An einem Samstag
Im nuklearen Bannkreis
RUS/UKR/D 2011, 99 min, R: Alexander Mindadze; D: Anton Shagin, Svetlana Smirnova-Martsinkievich, Stanislav Rjadinsky
»Wir konnten mit so einem Störfall nicht rechnen.« – Ereignisse sind nicht kalkulierbar, kommen immer unerwartet und man kann sich nur unzureichend auf sie vorbereiten. Katastrophen sind die schrecklichste Form eines Ereignisses: Alle Schutzvorkehrungen sind im Zweifelsfall immer ungenügend und die beschränkte menschliche Vorstellungskraft will – als Realismus getarnt – die Katastrophe nicht eingestehen.
»An einem Samstag« im sowjetischen Ort Pripyat in der Nähe des Kernkraftwerks Tschernobyl. In jener Nacht zum 26. April ist schlagartig nichts mehr wie zuvor – nur will es keiner wahrnehmen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird der Unfall zunächst verschwiegen. Und so nimmt vom Super-GAU niemand Notiz. Außer Valerij Kabysh: Er sieht den brennenden Block 4 und die überforderte Feuerwehr. Er informiert seine Vorgesetzten, doch die spielen alles herunter. Es werde alles unternommen, um der Lage Herr zu werden, und überhaupt sei Atomkraft doch ungefährlich, wie die Parteileitung immer wieder versichert habe. Valerij jedoch glaubt den Beschwichtigungen nicht, will sich und seine Freundin Vera aus dem Bereich der unsichtbaren Gefahr bringen.
Ein verpasster Zug, ein fehlender Pass, eine Hochzeitsgesellschaft: Ihrer Flucht sind zig Hindernisse in den Weg gelegt. Valerij scheint – stellvertretend für die ganze Menschheit – seinem Schicksal nicht entgehen, dem Bannkreis der nuklearen Strahlung nicht entrinnen zu können. Mit seiner traurigen Aktualität hält dieser historische Film der Gegenwart den Spiegel vor. Das Gerede von »Störfällen« und »Restrisiko«, »Hysterie« und den »Experten«, die alles im Griff hätten, man kann es kaum ertragen. Und obwohl – oder gerade weil – die Figuren oft fahl und blutleer bleiben, geht dieser apokalyptische Film unter die Haut.
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