DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Rechte reden lassen

Pegida läuft beim Dok auf, will Sitze blockieren und hofft auf Publikumspreis

ddÜber die Doku »Montags in Dresden«, die unkommentiert drei Pegida-Fritzen ihren Unsinn verbreiten lässt, wurde im Blog schon alles gesagt. Immerhin hat der Auftritt auf dem Dok nun doch noch einen positiven Effekt: Pegida will die Veranstaltung für sich vereinnahmen und damit wird vielleicht auch der Schlichteste erkennen, woran man bei denen ist.

Die drei im Film porträtierten Talking Heads feiern die Doku schon einmal hart – und sich selbst. René Jahn nennt ihn in einem Facebook-Eintrag »die erste realistische Außendarstellung der sogenannten › Dresdner Verhältnisse ‹.« [Rechtschreibung im Original.] Und weiter: »Am Ende sind wir ganz normalen Bürger die authentischsten!« Sabine Ban, ebenfalls Protagonistin im Film, sekundiert: »Genau darum geht’s. Wir sind ganz normale Bürger. Jeder mit seinem Alltag und seinen Problemchen, wie eben alle anderen Bürger auch.« Einen Unterschied zwischen Porträtierten und Porträt kennen sie nicht: »Wir sind sogar für zwei Preise nominiert!«, freut sich Jahn. Die Fans applaudieren.

Überhaupt erwecken sie den Eindruck, dass der Film irgendwie von ihnen ist, aus der Pegida-Bewegung heraus entstand. Die Seite »Keine Drogen in Dresden« – Ban und Jahn sind auch hier aktiv – begründet gar den Ausfall einer Aktion in dieser Woche mit dem Film: »Wie die meisten von euch wissen, sind die meisten von uns auch anderweitig politisch aktiv. Eine dieser Aktivitäten ist nun, nach ca. 1,5 Jahren Arbeit, abgeschlossen und wird diese Woche in Leipzig zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.« Jan gib den Kulturmanager: »Es ist auch eine Premiere in Dresden angedacht. Geplant ist erst einmal nur Kinos und später dann auch Fernsehen. Wir warten erst mal die zwei Tage Leipzig ab und werden sehen was passiert.« Auch wenn die Dokumentation naiv ist, möchte man der Regisseurin Sabine Michel eine Nähe zu den Akteuren nicht unterstellen.

dd1Jahn und Ban rufen dazu auf, die öffentliche Ausstrahlung des Films am Donnerstag in der Osthalle des Hauptbahnhofs zu besuchen. Sie spekulieren auf den Publikumspreis – dass das Festival ausgerechnet diesen Film nominiert hat, wäre einen eigenen Kommentar wert – und bitten daher um zahlreiche Beteiligung der Mitstreiter, die das ermöglichen sollen. So soll es Fahrgemeinschaften aus Dresden geben, die üblichen Verdächtigen aus Leipzig werden sicherlich auch erscheinen. Man will mindestens eine halbe Stunde vor Filmbeginn eintreffen und Sitze für andere »blockieren« (O-Ton Jahn). (Der Eintritt ist frei, weshalb frühes Erscheinen Plätze sichert.) Einmal mehr zeigt Pegida seine seltsame Art von Demokratie- und Meinungsfreiheitsverständnis. Dieses können nun Dok-Besucher, Film- und Medienschaffende am Donnerstag hautnah und persönlich erleben.

TOBIAS PRÜWER

»Montags in Dresden«, 2.11., 19.30 Uhr, Hauptbahnhof Osthalle

UPDATE: In einer ersten Version des Texten haben wir geschrieben, dass die Stiftung Friedliche Revolution den Film nominiert hat. Die Nominierung kam vom Festival selbst. Wir haben den Fehler korrigiert.

Ein Gedanke zu “Rechte reden lassen

  1. DAS ist nicht wahr. PEGIDA Anhänger waren gestern bei der Weltpremiere.
    Diese Dokumentation ist Klasse!! im Sinne PEGIDAS und Ihr werdet Euch wundern, heute Abend auf den billugen Plätzen in der Osthalle.
    Ihr seid einfach nur lächerlich.

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