DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Tipp: Lebensfrohes Sterben

»Transfatty lives« zeigt auf tragisch komische Weise den Verlauf der tödlichen Nervenkrankheit ALS

transfattyDas Internet liebt Patrick O’Brien. Der 30-jährige Punk studiert Film in New York und legt nebenbei als DJ Transfatty auf Partys auf. Mit seinen verrückten Späßen Freunde und Familie zum Lachen. Erst beginnen seine Füße zu zittern, schon ein Jahr später kann er nur noch einen Mittelfinger bewegen. Patrick leidet an amyotropher Lateralsklerose (ALS), der Krankheit, die Physiknobelpreisträger Steven Hawking an den Rollstuhl fesselt und die vergangenes Jahr einige Aufmerksamkeit erfuhr, als sich jede Menge Leute im Internet Eiswasserkübel über die Köpfe lehrten. Nervenbahnen bilden sich zurück, die Erkrankten verlieren nach und nach ihre Bewegungsfähigkeit, während sie zugleich im Gehirn vollkommen wach bleiben.

Eigentlich will Patrick eine Dokumentation über das Restaurant seines Vaters drehen, als ihm klar wird, dass dies sein letzter Film ist. Also dreht er die Kamera auf sich selbst und dokumentiert fortan seinen eigenen körperlichen Verfall, den er mal auf brutal komische, mal auf traurige Weise verarbeitet. Solange es geht, trinkt und feiert der schnell auf einen Rollstuhl angewiesene Transfatty. Er dreht Videos, schreibt regelmäßig das Internet voll und gründet eine Stiftung. Mitten in der Krankheit begegnet ihm schließlich seine große Liebe, mit der er einen Sohn zeugt.

Neben dem Kranken geht es vor allem um seine Angehörigen, die ihn liebevoll pflegen, auch wenn er sich kaum noch bewegen kann. »Leute hören auf, auf unwichtige Dinge zu achten und konzentrieren sich stattdessen auf die wichtigen«, sagt der Rollstuhl Punk. Und: »Ich werde häufiger gefragt, wie es ist, zu sterben. Es nervt.« Sein Film nervt nicht, sondern unterhält ausgesprochen gut.

CLEMENS HAUG

 

»Transfatty lives«:

30.10., 16.30 Uhr, Cinestar 6 und 31.10, 20 Uhr, Cinestar 6

 

 

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