DOK LEIPZIG 29. OKTOBER – 4. NOVEMBER 2018
61. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Vergewaltigung als Waffe

Der Film »Silent War« zeigt erschreckende Frauenschicksale aus Syrien

silentwar»Was werdet ihr denn tun, wenn ihr den Film gesehen habt? Ihr werdet kurz bestürzt sein und es dann wieder vergessen!« Die Frau, die diesen am Ende des Films »Silent War« sagt, hat wahrscheinlich nicht ganz unrecht. Nachdem man Manon Loizeaus Dokumentation über syrische Frauen, die von der syrischen Armee vergewaltigt worden sind, gesehen hat, ist man bestürzt, traurig, entsetzt. Sehr persönlich haben drei Frauen ihr Schicksal erzählt. Wie sie die Vergewaltigung von an anderen Frauen mit ansehen mussten, wie sie dann selbst vergewaltigt wurden, wie sich andere Frauen im Gefängnis daraufhin umgebracht haben, wie sie geflohen sind, aus Angst, der eigene Vater oder die Brüder werden sie nun umbringen.  

Sie wurden als Kriegswaffe benutzt – um Familien, die sich während des arabischen Frühlings gegen Assad gestellt hatten, zu bestrafen. Nach Schätzungen von NGOs gibt es tausende Frauen, die ähnliches erlebt haben. Die meisten reden nicht darüber – aus Angst und Scham. Und gerade das macht den Film so wichtig. Dass er eines der wenigen öffentlichen Zeugnisse dieses Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Vielleicht sorgt er dafür, dass der Westen und der Rest der Welt diese Frauen nicht völlig allein lassen. Dass sie nicht einfach bestürzt sind  und dann doch wieder vergessen und wegschauen.

JULIANE STREICH

Der Film ist nominiert für den Filmpreis „Leipziger Ring“  

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