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Chopin New Romantic. — Anthologie.

»Hurensohn! Schwuchtelholocaust!« - Die Comic-Anthologie »Chopin - New Romantic« sorgt in Polen für Wirbel

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Das Außenministerium hat die Auslieferung eines Comics gestoppt. Der Minister selbst nennt das Heft Medienbe-richten zufolge einen »Fehler«, sein Stellvertreter fordert, die gesamte Auflage ein-zustampfen. In Polen sorgt derzeit die deutsch-polnische Comic-Anthologie »Chopin New Romantic« für Wirbel. Das Heft war als Beitrag für das Chopin-Jahr geplant und wurde von der Polnischen Botschaft finanziert. Comic-Künstler aus Deutschland und Polen wurden gebeten, frei zu den Themen Chopin, Musik und Polen zu arbeiten. Auslöser des Skandals war der Beitrag des polnischen Zeichners und Musikers Krzysztof Ostrowski. Seine Geschichte dreht sich um den Auftritt einer Band in einem Gefängnis, und es wird geflucht, was das Zeug hält: »Arschloch!«, »Hurensohn!«, »Schwuchtelholocaust!« Letzteres, das sollte man der Vollständigkeit halber erwäh-nen, sagt ein Skinhead. Eine solche Sprache mag nun für einen Gefängnishof au-thentisch sein, für die polnische Regierung ist sie zu starker Tobak. Da wollte man zum Chopinjahr mal was Unkonventionelles machen – und war dann entsetzt, wie unkonventionell es war. Der Rückzieher ist bis zu einem gewissen Grad verständlich, schließlich prangt das Logo der polnischen Botschaft Berlin auf dem Cover. Es ist aber vor allem schade um ein schönes Heft. Denn die Macher beim polnischen Co-mic-Verlag Kultura Gniewu haben Wert auf Vielfalt gelegt. Neben Ostrowskis Ge-fängnisstory sind noch sieben weitere Geschichten in dem Band versammelt, und die sind stilistisch wie inhaltlich sehr unterschiedlich. Besonders hübsch ist die Geschich-te von Sascha Hommer und Jan-Frederik Bandel. Darin versucht eine aus drei Leu-ten bestehende »Posttonale Internationale« die »bürgerliche Harmonieseligkeit« da-durch zu überwinden, dass sie ein Chopin-Konzert besucht, aber nicht zuhört. So viel Revolte war selten.

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