DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Lebensfreude in Pixilation

Als ihre Mutter an Brustkrebs erkrankt, macht Maja Arnekleiv Fotos von ihr. Aus diesen entsteht der Film »Mum’s Hair«.

mumshairKrebs ist ein Arschloch. Wer daran erkrankt, hat mit existentieller Bedrohung und körperlichem Verfall zu tun. Angst greift auch bei den Angehörigen um sich, die außerdem verunsichert sind, was den richtigen Umgang angeht – mit dem Kranken und miteinander. Trost und Kraft spenden wären gut, Trost und Kraft kann man aber eigentlich auch selber ganz gut gebrauchen. Als reichte das alles nicht, kommt noch die Strapaze der Chemotherapie hinzu, die als zynische Krönung des drastischen Memento moris Haarausfall im Gepäck hat. Die Tochter der norwegischen Trickfilmerin und Regisseurin Anita Killi hat sich für eine offensive Variante entschieden, als ihre Mutter Brustkrebs hatte, und gleich noch ihre jüngeren Geschwister integriert: Über zwei Jahre hinweg machte sie Portraitfotos von ihrer Mutter und damit logischerweise auch von deren Haaren. In der Zusammenschau der Einzelbilder als Stop Motion lässt sich beobachten, wie es erst noch möglich ist, dass die Geschwister ihrer Mutter Zöpfe flechten, während Frisieren irgendwann kein Thema mehr ist. Der Spaß kommt glücklicherweise als Löckchen zurück, die mit dem Glätteisen bearbeitet werden. Und es ist wohl auch Teil der Botschaft dieses starken animierten Streifens, dass bei aller Beklemmung ruhig mal ein bisschen Freude aufkommen darf.

FRANZISKA REIF

»Mum’s Hair«: Norwegen | 2017 | Internationaler Wettbewerb Animadok | R: Maja Arnekleiv | 6 Minuten | ohne Dialog | ohne Dialog/Untertitel

Passage Kinos Astoria: 03.11.2017 / 19:30

Hauptbahnhof Osthalle: 04.11.2017 / 19:30

https://films2017.dok-leipzig.de/de/film/?ID=17890&title=Mum%e2%80%99s+Hair

Kommentarmöglichkeit ist beendet.

Basiert auf dem WordPress-Theme
Esquire von Matthew Buchanan