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Müllabfuhr-Simulator 2011

Das Grauen trägt Orange

Der »Müllabfuhr-Simulator 2011« verbreitet so viel Schrecken, dass er selbst in illegalen Downloadbörsen verschmäht wird. Doch als investigativ arbeitender Journalist schaue ich dem Grauen direkt ins Auge:

Ich gründe also ein Müllabfuhrunternehmen, um virtuell die schöne Tätigkeit eines Müllmannes auszuüben. Und das geht so:

1. Zur Mülltonne fahren und den Motor abstellen 2. per Menü zum Kollegen hinten am Wagen wechseln 3. vom Wagen absteigen 4. zur Mülltonne gehen 5. die Tonne im Menü auswählen 6. das Menü schließen 7. mit der Mülltonne zum Wagen gehen 8. die Tonne auf dem lila leuchtenden Feld abstellen 9. per Menü die Verlademechanik aktivieren 10. auf »Tonne entleeren« klicken 11. die Tonne mit der Pfeiltaste ankippen 12. die Tonne durchrütteln (linke Taste, rechte Taste – kann etwas dauern) 13. die Tonne absenken 14. die Tonne zurück zu ihrem Stellplatz rollen 15. im Menü »Tonne abstellen« anklicken 16. auf zur nächsten Tonne!

Nach der fünften Mülltonne ist mein Gehirn auf Erbsengröße geschrumpft. Alles hier ist so sinnlos, so öde, so leblos und kalt. Ich will rasen! Mit meinem Müllauto rasen wie der Teufel, wie ein orangener Blitz aus Stahl, Männlichkeit und Müll – rasen, ja! – rasen hin zum Recyclinghof. Ich will ein Maisfeld durchpflügen, doch es ist ein harter Block, an dem mein Müllauto abprallt wie ein Gummiball am Mount Everest. Auch die kleinen Leitpfosten am Straßenrand sind dermaßen stabil, dass mein 30-Tonner bei einer Kollision hinten abhebt und sich glatt überschlägt. Doch das Schlimmste: Die Passanten meckern auf Sächsisch, wenn man sie überfährt! Ich gebe auf, ich kann nicht mehr. Ich fahre höchstens 50 Kilometer pro Stunde, halte an roten Ampeln und sammle brav meine Mülltonnen ein.

Hätte Herr Mubarak doch nur den Müllabfuhr-Simulator an seine Landsleute verteilt! Niemand wäre auf die Idee gekommen, zu demonstrieren. Niemand wäre überhaupt jemals wieder auf irgendeine Idee gekommen.

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