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Wolfgang Hilbig

Wolfgang Hilbig

Schlampig, lückenhaft, enttäuschend - Auch der dritte Band der neuen Hilbig-Werkausgabe taugt nicht viel

Wolfgang Hilbig. 384 S.

Menschliche Beziehungen sind eine seltsame Sache. Reden wir nicht von ausgedrückten Zahnpastatuben oder aufgedrehten Ketchupflaschen im Kühlschrank - Peanuts! Reden wir von der Beziehung zwischen einem Autor und seinem Verlag. Hier wird es schwierig - besonders wenn es sich um einen Autor handelt, der so wenig Interesse an der gewinnbringenden Vermarktung seiner Bücher gezeigt hat wie Wolfgang Hilbig. Nach Hilbigs Tod machte es sich S. Fischer zur Aufgabe, eine Werkausgabe in sieben Bänden zu veröffentlichen. Neben schon bekannten Texten lockte der Verlag dabei auch mit unveröffentlichten Manuskripten, die der Ausgabe nach und nach beigefügt werden sollten. Bis jetzt sind drei Bände erschienen. Das Ergebnis enttäuscht. Der Anspruch, eine Werkausgabe herauszubringen, wurde von Fischer auf den einer »Leseausgabe« eingedampft. Das heißt konkret: Es gibt keine textkritischen Anmerkungen zu den einzelnen Fassungen, die Quellennachweise und Daten der jeweiligen Erstveröffentlichungen sind lückenhaft, die bibliografischen Angaben stecken voller Fehler. Allenfalls die bibliophile Aufmachung der drei Bücher ist lobenswert, das editorische Konzept - sofern es eines gibt - bleibt dagegen rätselhaft. Wenn der Verlag mit dieser »Leseausgabe« das Leser- und Käuferinteresse an Hilbig wachhalten wollte, stößt sie Hilbig-Fans damit vor den Kopf. Denn die hatten sich gegenüber den Einzelausgaben einen Mehrwert versprochen. Den aber sucht man vergebens. Was bleibt, sind die drei großartigen Erzählungen Hilbigs, das sehr emotionale Nachwort von Ingo Schulze - und die Erkenntnis, dass das Verhältnis zwischen Literatur und den Interessen des Buchmarktes ein schwieriges ist. Karen Lohse


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