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Friedrich Sieburg

Friedrich Sieburg

Pseudoaristokratisches Naserümpfen - »Die Lust am Untergang«: Friedrich Sieburgs wiederentdeckte FAZ-Feuilletons

Friedrich Sieburg. 417 S.

»Der Alltag der Demokratie mit seinen tristen Problemen ist langweilig, aber die bevorstehenden Katastrophen sind hochinteressant.« - Die German Angst ist legendär. In vielen literarischen Erzeugnissen ist der deutsche Weltschmerz und Kulturpessimismus zum Ausdruck gekommen. Ein solcher Hang zur Angstlust, die Neigung zum Negativen in der deutschen Kultur, zieht sich als Grundmotiv auch durch »Die Lust am Untergang« von Friedrich Sieburg (1893-1964). Die Andere Bibliothek hat den ehemaligen FAZ-Literaturredakteur wiederentdeckt, dessen Werke heute nur noch im Antiquariat aufzustöbern sind. Zu Recht, denkt man bei der Lektüre seiner gesammelten, 1954 erschienenen Feuilletons. Denn wenn Sieburg vom Leiden an Deutschland schreibt, wenn sich pseudoaristokratisches Naserümpfen herablassend über den demokratischen Zeitgeist äußert, drängt sich die Frage auf, warum man das eigentlich liest.Und doch stöß man bei Sieburg immer wieder auf kluge Beschreibungen, wie kollektives Krisengefühl funktioniert. Gerade in seiner heute als Außenseiterposition erscheinenden Perspektive gelingt manch unverstellte Einsicht ins Verhältnis von Masse und Macht. So fügen sich die Texte in diesem optischen wie haptischen Kleinod zum interessanten Einspruch aus der Vergangenheit, der über Bande die aufwallende Beschwörung neuer Bürgerlichkeit konterkariert. Einführend und in einem Epilog erläutert die Autorin Thea Dorn skizzenhaft Leben und Werk Sieburgs und lässt auch seine nationalistischen Anwandlungen nicht aus. Bedenkt man, dass Sieburg einst Bestsellerauflagen hatte und nunmehr bloß von historischem Wert ist, erscheint gesellschaftlicher Fortschritt möglich. Tobias Prüwer


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