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Buch des Monats (Hörbuch) - Walter Rheiner

Buch des Monats (Hörbuch) - Walter Rheiner

Der düstere Dichter - Den expressionistischen Dichter Walter Rheiner kann man jetzt hören

Buch des Monats (Hörbuch) - Walter Rheiner.

Kennen Sie Walter Rheiner? Nein? Machen Sie sich nichts daraus, selbst die meisten Germanisten zucken bei dem Namen mit den Achseln. Aber schade ist das schon, denn Rheiners Lyrik verdient jede Beachtung. Darum ist es erfreulich, dass jetzt bei dem jungen Hörbuchverlag Edition Apollon eine Auswahl seiner Gedichte, die Novelle »Kokain«, Briefe sowie seine Biografie als Hörbuch erschienen sind. Walter Rheiner hieß eigentlich Walter Heinrich Schnorrenberg und wurde 1895 in Köln geboren. Als er 1914 eingezogen werden sollte, nahm er Drogen und spielte den Junkie. Der Trick funktionierte nicht, dafür verfiel er nun tatsächlich dem Koks. Später in Berlin finden seine Gedichte Anklang, Berühmtheiten wie Theodor Däubler und Iwan Goll ermutigen und fördern ihn. Aber Rheiner kommt von den Drogen nicht los. In der Novelle »Kokain« lässt er seinen Helden verzweifelt durch das nächtliche Berlin irren; als der Morgen graut, schießt er sich eine Kugel in den Kopf. »Kokain« ist ein erschütternder Horrortrip - und leider sehr autobiografisch. Pleite, physisch und psychisch ruiniert, setzt Rheiner 1925 mit einer Überdosis Morphium seinem Leben ein Ende. Seine Gedichte tragen Titel wie »Ich verbrenne« oder »O Einsamkeit« und sind Musterbeispiele spätexpressionistischer Lyrik. Kostprobe? In »Der düstere Dichter« heißt es: »Ich bin der Fremdling, den ihr alle hasset / Oh, fremd euch allen, die mich bös umdräun. / Ich bin der lange Mord, den ihr geschehen lasset / Den eure frechen Fratzen niemals scheun.« Gerade indem Sprecher Helmut Krauss sich bei der Rezitation zurückhält und auf einen genialischen Furor à la Klaus Kinski verzichtet, kann die bittere Verzweiflung dieser Lyrik ungefiltert auf den Hörer wirken. Mehr von solchen Hörbüchern! -


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