DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Pegida-Quatsch mit Michel

»Montags in Dresden« hält einfach drauf, wenn rechte Talking-Heads wüten

imontagsindresden»Jeden Montag versammeln sie sich auf den schönsten Plätzen der Stadt.« »Woher kommt diese Wut und kann sie in dieser Form überhaupt die Richtigen treffen?« »Dresden gedenkt jedes Jahr der totalen Zerstörung.« Schon nach den ersten Minuten des Films wird klar, dass daraus nichts zu lernen sein wird. Mit »Montags in Dresden« will Sabine Michel nach eigener Aussage mit unverstelltem Blick die Pegida-Demonstrationen in ihrer Geburtsstadt betrachten. Herausgekommen ist ein naives Filmchen, dass ein Sammelsurium aus rechten Weltbildern, gekränkten Egos und Wahnwichtelergüssen vereint.

Nachdem sich nun über fast drei Jahre alle Medien und journalistischen Genres in allen qualitativen Abstufungen an Pegida und AfD – das, was mal als »besorgte Bürger« und »Asylkritiker«, dann »Rechtspopulisten« und »Rechtsradikale« benannt wurde und wird – abgearbeitet haben, fällt Michel nichts anderes ein, als die Kamera draufzuhalten. Nicht irgendjemand hat sie sich ausgesucht als Protagonisten. Mit René Jahn ist einer der Pegida-Gründer dabei, der zwischenzeitlich ausstieg, aber dann wieder mitzulaufen begann bei den montäglichen Demonstrationen. Dann zählt Sabine Ban dazu, die neben der Pegida-Teilnahme und bei der einschlägigen Gruppe Keine Drogen in Dresden unter anderem als Sprecherin bei einer der Wellenlänge-Ableger auftrat. Das sind sich als Bürgerbewegungen tarnende rechte bis radikal rechte Personengruppen. Eine solche ist auch Pro Patria Pirna, im Film bezeichnet als »eine Art politischer Heimatverein, der verstärkt rechtskonservative und christliche Themen in den öffentlichen Raum tragen und sichtbar machen will.« Dessen Gründer wird nur als Daniel vorgestellt, weil er Angst vor Repression habe. Dahinter verbirgt sich der Unternehmer Daniel Heimann, der mittlerweile öffentlich auftritt und von dem es gemeinsame Fotos mit Götz Kubischek gibt, der sich als Vordenker der neuen Rechten (»Nouvelle Droite«) inszeniert. Der darf dann auch bei Michel durchs Bild hüpfen, ein paar Bröckchen seiner Reden werden mit auf den Film gebannt – er halbwegs klar politisch eingeordnet.

Ansonsten erfährt man nichts Neues über die Bewegung. Da wird von Frust gesprochen und dass aufs »Volk« nicht mehr gehört wird – ohne zu sagen, was das sein soll. Der typische Brei eben, den man nicht mehr hören kann und bei dem es auch nicht hilft, sich noch mehr davon reinzuziehen. Man sollte nach drei Jahren – die Besorgten-Frühwelle der Montagsdemonstrationen von 2013 inkludiert, dann vier – langsam verstanden haben, dass bei solchen Hardcore-Verbohrten Argumente nicht ziehen. Verständnis erst recht nicht. Die Regisseurin sagt doch über René Jahn allen Ernstes: »Seit einer gescheiterten wirtschaftlichen Unternehmung in en frühen 90er-Jahren dürfen seine monatlichen Einnahmen einen bestimmten Betrag nicht übersteigen.« Will heißen, er hat eine Insolvenz hingelegt und will nicht mehr verdienen, damit die Gläubiger nichts abbekommen. Das wird sprachlich hübsch kaschiert, seine Falschaussage, bei Legida hätten anfangs in Leipzig 10.000 Menschen demonstriert, lässt sie Michel ihm auch ohne Korrektur durchgehen.

Die einzige erhellende Szene zeigt einen Jahn, der noch an einem Sprühreiniger in der Badewanne scheitert und klagt: »Die Industrie verarscht uns schon wieder.« Doch diesen einen Lacher wiegen die 80 Minuten Opfer-Jammern nicht auf. Zumal die Regisseurin immer wieder mal selbst Schlagseite zeigt, etwa wenn sie von »der totalen Zerstörung« Dresdens 1945 spricht. Oder zum Schluss des Films meint, sie kenne das Gefühl der »Fremdheit im eigenen Land« und sei ihren Protagonisten dabei »seltsam« nahe, auch wenn sie deren politische Meinung nicht teile.

TOBIAS PRÜWER

»Montags in Dresden«: Deutschland 2017 | 83 Minuten | Internationales Programm | R: Sabine Michel | deutsch

CineStar 6: 01.11.2017 / 17:00 / 8,00 EUR / #333
Hauptbahnhof Osthalle: 02.11.2017 / 19:30 / 0,00 EUR / #999

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=18768&title=Montags+in+Dresden

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