Daniel Clowes — David Boring
Teenage Nightmare - Endlich erscheint Daniel Clowes Graphic Novel »David Boring« auf Deutsch
Deutschland ist kein Comic-Land. Lange Zeit war das Genre als bunte Bildchen oder Kinderkram verpönt. Doch es tut sich was: Gerade das Format der Graphic Novel, also der abgeschlossenen fiktiven Bildergeschichte, findet hierzulande mehr und mehr Leser. So ist gut zehn Jahre nach seiner Gründung beim Berliner Reprodukt-Verlag ein Klassiker auf Deutsch erschienen: Daniel Clowes »David Boring«.
Titelheld Boring, zu Deutsch »langweilig«, macht seinem Namen alle Ehre. Er ist ein normaler Teenager, der als Nachtwächter arbeitet und Filmregisseur werden will. Er lebt mit seiner besten Freundin in einer WG und hat sehr konkrete Vorstellungen davon, wie seine Traumfrau aussehen soll. Als er ihr tatsächlich begegnet, wird er in einen reichlich bizarren Kriminalfall verwickelt und kämpft bald ums Überleben.
Clowes porträtiert das Seelenleben seines Protagonisten mit kühlem, präzisem Strich, der einen schönen Kontrast zur manchmal sehr absurden Rahmenhandlung bildet. Denn obwohl sich Davids Leben mehr und mehr in einen Albtraum verwandelt, hat er ganz andere Dinge im Kopf. Die Auseinandersetzung mit seiner tyrannischen Mutter, sein Versuch, aus einem alten Comicheft, das sein Vater einst gezeichnet hat, irgendetwas über dessen Verbleib oder Charakter zu erfahren, und seine obsessive Liebe zu der Frau, die seinem Idealbild entspricht, beschäftigen ihn derart, dass ihn weder der drohende Weltuntergang noch die Frage, wer versucht hat, ihn umzubringen, besonders interessiert.
Die Geschichte eines Teenagers, der sich in erster Linie mit sich selbst beschäftigt, ist nicht zum ersten Mal erzählt worden. Langweilig ist das aber trotzdem nicht. David, der angehende Filmregisseur, bekommt von seinem Onkel den Rat: »Jede Geschichte ist schon einmal erzählt worden, wenn du sie also erzählst, erzähl sie gut.« Clowes löst das ein.
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