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Robert Louis Stevenson, Leo Perutz, Christof Hamann, Alexander Honold, Margot Käßmann, Erich Loest

Robert Louis Stevenson, Leo Perutz, Christof Hamann, Alexander Honold, Margot Käßmann, Erich Loest

Kein Alkohol ist auch keine Lösung - Drei Bücher, die Sie nicht enttäuschen werden, und zwei, die sie vergessen können

2011. 521 S., 27,90 €<br />Leo Perutz: Wohin rollst du, Äpfe

Robert Louis Stevenson, Leo Perutz, Christof Hamann, Alexander Honold, Margot Käßmann, Erich Loest. 2011. 521 S. 27,90 €<br />Leo Perutz: Wohin rollst du, Äpfe 2011. 521 S.

Arno Schmidt hat einmal gesagt, Jean Paul gehöre zu den zwanzig, »für die ich mich mit der ganzen Welt prügeln würde«. So weit würde ich nicht gehen, nicht für Jean Paul. Bei Robert Louis Stevenson (1850-1894) und Leo Perutz (1882-1957) wäre das etwas anderes. In aller Freundschaft lege ich Ihnen also zwei Romane dieser beiden Schriftsteller ans Herz, die Sie garantiert nicht enttäuschen werden. Andernfalls: Siehe oben. Robert Stevenson muss ich kaum vorstellen. Wer hat nicht »Die Schatzinsel« verschlungen? Leider ist ein Großteil seines vielfältigen und umfangreichen Werks bei uns noch immer recht unbekannt. Zum Beispiel sein Roman »St. Ives«, der jetzt erstmals vollständig und neu übersetzt vorliegt. Darin kehrt Stevenson noch einmal in seine Heimat Schottland zurück: 1813 gerät der napoleonische Soldat St. Ives in englische Kriegsgefangenschaft. Es gelingt ihm, aus der Festung von Edinburgh zu fliehen, und nun führt ihn seine abenteuerliche Flucht durch Schottland und ganz England. Der Leser bekommt alles geboten, was er von einem echten Stevenson erwartet: eine spannende Handlung, unvergessliche Charaktere, Intrigen, eine Liebesgeschichte, Duelle - nur keinen Schluss. Der todkranke Stevenson konnte »St. Ives« nicht mehr vollenden. Aber seine Witwe beauftragte den Schriftsteller Arthur Quiller-Couch damit, es zu tun. Und was soll man sagen? Der junge Mann meisterte seine Aufgabe bravourös. Übrigens hat sich Stevenson mit der Fertigstellung seiner Romane schon zu Lebzeiten schwergetan - im Gegensatz zu dem Prager Schriftsteller Leo Perutz, der ein wahres Genie im Erfinden ungewöhnlicher, überraschender, ja schockierender Schlusswendungen war. So auch bei seinem Erfolgsroman »Wohin rollst du, Äpfelchen ...« von 1928, der gerade in einer Neuausgabe erschienen ist. Der österreichische Offizier Georg Vittorin kehrt nach dem Ersten Weltkrieg aus russischer Kriegsgefangenenschaft nach Wien zurück. Aber der Krieg ist für ihn nicht vorbei. Er hat noch eine Rechnung mit dem Kommandanten des Gefangenlagers, Seljukow, offen. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Am Ende spürt er seinen alten Feind auf. Doch die »Stunde der Abrechnung« wird anders, als Vittorin - und der Leser! - es sich vorgestellt hat.Schließlich noch eine wahre Abenteuergeschichte. 1889 gelingt dem Leipziger Verleger und Afrikaforscher Hans Meyer die Erstbesteigung des »höchsten deutschen Berges«, des Kilimandscharo. Allerdings erzählen Christof Hamann und Alexander Honold in »Kilimandscharo« nicht allein von der Meyer‹schen Expedition. Vielmehr geht es um den Berg selbst. Von einer Kulturgeschichte des Bergsteigens über die kolonialen Fantasien des Kaiserreichs bis hin zur Tchibo-Reklame analysieren die beiden mit wissenschaftlicher Gründlichkeit, aber durchaus unterhaltsam, also im besten Sinne populärwissenschaftlich, das gesamte Spektrum der Kilimandscharo-Faszination, die bis in die Gegenwart anhält - auch wenn der legendäre Schnee auf dem Kilimandscharo inzwischen so gut wie verschwunden ist. Nach all den Lobhudeleien noch zwei Bücher, in die Sie keine Lebenszeit investieren sollten. In Erich Loests Tagebuch »Man ist ja keine Achtzig mehr« werden Sie nichts lesen, was Sie entweder nicht schon wussten oder je wissen wollten. Dasselbe lässt sich über Margot Käßmanns aufdringliches Machwerk »Zu Gast in Amerika ...« sagen. Unablässig geht es darin um Begegnungen mit starken Frauen und befremdliche Ami-Sitten. Aber während Loest seitenweise über seine liebsten Torkeltrünke schwadroniert, schweigt sich die ehemalige Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende zum Thema Saufen enttäuschenderweise völlig aus. Kein Alkohol ist eben auch keine Lösung. OLAF SCHMIDTRobert Louis Stevenson: St. Ives. Herausgegeben und übersetzt von Andreas Nohl. München: Carl Hanser Verlag 2011. 521 S., 27,90 €Leo Perutz: Wohin rollst du, Äpfelchen ... Wien: Paul Zscholnay Verlag 2011. 269 S., 21,90 €Christof Hamann, Alexander Honold: Kilimandscharo. Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2011. 190 S., 22,90 €Margot Käßmann: Zu Gast in Amerika ... Frankfurt am Main: Edition Chrismon 2011. 176 S., 16,90 €Erich Loest: Man ist ja keine Achtzig mehr. Göttingen: Steidl 2011. 234 S., 18 € Olaf Schmidt


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