arm müde. So recht konnte ich noch keine Möglichkeit finden. Doch trotz all der Unkenrufe und der vielen Unsicherheiten, die der Umgang mit der App erstmal bietet, so ist es doch ein großartiges Angebot und ein spannender Testlauf beim Dok-Festival. Gerade für die Menschen, die die englischen Untertitel nicht verstehen oder nicht lesen können. Oder eben alle, die den Ton nicht wahrnehmen können und trotzdem am Festival und seiner besonderen Atmosphäre aktiv teilhaben möchten. Weiterlesen

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Gleichgewicht zwischen Pflicht und Vergnügen

Die DOK Spotters haben Leena Pasanen – die Direktorin des DOK Leipzig – getroffen, um mit ihr über ihren vollen Terminplaner und ihre persönliche Beziehung zu Animations- und Dokumentarfilmen zu reden.


Wann stehst du auf und wann gehst du ins Bett während des Festivals?

Naja, die Festivalwoche ist ziemlich speziell: Ich muss sagen, dass ich nicht vor sieben Uhr aufstehe, aber wenn ich dann schlafen gehe ist es meistens gegen zwei Uhr morgens. Mein Kalender sieht absolut schrecklich aus und ich renne eigentlich die ganze Woche von einem Ort zum nächsten.

Wie viele Filme schaust du pro Monat?

Das kommt ganz auf den Monat an. Ich würde sagen, dass es jeden Monat mehrere Filme gibt, auch weil ich auf vielen anderen Festivals, Workshops und Märkten unterwegs bin. Viele dieser Filme sind noch nicht fertig. Wenn es dann Richtung Juni, Juli und August geht, also unsere Auswahlsaison beginnt, dann schaue ich hunderte Filme, sagen wir insgesamt 200-300. Im Vergleich mit den Mitgliedern der Auswahlkommission ist das aber nichts, die schauen durchschnittlich 600-800 Filme. Weiterlesen

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Tipp »Pickle«

Ständig sterben Tiere in diesem Film – und doch ist er der wahrscheinlich witzigste des Festivals. Debbie und Tom haben ein Herz für Tiere und retten daher jede Menge geschundene Kreaturen: Ein Opossum, das nicht laufen kann, bekommt ein Skateboard und für einen Fisch, der nicht schwimmen kann, basteln sie einen Schwamm, der ihn vor dem Runterfallen bewahrt. Angefangen hat die Tierliebe mit einem Massentierhaltungshuhn, das vom Laster gefallen war. Portrait eines hilfsbereiten Ehepaares, das von ihrer Tochter liebevoll gefilmt und dessen inzwischen verstorbene Haustiere charmant animiert wurden. JULIANE STREICH

»Pickle«: USA | 2015 | 15 Minuten | englisch | keine Untertitel | Deutsche Premiere
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Tipp: »Communion«

communionDie Geschwister Ola und Nikodem wohnen mit ihrem Vater in einer ranzigen Wohnung in einem polnischen Dorf. Nikodem ist Autist, der Vater Alkoholiker, die Mutter wohnt bei ihrem neuen Freund. Die 14-jährige Ola hält durch Optimismus, Strenge und den unschlagbaren Willen, die Familie über Wasser zu halten, ihr aller Leben zusammen. Anna Zameckas Debüt lief im August in der Semaine de la Critique des 69. Filmfestivals in Locarno. Leise und trocken poetisch portraitiert sie das Leben zweier Jugendlicher, die in sehr schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Nikodem, der die Geschehnisse immer wieder in seiner sehr eigenen Sichtweise kommentiert, wirkt bisweilen wie der einzige Vernünftige in diesem Szenario, das durchaus shakespeareske Züge trägt.

MAGDALENA KOTZUREK

»Communion«: Regie: Anna Zamecka |Internationaler Wettbewerb | Polen |
2016 | 72 Minuten | polnisch | engl. UT |

CineStar 5: 02.11.2016 / 19:00
Polnisches Institut: 03.11.2016 / 17:30
CineStar 8: 04.11.2016 / 13:00

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Tipp: Fighter

MfighterMA ist ein hartes Gewerbe: Für Mixed Martial Art, das alle möglichen Kampfkünste zum Technikcocktail aus Schlag-, Tritt- und Ringmoves  verbindet, braucht man neben Können eine Menge Ausdauer – und muss einstecken können. Susanne Binninger begleitet drei Käfigkämpfer auf ihrem Weg zum nächsten Sieg – oder zur Niederlage. Spannende Einführung in ein weniger bekanntes Sportphänomen, in den Traum von Anerkennung und Geldregen sowie den lebensbejahenden Rausch des Kampfes.

TOBIAS PRÜWER

»Fighter«: D 2016 | 103 min | englisch, deutsch | englische, deutsche UT | Weltpremiere

CineStar 5: 1.11., 19 Uhr
JSA Regis-Breitingen: 2.11., 17 Uhr
Passage Kinos Universum: 4.11., 13.30 Uhr
CineStar 4: 6.11., 19.45 Uhr 

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Begegnungsstätte am Bahnhof

»Neben den Gleisen« liegt der Treffpunkt im mecklenburgischen Städtchen Boizenburg

neben-den-gleisenIm Frühsommer diesen Jahres ging das kurze Video viral, in dem eine 16-Jährige aus Mecklenburg vermeintlich davon berichtet, dass ein Flüchtling ein Kind gegessen hat, und zwar bei lebendigem Leib. Wer mehr als diesen Ausschnitt kennt, erfährt, dass man nur den Zitaten glauben schenken sollte, die man selber aus dem Kontext gerissen hat. Noch später im Film stellt sich heraus, dass eines der Mädchen im Ausschnitt Arabisch lernt und Kontakte zu Flüchtlingen pflegt.

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Regisseurinnen, Religion und Politik

Bei der deutsch-englischen Eröffnungsveranstaltung wurde gefragt: What’s going on in dieser Welt?

eroeffnungDas Überraschendste an der Eröffnungsveranstaltung war ihre Länge. Nach zwei Stunden war sie schon vorbei. Das lag einerseits daran, dass der Eröffnungsfilm »My Life As A Courgette« nur eine gute Stunde ging, aber auch die drei Rednerinnen nicht ausschweifend wurden, sondern recht präzise zum Punkt kamen. Und der Punkt, oder besser gesagt die Punkte waren bei Festivalintendantin Leena Pasanen, der sächsischen Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange und der Leipziger Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke nahezu die gleichen: Regisseurinnen, Religion und Politik. Weiterlesen

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Spurensuche in den Leerlauf

Geschickt verstrickt und dann beim Mäandern verrannt: »Kokolampy«

kokolampy»Ich kann hier nur die losen Enden zusammenführen«: Gleich zu Beginn des Films spricht Regisseur Hajo Schomerus seine Warnung aus. Man missversteht die Worte leicht als Einladung, sich auf den Film einzulassen. Und findet sich schließlich selbst verloren an losen Enden stehend.

Dabei beginnt die Geschichte wirklich gut und spannend. Schomerus Großonkel Menko war ein Abenteurer, von dem der Filmemacher in seinen Kindertagen fasziniert war. Neben den wilden Storys war es besonders ein Elefantenvogelei, das ihn anzog. Der Onkel ist seit Jahrzehnten tot. Nun fragt Schomerus, was denn aus dem Ei der einst auf Madagaskar lebenden, vor vielen Jahrhunderten ausgestorbenen Riesenvögel geworden ist. Geschickt folgt er der Spur, landet bei einem christlichen Madagaskarmissionswerk, das bald nicht mehr ist, spürt ihm in ethnografischen und naturkundlichen Museen nach. Es keimt ein Verdacht: War der Onkel Edelsteinschmuggler oder gar Biopirat, der Wirkstoffpflanzen von der Insel an die Pharmaindustrie verscherbelt hat? Nun denn, man erfährt es nicht.
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Zugig

Der Eröffnungsabend im Hauptbahnhof

bild-1DOK-Start in der Osthalle. Statt bei schummriger Saalbeleuchtung in gemütlichen Kinosesseln zu versinken, konnte man sich gestern im Hauptbahnhof zwischen Klappstuhl und Steintreppe entscheiden, um den französischen Animationsfilm »My Life as a Courgette« anzuschauen. Die Idee, den Eröffnungsfilm der DOK an einem öffentlichen Ort zu präsentieren, wie es auch schon letztes Jahr der Fall war, ist an sich eine nette Sache. Frei zugänglich, kein Eintritt. Das zog gestern auch viele junge Leute in den Bahnhof.  Weiterlesen

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Herzzerreissend

Der Eröffnungsfilm »Ma vie de Courgette« trifft ins Herz

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In diesem Jahr feiern die Aardman Studios ihr 40jähriges bestehen auf dem 59. DOK Leipzig. Am Freitag wird Mitbegründer David Sproxton in der Schaubühne Lindenfels aus der Geschichte des Animationsstudios erzählen. Vielleicht die größte Leistung, die Nick Park & Co. vollbracht haben ist, den knetanimierten Stop-Motion-Film für ein breites Kinopublikum zu öffnen. Seit ihren ersten »Wallace & Gromit« Abenteuern sorgen sie mit jedem neuen Werk für Begeisterung gleichermaßen bei kleinen und großen Kinozuschauern – die Basis für die Meisterwerke von Tim Burton und Henry Selick (»A Nightmare Before Christmas«) oder den Laika Studios (»Coraline« und aktuell »Kubo, der tapfere Samurai«).

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Grenzen überschreiten

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Ein Streifzug durchs 59. DOK Leipzig mit Programmatorin Grit Lemke

Grit Lemke ist seit 25 Jahren beim DOK Leipzig tätig, seit 2010 Leiterin des Dokumentarfilmprogramms. Kaum einer kennt das Festival so gut wie sie. Wir trafen uns zum Plausch über die Sektionen und Sonderprogramme, das Zusammenwachsen von Dokumentarfilm und Animation, das diesjährige Motto »Ungehorsam« und die Highlights.

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DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

DOK Spotters ziehen los

Auch die DOK Spotters legen los, um vom Festival zu berichten.

Mehr Informationen zu den jungen Reportern gibt es hier.

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»Wau wau!« bellt das Dienstgerät

»Hundesoldaten« stählen sich in Drill und Bällebädern

hundesoldatenWehrwölfe in den schottischen Highlands treiben sich in »Dog Soldiers« um. »Hundesoldaten« zeigt die Bundeswehr beim Gassi-Gehen mit Hunden in süddeutschen Wäldern. Doch es bleibt nicht bei der langen Leine, die Tiere werden abgerichtet, um »Dienstgerät« (O-Ton) zu werden. Und mit ihnen verwachsen die zu Diensthundeführern ausgebildeten Rekruten zu einem seltsamen Kampmaschinenhybriden. Zudem dienen die Hunde als Therapiemedium für Soldaten, die mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus Einsätzen zurückkehrten – für Beziehungen zu Menschen sind sie nicht mehr fähig. Weiterlesen

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Tipp »Hundesoldaten«

Sie werden in Drill und Bällebädern gestählt: »Hundesoldaten« zeigt die Bundeswehr beim Gassi-Gehen mit Hunden. Doch es bleibt nicht bei der langen Leine, die Tiere werden abgerichtet, um »Dienstgerät (O-Ton) zu werden. Und mit ihnen verwachsen die zu Diensthundeführern ausgebildeten Rekruten zu einem seltsamen Kampmaschinenhybriden. Regisseurin Lena Leonhardt schließt eine eigene, ja eigenartige Welt auf. Zwischen Kuscheln und hartem Drill nähern sich Mensch und Tier an. Neben der Genese dieser Zweierbindung und ihren Sinn und Zweck weitet Leonhardt den inhaltlichen Kreis auf eine leise Reflexion über das Thema Hund und Krieg, Instinkt und Ratio aus.

TOBIAS PRÜWER

»Hundesoldaten«: Regie: Lena Leonhardt |Deutscher Wettbewerb | Deutschland | 2016 | 69 Minuten | deutsch | engl. UT | Weltpremiere

CineStar 4: 02.11.2016 / 16:15
Schaubühne Lindenfels: 03.11.2016 / 19:30
CineStar 4: 04.11.2016 / 22:15

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Puppen-Nietzsche macht ne Fliege

Die »Ewige Wiederkunft« des Friedrich N.

ewigewiederkehrEin Kammerspiel: Friedrich Nietzsche taumelt durch eine Puppenstube, steuert dann als Pilot eine Stubenfliege, kommt wieder bei sich selbst an. Schlussendlich heben sich alle Unterschiede auf, beginnt alles von vorn. Ziemlich abgefahren dreht sich der Animationsfilm »Ewige Wiederkunft« (Regie: Jörg Weidner & Anke Späth) sehr frei (schwebend) um Friedrich Nietzsches »Die ewige Wiederkehr des immer Gleichen«.

Ob diese das zentrale Konzept seines Denkens ist, darüber wird gestritten. Er machte es aber zu seiner Lebensmaxime: Es ist die größte Form der Lebensbejahung, das Schicksal anzunehmen und zu begrüßen, dass in der Unendlichkeit von Zeit und Raum die endlichen Kombinationen möglicher Welten zu Wiederholungen führe. Der Animationsfilm nimmt daran lose Anstoß als herrliches Kombinationsspiel. Weiterlesen

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Morpheus in der Matratzenwelt

Unternehmerische Hampelmänner gehen viral: »Mattress Men«

matressmenDie Rezession lässt Mick kaum schlafen. Wie kann er seine Firma Mattress Mick’s halten und weiter irische Matratzen unters irische Volk bringen? Irgendeine Maßnahme zum Guerilla-Marketing muss her, denn Mick braucht öffentliche Aufmerksamkeit, die wenig Geld kostet. Warum nicht einen Music-Clip drehen, in dem Mick selbst den Rapper gibt? Weiterlesen

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»Urlaub von mir selber«

»Ein Aus Weg« animiert den Bericht eines Inhaftierten in fantasievollen Bildern

einausweg»Das ist keine Strafe, ich mache hier Urlaub von mir selber.« Herr K. ist vor dem Gesetz genauso unbeeindruckt wie nach dem Prozess. Alles zu lasch hier, der deutsche Knast schreckt ihn nicht. Dann macht er halt Urlaub von sich und seiner kriminellen Tätigkeit. Diebstähle und Drogendelikte brachten Alex K. ins Gefängnis. Während mehrerer Aufenthalte hinter Gittern gibt K. Notizen aus seinem Leben zu Protokoll. Warum er immer wieder Delikte begeht, beantwortet er damit, dass er eben gut im Klauen sei. Die Differenz zwischen Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit – wenn er so gut wäre, würde er nicht immer wieder vorm Gesetz stehen – stört ihn nicht. Er erzählt von seinen Träumen, seiner Freundin, gibt sich vielerlei Fantasien hin. Weiterlesen

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Cinema Futures

»Von dem, was sich hinter dem magischen Stuhl abspielt, dort wo das Licht herkommt.«

cinemafuturesIm ursprünglichen Sinn ist das Kino ein doppelt unsichtbarer Ort: Einer der sich selbst zum Verschwinden bringt und sein Dasein im Schatten fristet. Zudem ist Kino auch jener Teil der Technologie, der in der Filmvorführung meist verborgen bleibt: die Projektionstechnik, das Gefüge von Mensch und Maschine, das Ineinandergreifen von Projektor und Filmstreifen. Bis vor wenigen Jahren – genauer gesagt: bis 2011 – war dieses Gefüge die unverhandelbare Grundlage, um Film erfahrbar zu machen.

Seitdem gibt es zwar nach wie vor Filmvorführer, sie sind aber in erster Linie Admins und Verwalter von Daten. Denn Bewegtbilder werden seitdem als Festplatten, Sticks und im Standard DCP (Digital Cinema Package) oder anderen digitalen Formaten verbreitet und projiziert. Die analoge Filmkopie wurde im gleichen Zuge überflüssig.

Den Gründen, warum auch dieser Wandel sich im Verborgenen vollzogen hat, welche Konsequenzen und Widerstände er nach sich zog, schildert Michael Palm in seinem wunderbar kommentierten und vielstimmigen Essayfilm »Cinema Futures«. Die digitale Revolution – die für die Filmindustrie mindestens so einschneidend ist wie die Einführung des Tons – erfahren wir gleich zu Anfang, spielte sich dort ab, »where the money is made«, also bei den Big Six (die sechs großen Major Film Studios: Fox, Warner, Disney, Paramount, Columbia und Universal). Diese initiierten das gemeinsame Vorhaben, weltweit einen digitalen Standard einzuführen und konnten – ökonomisch gesprochen – hierbei den notwendigen Marktdruck entwickeln: wer mitmacht, kann bald 3D-Filme in seinem Kino zeigen, wer nicht mitmacht, kann bald gar keine Filme mehr zeigen. Weiterlesen

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Animiert, manchmal bewegend

Streiflichter aus der Rubrik Neue Deutsche Animation

themanwhofellupAuf Neue Deutsche Welle folgte Neue Deutsche Härte, nun also Neue Deutsche Animation. Den Trickfilm hat sich DOK Leipzig ja ab diesem Jahr besonders groß auf die Fahnen geschrieben (Link Interview), ein bisschen nach Förderung und Schulterklopfen an die heimischen Animationsfilmer wirkt das Einrichten der Sonderrubrik. Dabei können sich die meisten Filme durchaus sehen lassen, als oft originäre und eigenständige Auseinandersetzungen mit dem Genre. Auffällig dabei ist, dass die meisten sich eher im künstlerischen Bereich bewegen, der Einsatz als Doku-Illustration ist randständig. Besonders gelungen in dieser Hinsicht ist »Ein Aus Weg« (R: Simon Steinhorst & Hannah Stragholz), weil hier im Mix aus künstlerischer Experimentierlust und Dokumentation ein sehenswerter Animationsfilm entstanden ist. Darum soll er im Blog eine eigene Besprechung bekommen. Persönliches Highlight ist das verspielte Essay über Nietzsches Missverständnis der »Ewigen Wiederkunft« (R: Jörg Weidner & Anke Späth), das auch eigene Betrachtung im Blog bekommen wird. Weiterlesen

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Treuenbrietzen, deutsch-italienisch

»Im Märkischen Sand« erzählt von der Ermordung italienischer Zwangsarbeiter und einem Historikerstreit en miniature

antonio-ceseri»Komm mal nach Treuenbrietzen, wir müssen das filmen«, lautete sinngemäß die Aufforderung an Matthias Neumann, Kameramann und Filmemacher. Das war im letzten Jahrzehnt. Dort, in Brandenburg, hat Neumann dann Antonio Ceseri kennengelernt, den letzten Überlebenden des Massakers vom 23. April 1945: Deutsche Soldaten erschießen 127 italienische Militärinternierte, Zwangsarbeiter in einem Munitionsbetrieb in Treuenbrietzen, in einer Sandgrube, nur vier überleben.

Ceseri ist der letzte Zeitzeuge. Wenige Jahre bevor Neumann begann, sich dafür zu interessieren, fing auch Treuenbrietzen an, sich mit den Ereignissen auseinanderzusetzen. Angestoßen hatten das zwei Berliner Lehrer, die mit der Liste der damaligen Opfer vor Ort am Thema rührten. Mit der Zeit entwickelte sich eine alljährliche Zeremonie samt italienischen Gästen und Autokorso, und eine Städtepartnerschaft mit dem italienischen Chiaravalle entstand, dem Heimatort eines weiteren Überlebenden. Weiterlesen

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»Das Medium Film auf den Seziertisch packen«

Das DOK Leipzig hat einen neuen Kopf fürs Animierte: André Eckardt

aeckardtAndré Eckardt ist der neue Leiter der Animation beim DOK Leipzig. Als Leiter des Deutschen Instituts für Animationsfilm bringt der Dresdner gute Voraussetzungen mit. Der kreuzer sprach mit ihm über die Situation und die Chancen des Animationsfilms.

kreuzer: In Deutschland führt der Animationsfilm ein Nischendasein …

ANDRÉ ECKARDT: Das stimmt. Ich finde es trotzdem spannend, was hierzulande in der Animation passiert, besonders im experimentellen Bereich. Hier gibt es sehr viele, die sich nicht darum scheren, ob sie jetzt nun einen Animationsfilm machen oder etwas Artverwandtes. Außerdem gibt es einige ganz tolle Agenturen in Deutschland, die sich auf Motion Design konzentrieren, einerseits für hochkommerzielle Aufträge arbeiten, andererseits freie Projekte pflegen. Weiterlesen

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Freischwimmen

Die Leipziger Dokumentarfilmerin Susanne Kim zeigt in »Trockenschwimmen« Menschen, die ihre Ängste überwinden

trockenschwimmenKarin kann schwimmen. Sie hat es nicht verlernt. Aber die Angst übermannt sie jedes Mal, wenn sie einen Fuß ins Wasser setzt. Seit sie bei einem Badeurlaub 1995 in Portugal in der plötzlich hereinbrechenden Flut beinahe ertrunken wäre, ist sie traumatisiert. Selbst zwanzig Jahre später beginnt sie am ganzen Körper zu zittern, wenn sie sich daran erinnert.

»Trockenschwimmen, das wärs.« Weiterlesen

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Der Animationsfilm läuft Amok

decasiaSo richtig ungehorsam wirds beim Animationsfilmfestival im Dok: Comiczeichner brechen Tabus und bringen unterdrückte Fantasien an die Oberfläche. Der Digital-Glitch nutzt Bildfehler, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen, und eine Arbeit des Künstlers Bill Morrison zeigt, wie Filmmaterial in chemischen Prozessen zersetzt wird und dadurch ganz neue Ansichten erscheinen. Weiterlesen

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Über die Stränge schlagen

Das 59. Dok Leipzig gibt sich ungehorsam

Die Dokumentarfilme tragen den Protest von der Straße auf die Leinwand

Film sollte unbequem sein, polarisieren, Partei ergreifen und leidenschaftlich kämpfen. Besonders der Dokumentarfilm. »Disobedient Images« nennt es das Internationale Dokumentar- und Animationsfilmfestival, kurz: Dok, und hat sich diese Schlagworte für die 59. Auflage auf seine Fahne geschrieben. Das Motto zieht sich durch alle Rubriken. Sonderprogramme setzen sich mit den Strategien auseinander, die Filmemacher in einem restriktiven Umfeld entwickeln. Die Retrospektive widmet sich dem Filmland Polen, das sich immer wieder auch formal widersetzte und auch beim Dok Leipzig für Kontroversen sorgte. Weiterlesen

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