DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Ein Königreich für 115 Lamas

Short Documentary-Auswahl über Heimatgefühle und Grenzziehung

The Green and Pleasant Land

Anhand von Online-Kommentaren erforscht Max Colson via digitaler Karte das Heimatgefühl seiner Landsleute. Mit Schäfchen auf Hügeln, Telefonzellen, Familien, grünen Wiesen und anderen Texturen, die zur Grundausstattung eines Amateur-Animationsprogramms gehören, erschafft er ein trügerisches Bild, das mit der Realität recht wenig zu tun hat. Max Colson verzichtet komplett auf fremdenfeindliche Kommentare, trotzdem schwingt im Stolz der Briten auf ihr Land auch immer die Abwehr des Fremden mit und so ist »The Green and Pleasant Land« auch ein eindrücklicher Beitrag zum Rechtsruck in Europa.

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Darüber reden

»In Search« von Beryl Magoko

Am verheerendsten sind das Schweigen und die Scham. Im Verbund mit Traditionen haben sie für Jahrhunderte dafür gesorgt, dass Frauen beschnitten wurden. Beryl Magoko ist eine dieser Frauen. Als kleines Mädchen wurde ihr ein Teil ihrer Klitoris entfernt. Als junge Frau setzt sie sich damit auseinander. Und dokumentiert diese Auseinandersetzung mit der Kamera. Das Ergebnis ist »In Search«. Weiterlesen

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Tausend schöne Momente

»Immer und ewig« von Fanny Bräuning

In der Schweiz lernen sie sich kennen. Sie, Kind einer strengen Schweizer Familie, er ein Seemann. Beide studieren an der Kunsthochschule. Er fotografiert, sie malt. Sie heiraten, bekommen zwei Kinder. Die Bilder zeugen von einer aufregenden, stürmischen Beziehung. Aufregend, das zeigt die Dokumentation, die Fanny Bräuning über das Leben ihrer Eltern drehte, bleibt die Beziehung auch später. Doch sie verändert sich auch stark. Denn Fannys Mutter hat Multiple Sklerose. Das heißt ihr Körper baut in Phasen immer mehr ab. Weiterlesen

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Nach dem Krieg

Die DOK Spotters über »Stress« von Florian Baron

Wenn von Krieg die Rede ist, erzeugt das Bilder in unseren Köpfen. Bilder von Terror, Blut, Chaos und Tod. Stress, der Dokumentarfilm von Florian Baron, handelt zwar von Krieg – kriegstypische Bilder bleiben jedoch aus.

Stattdessen gleitet die Kamera während der Horrorerzählungen von Veteranen bedächtig über die statische Großstadtarchitektur von Pittsburgh. Vogelperspektiven und Zeitlupen kreieren ein surreales Setting, die Zeit scheint still zu stehen. Genau wie in den Geschichten der Protagonisten, wenn sie aus dem Off über ihre Zeit in Afghanistan berichten. Weiterlesen

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Der Krieg hört nicht auf

»Diorama« und »No obvious Signs«: Zwei persönliche Berichte aus der Ukraine

Als »Diorama« werden Schaukästen bezeichnet, in denen Modellfiguren vor bemalten Hintergründen stehen. Wer vor einem Diorama stehen muss, um sich den Ort seiner Kindheit anzusehen, dessen Welt muss sich stark verändert haben. Zoya Laktionova ist in Mariupol aufgewachsen. Vor dem Krieg verbrachte sie viel Zeit an dem Strand, den sie sich in der letzten Szene im Museum anschaut. Davor ist er der Protagonist ihres Kurzfilms. Wellen, die im Dunst langsam an den Sand schwappen. In der Ferne Schiffe, die geisterhaft vorübergleiten. Einmal eine struppige Katze, dann ein Hund, der in die Kamera hochblickt, als wollte er fragen was das alles soll. Weiterlesen

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Demokratieversagen

»I Had a Dream« erzählt vom Auseinanderbrechen der italienischen Gesellschaft

Manchmal wird etwas erst möglich durch das Scheitern von etwas anderem. »I Had a Dream« ist so ein Fall. Ursprünglich sollte er die Reaktion zweier italienischer Politikerinnen auf die Wahlniederlage Silvio Berlusconis erzählen. Doch dann gewann Berlusconi 2008 die Wahlen, das Projekt zerplatzte und die Regisseurin Claudia Tosi musste sich etwas Neues überlegen.
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Zeitenwende

Arūnas Matelis schaut in »Ten Minutes before the Flight of Icarus« auf einen kaputten Stadtteil von Vilnius, in dem die neue Zeit schon in der Luft liegt

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21520&title=Ten+Minutes+Before+the+Flight+of+IcarusDie Veränderungen scheinen nicht von jetzt auf gleich über Užupis zu kommen, ein Stadtteil am Rande der Altstadt von Vilnius. Vor der Unabhängigkeit Litauens galt das Viertel als das am stärksten vernachlässigte in der Stadt. Die Kamera fährt denn auch über runtergekommene Fassaden, krummes, rundgelaufenes Pflaster, Menschen, die mit Eimern Wasser holen oder wegbringen.

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Eine gestörte Nation

Lutz Dammbecks Filmessay »Overgames«

Deutschland als Versuchslabor? Die Umerziehung eines ganzen Volkes? Gefügigkeit durch Gameshows? Das Fass, welches Lutz Dammbeck in seinem Mammutwerk »Overgames« öffnet, gereicht wahrhaft zu einem Fest für Verschwörungstheoretiker. Aber der Filmemacher sucht Antworten, nicht Thesen. Akribisch sammelte er über Jahre hinweg Fakten und die Kamera begleitete ihn dabei. Herausgekommen ist eine 164-minütige Reise durch die Weltgeschichte und die Psychologie. Vom Geist der Aufklärung über das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus‘ bis hin zu den Gameshows der Gegenwart. Ein Kraftakt auch für den Zuschauer, aber ebenso ein einzigartiger Trip durch die Psyche des Menschen.
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Die Magie einer guten Geschichte

Dok-Animation Night Extended präsentiert die Arbeit des Cartoon Saloon

Jedes Jahr wenn der irische Cartoon Saloon bei den Oscars in der Kategorie für den besten Animationsfilm mitmischt, gibt es ein kleines bisschen Hoffnung, dass die Übermacht der Disney-Pixar-Heile-Welt-Gewinnerfilme mal gebrochen werden könnte. Nur einmal bitte – die gewinnen die ja nicht zu Unrecht -, wirklich nur ganz kurz für einen Film, der anders aussieht, sich anders anfühlt. Und jedes Jahr ist da wieder die Enttäuschung, dass sich die Academy nicht auf Experimente einlassen mag. »Secret of Kells« wurde von »Oben« geschlagen, »Song of the Sea« von »Baymax«, in diesem Jahr konnte »The Breadwinner« sich leider nicht gegen »Coco« durchsetzen. Dabei überzeugen die Filme des Cartoon Saloons durch bezaubernd schöne Bilder voller Muster, Oranmente und Farben. Sie erzählen von Mythen, Märchen und Tradition und von der Kraft, die eine gut erzählte Geschichte geben kann. Gerade im aktuellen Werk »The Breadwinner«  ist das nötiger denn je: Wir sehen die junge Parvana, die in Kabul aufwächst, das von den Taliban kontrolliert wird. Als ihr Vater ins Gefägnis geworfen wird, ist es Parvana, ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester nicht erlaubt, ohne männliche Begleitung überhaupt auf die Straße zu gehen. Wie also Essen kaufen? Wie Geld verdienen? Und so verkleidet sich Parvana als Junge, um die Familie durchzubringen. Sie muss schwer arbeiten, viel Spott ertragen, und irgendwie muss sie ja noch ihren Vater aus dem Gefängnis befreien. Mut schöpft sie aus einer Geschichte, die von dem ungleichen Kampf eines einsamen Jungen gegen den großen Elefantenkönig erzählt. Rot und Gelb sind die dominierenden Farben, inmitten derer uns Parvanas Augen in strahlendem Grün ein wenig Hoffnung schenken. Auch, dass es vielleicht ganz bald endlich was wird mit dem Oscar! Weiterlesen

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Platz finden

Šarūnas Bartas holt auch Außenseiter auf die Straßen des winterlichen Vilnius

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21521&title=In+Memory+of+a+Day+Gone+ByEs sind die alltäglichen Dinge, die nicht der Rede wert scheinen, an denen sich Wandel erkennen lässt. Deshalb gibt es den Tag wie jeden anderen nicht; die Dinge, Menschen, Gewohnheiten und Bewegungsmuster ordnen sich ständig neu. Da gehen zum Beispiel Mütterchen mit Kopftuch, die sich auf der Straße bekreuzigen, zur Kirche. Junge Typen stehen mit Zigarette herum, ein anderer mit Bart und langen Haaren hat eine Marionette dabei. Die Marionette tanzt über eine schön gepflasterte Straße mit hübschen Fassaden, während Leute ihren Müll auf dafür abgestellten Wagen entsorgen.

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Exzellenz-Initiative

Sie kommen in Frieden: »All Creatures Welcome« setzt den Chaos Computer Club in Szene

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=20507&title=All+Creatures+Welcome»Wenn Hamburg zu klein wird, dann ziehen wir eben nach Leipzig.« Diesem Motto folgte der Chaos Computer Club (CCC) vergangenen Dezember und verlegte seinen Chaos Communication Congress auf Leipziger Messegelände. Wer es nicht auf den Kongress geschafft hat, dem zeigt nun eine vergnügliche Doku, was es mit den Hacker-Space-Invaders auf sich hat.

»All Creatures Welcome« besucht mehrere Zusammenkünfte des CCC und seiner Gleichgesinnten. Ganz unpathetisch muss man schon sagen: Ihnen kommt die Rolle einer Bürgerrechtsbewegung zu, wenn sie auf Gefahren von Digitalisierung hinweisen, Überwachung kritisieren, Verschlüsselungsmaßnahmen anempfehlen oder die Welt einfach ein Stückchen besser machen wollen. Regisseurin Sandra Trostel hat genau hingeschaut und -gehört und eine wunderbar leichte Übersetzung für das nicht ganz unkomplizierte Thema gefunden. (»Komplex ist die neue Norm«, raunt Sascha Lobo an einer Stelle aus dem Off.)

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Dichterbriefe reloaded

»Die Geträumten« von Ruth Beckermann
https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21199&title=Die+Getr%C3%A4umtenIn »Die Geträumten« lässt Ruth Beckermann, diesjähriger Ehrengast der DOK, zwei junge Menschen, Briefe von Paul Celan und Ingeborg Bachmann lesen.
Es gibt einen Satz von Westernregisseur John Ford, der auf die Frage, was denn im Falle eines Regengusses gedreht wird, geantwortet haben soll, »Die spannendste Landschaft, die ich kenne. Das menschliche Gesicht«. Das nimmt auch in Beckermanns Dokumentation großen Raum ein. Präziser, die Gesichter ihrer beiden Protagonisten. Die eine, Anja Plaschg, ist eine bekannte Musikerin. Der andere, Laurence Rupp, erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler. »Die Geträumten« führt sie im Tonstudio zusammen, wo sie Briefe von Paul Celan und Ingeborg Bachmann einlesen.

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Rechtsoffen für Menschlichkeit und Fairness

Unkritisch feiert »Lord of the Toys« Dresdner Youtube-Prahlhanse ab, die mit ein »bisschen Hitler« kein Problem haben

Dresden trollt die Dok: Schon wieder lässt ein unkritischer Dresdendokumentarfilm auf dem Festival Menschen ungefiltert zu Wort kommen, die wenig Probleme mit rechten Positionen haben. Um es mal harmlos auszudrücken. Ganz so drastisch wie das Draufhalten auf Pegida in »Montags in Dresden« im vergangenen Jahr ist »Lord of the Toys« nicht. Er verweigert aber jeden Kontext und Hintergründe seiner Protagonisten. Womit er ihr Tun – je nach Lesart – verharmlost oder ihnen eine exklusive Bühne zur reinwaschenden Promotion bietet. Weiterlesen

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I want to become a star in a Tarkovsky movie

»The Sleeping Land« von José Bautista, Alfons Rodríguez

Mehrere tausend Kilometer von Moskau entfernt liegt Wladiwostok – die russische Hafenstadt am Pazifik mit der größten Bevölkerungszahl und dem höchsten wirtschaftlichen Impact. Dazwischen liegen nicht nur sieben Zeitzonen, sondern auch diverse fast unbewohnte Landschaften und Vegetationen – Sibirien, Steppe und Baikalgebirge – sowie dicht besiedelte, nicht vollkommen triste Lebensräume, aber solche, an denen Sinn schwer gestiftet wird.
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Verloren

»Chris the Swiss«, eine spannend erzählte, visuell beeindruckende Spurensuche, die mit Leipziger Hilfe entstand

Die Leinwand erwacht in grau-schwarzen Strichen. Ein kleines Mädchen kämpft sich durch das Dickicht eines Maisfelds. Am Ende erkennt sie eine großgewachsene Gestalt, die sorglos rauchend neben dem Feld steht. Doch dann erscheinen bedrohliche Gestalten, flüchtige Schemen zusammengesetzt aus Schwärmen hunderter, rabenähnlicher Fragmente, die den jungen Mann über die weite Ebene jagen. »Als ich klein war, erzählte mir meine Mutter von einem seltsamen Land mit Ebenen so weit wie das Meer – und dass dort manchmal Menschen verloren gehen.«

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»Dokumentieren/Demonstrieren«

Eine Hommage bietet einen Querschnitt durch das politische Kino Ruth Beckermanns

Unter dem Titel »Dokumentieren/Demonstrieren« versammelt das Dubnov-Institut in Zusammenarbeit mit DOK Leipzig fünf der insgesamt elf vorwiegend dokumentarischen Langfilme sowie zwei kurze Vorfilme, die die in Wien lebende Ruth Beckermann seit Ende der 1970er Jahre gedreht hat. Als Mitbegründerin des Verleihs »Filmladen« und der Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm zählt sie auch abseits ihres Filmschaffens im engeren Sinne zu den zentralen Protagonistinnen der unabhängigen Szene Österreichs. Zu ihren Sujets gehören u.a. das jüdische Leben und die jüdische Diaspora, die gegen Widerstände durchgeführte Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der NS-Zeit sowie politische und soziale Lagen, aber auch persönliche Porträts. So etwa Die Geträumten (2016) – Beckermanns erster und bislang einziger Spielfilm, in dem sie die fragile Liebe zwischen dem Lyriker Paul Celan und der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann inszeniert und zwar an Hand der Briefe , die die beiden einander über fast zwei Jahrzehnte hinweg geschrieben haben.

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Intimitätssimulation

Der Berlinale-Gewinner »Touch me not« in der Spätlese

Die bürgerliche Presse hat den Berlinale-Gewinner auf Grund expliziter Darstellung von Sexualität als »obszön« gelabelt. Bei denjenigen, die für identitätspolitische Forderungen nach gleicher Anerkennung und Sichtbarkeit von randständigen Sexualitäten offen sind, dürfte der Streifen allerdings keine Aufregung hervorrufen. In einer nur auf den ersten Blick experimentellen Erzählanordnung zeigt »Touch Me Not« drei Protagonisten in Situationen, in denen sie körperliche oder seelische Intimität erfahren. Weiterlesen

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Über das Erhabene

Kunst- und Sakralbau erfahren in »Architektur der Unendlichkeit« eine faszinierende Zusammenführung

Ein Film, über den man nicht viele Worte verlieren sollte – sondern den man schauen muss. Jedenfalls wenn man sich für Architektur interessiert und dem Begriff der Erhabenheit nachgehen möchte. Die reicht ja weit über das rein ästhetisch Schöne hinaus. Sie löst Gefühle von Ergriffenheit und Unendlichkeit – als deren Teil man sich begreift – aus und bewegt das Gemüt, um den Philosophen Immanuel Kant zu paraphrasieren. In »Architektur der Unendlichkeit« kommen keine Philosophen zu Wort. Es sind Architekten und Künstler, die über das in Bauten gegossene Ewige sinnieren: in Kirchen und Museumsgebäuden. Weiterlesen

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So einsam die Nacht

»Nightwanderers« – Schöne Bilder und erschütternde Geschichten

Da ist dieses Bild gleich zu Beginn. Der Blick durch das Fenster eines Wohnwagens, hinaus auf eine nächtliche Tankstellenlandschaft. Verschwommene Lichter, die durch das Plastik der Scheibe gebrochen werden. Benjamin Rost erkundet in »Nightwanderers« auf der Autobahn das nächtliche (Süd-)deutschland.

Er hat seine, etwas mehr als einer Stunde dauernde Dokumentation recht klassisch angelegt. Nächtliche Impressionen wie die aus dem Wohnwagenfenster, oder einer hellerleuchteten Baustelle, wechseln sich ab mit Geschichten von den Menschen, die diese Nächte bevölkern. Vornehmlich an den Schnellstraßen der Republik. So wie die Frau, die ein Pornokino betreibt und spät in der Nacht durch die einzelnen Räume geht, in denen es von jedem Bildschirm stöhnt und sich unscharf Körper bewegen. Bis ein Bildschirm nach dem anderen abgeschaltet wird. Draußen steckt sich die Frau dann eine Zigarette an. Sie möchte nichts sagen.

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Die Bilder und das Licht

»Living the Light« – Leben und Werk des niederländischen Kameramanns Robby Müller

Mithilfe von Archivmaterial und den Stimmen Verwandter und Freunde nähert sich die Regisseurin Claire Pijman dem in diesem Jahr verstorbenen Niederländer.

Das Licht. Es stand im Mittelpunkt für Robby Müller. Und vielleicht passt das, denn immerhin ist der Mann Niederländer und damit Teil eines Landes, dessen Kunsttradition stark vom Umgang mit dem Licht geprägt ist. Man braucht sich nur die alten holländischen Meister ansehen und welche Rolle das Licht in ihren Werken spielt. Oder man sieht sich gleich die Filme an, die Robby Müller gemacht hat und die in Ausschnitten auch in dieser Dokumentation auftauchen.

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Auf den Nerv

»#Female Pleasure« zeigt Ursprünge globaler Frauenverachtung

»Feminismus nervt«, meinte einmal hellsichtig die Slamerin und Autorin Sarah Bosetti – das müsse er aber auch, solange Gleichberechtigung unter den Geschlechtern nicht hergestellt sei. Solange patriarchale Strukturen herrschen, bleibt er notwendig – da kann man(n) nach #meetoo etc. auch noch so genervt die Augen rollen. Dass das patriarchale Korsett nicht nur mit Frauen etwas macht, wird übrigens von solch Genervten auch gern übersehen. Weiterlesen

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Esquire von Matthew Buchanan