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Jonathan Coe

Jonathan Coe

Beispiellos schicksalslos - Glänzend erzählt: Jonathan Coes »Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim

Jonathan Coe. 416 S.

Ein Mann, der echte Freude dabei empfindet, die weibliche Stimme des Navigationssystems seines Autos immer wieder sagen zu hören: »Biegen Sie links ab!«, während er zahlreiche Runden auf einem Kreisverkehr dreht, ist entweder verrückt oder einsam. Er hat sie Emma getauft, die Stimme, und später macht er ihr eine Liebeserklärung. Maxwell Sim ist ein glanzloser Mensch, dessen Geschichte vom britischen Erfolgsautor Jonathan Coe jedoch in glänzender Sprache erzählt wird. Von der Frau verlassen, eben aus Australien zurückgekehrt, wo sein rätselhafter Vater lebt, begibt sich Sim als Zahnbürstenvertreter auf ein »Promotion-Wettrennen« zu den Shetland-Inseln. Im Geiste fühlt er sich dabei mit dem Segler Donald Crowhurst verwandt, der beim Versuch einer Weltumseglung ein einsames und tragisches Ende fand. Von solcher Aufregung kann Sim allerdings nur träumen. Dass man seiner beispiellosen Schicksalslosigkeit dennoch mit Spannung folgt, ist Coes Sprachwitz zu verdanken. Seine Parabel über die Isolation des modernen Menschen, der trotz (oder wegen) der permanenten Verfügbarkeit von Kommunikationsgeräten unerhört einsam bleibt, ist ein gelungenes Stück diagnostischer Gegenwartsliteratur. Die Worte Ciorans, eindrucksvoll seien nur jene Menschen, die ein Schicksal haben, die »ein Fall« seien, finden hier ihre Bestätigung. Maxwell Sim ist so wenig eindrucksvoll, dass er am Ende ganz verschwindet. Das wäre konsequent, wenn Coe es handwerklich eleganter gelöst hätte. Denn am Ende seiner Reise enthebt Coe seinen Helden der Wirklichkeit und beendet die Geschichte auf einer Metaebene, die weder logisch noch notwendig ist. Trotz dieses misslungenen Kunstgriffs und einiger Längen ist dieses Buch seine Lektüre wert. Daniela Krien


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