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Weihnachtsbücher

Weihnachtsbücher

Lauter Lob - Zum Schenken oder Selberlesen: Drei tolle Bücher zu Weihnachten

Hohesufer.com

Weihnachtsbücher. Hohesufer.com 2010. 332 S.

Auch wenn das wieder kein Schwein glaubt, aber: Es macht gar nicht so viel Spaß, Verrisse zu schreiben. Echt nicht. Man muss einen Tadel genauer begründen als ein Lob, der Verriss macht also mehr Arbeit. Er bringt einem überhaupt nur Ärger ein. Darum und weil das Fest der Liebe vor der Tür steht: Ein dreifaches Lob!Also los: James Boswell (1740-1795) war vielleicht der fleißigste Tagebuchschreiber, den es je gegeben hat. Einen ewigen Ehrenplatz in der Literaturgeschichte hat er sich aber durch die Biografie seines Freundes Dr. Johnson verdient. »The Life of Samuel Johnson« ist nach wie vor eines der bedeutendsten und beliebtesten Bücher englischer Sprache. Weniger bekannt ist sein »Account of Corsica« von 1767, dessen erste deutsche Übersetzung mit dem umständlich-akademischen Titel »Historisch-geographische Beschreibung von Corsica« gerade wieder erschienen ist. Darin erzählt Boswell nicht allein von Land und Leuten, sondern auch von der korsischen Republik, einem de facto unabhängigen Staat mit demokratischer Verfassung - bis die Franzosen die Insel besetzten. In seiner Reisebeschreibung ergreift Boswell natürlich für die freiheitsliebenden Korsen Partei, und zwar so öffentlichkeitswirksam, dass der britische Kriegsminister Lord Holland befürchtete, die Engländer könnten »so dumm sein und Krieg anfangen, bloß weil Mr. Boswell auf Korsika war«. Bis heute hat die Schilderung des reisenden Schotten nichts von ihrer Lebendigkeit verloren. An den Rio de la Plata! Argentinien ist ja eher als Unterschlupf untergetauchter Nazi-Schergen bekannt, aber lange vorher waren viele Juden dorthin ausgewandert und hatten umgehend eine jüdisch-lateinamerikanische Literatur geschaffen. Mit Alberto Gerchunoffs (1884-1950) »Jüdische Gauchos« (1910) liegt endlich der Gründungstext dieser Literatur in deutscher Übersetzung vor. Gerchunoff, der im damals russischen Podolien geboren wurde, erzählt von der Entstehung der jüdischen Gemeinden im neuen Gelobten Land Argentinien, und zwar nicht auf Jiddisch oder gar Hebräisch, sondern sehr bewusst auf Spanisch. Auf den ersten Blick wirken viele dieser 26 kurzen, subtil miteinander verwobenen Geschichten wie Idyllen, wie ein Lobgesang auf ein Land, in dem Juden endlich frei und ohne Angst leben können. Doch auch in der Pampa bleiben Hass und Gewalt allgegenwärtig. In »Der Tod des Rabbi Abraham« geht es um einen Mord aus nichtigem Anlass, aber Gerchunoff schildert auch die weniger brutalen, untergründigen Konflikte zwischen den Eingesessenen und den jüdischen Einwanderern. Ein »jüdischer Gaucho« ist eben ein Widerspruch in sich - noch. Denn vor allem steht dieser Titel für einen großen Traum. Unsere kleine literarische Reise endet in Frankreich. Philippe Claudel, der in Deutschland vor allem durch seinen überragenden Roman »Die grauen Seelen« bekannt geworden ist, hat elf Jahre als Lehrer für Literatur in der Haftanstalt von Nancy gearbeitet. In »Das Geräusch der Schlüssel« erzählt er von dieser Zeit. »Das Gefängnis glich einer Fabrik. Einer großen Fabrik, die nichts herstellte, außer abgefeilter, zerkleinerter, reduzierter Zeit, erstickter Leben und eingeschränkter Bewegungen.« In vielen Momentaufnahmen schildert Claudel den unendlich stumpfen, geisttötenden Knastalltag und gewährt so beklemmende Einblicke in eine Welt, die man real lieber nicht kennenlernen möchte. Solche Bücher sollten die Milchkaffeeschlürfer vom Prenzlberg oder Literaturinstitut schreiben! Greif zum Blechnapf, Dichter! Wäre auf jeden Fall mal was anderes. Olaf Schmidt


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