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Kaputt

Wer nicht liest, ist selbst schuld: Melanie Arns' zweiter Roman

Eines kann man von Melanie Arns` zweitem Buch nicht behaupten: dass es viel Beachtung gefunden hätte. Es hat kaum Besprechungen gegeben, der Titel ist nicht präsent. Ihr zweites Buch heißt »Traumpaar, nackt«. Es hat gerade einmal 105 Seiten und ist von einer Autorin geschrieben, die mit einem schonungslos rationalen Blick auf ihre Figuren erzählt. Mit einem Auszug ihres ersten Buches »Heul doch« nahm sie 2002 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil.

Eines kann man von Melanie Arns` zweitem Buch nicht behaupten: dass es viel Beachtung gefunden hätte. Es hat kaum Besprechungen gegeben, der Titel ist nicht präsent. Ihr zweites Buch heißt »Traumpaar, nackt«. Es hat gerade einmal 105 Seiten und ist von einer Autorin geschrieben, die mit einem schonungslos rationalen Blick auf ihre Figuren erzählt. Mit einem Auszug ihres ersten Buches »Heul doch« nahm sie 2002 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil.
Und wie der Leser schon in »Heul doch« der Erzählerin nicht trauen konnte, Melanie Arns wunderbar mit der Unverlässlichkeit ihrer Figur spielte, so führt sie auch in »Traumpaar, nackt« den Leser auf eine falsche Fährte. Nichts an dieser Geschichte ist traumhaft, nirgendwo ist Harmonie. Im Gegenteil. Die soziale Müllhalde, in der die Erzählerin von »Heul doch« aufwächst und die sich bis hin zum Missbrauch durch den Vater steigert, diese Leitmotive finden sich auch in »Traumpaar, nackt«. Allerdings kommentiert die 1980 geborene Schriftstellerin in ihrem neuen Buch die seelischen Trümmer der weiblichen Hauptfigur aus der Distanz durch einen personalen Erzähler.
Arns erzählt die Geschichte von Kati und David. Eine Geschichte, in der das Leben brutal ist und oberflächlich. Eine Geschichte, in der die Eltern nur Hersteller heißen und in der Kati ihrer Oma ins Ohr flüstert: »Bald hast du es geschafft« und meint damit den Tod, meint damit das Himmelreich, Paradies, die Erlösung, meint damit einen Tisch voller Schweinshaxen mit Sauerkraut und Kartoffelpüree, meint damit sahnige Zitronencreme zum Nachtisch und Schokolade jederzeit. Die Oma fällt drauf rein und ist tot.« Für den Leser ist es eine brutale Komik, die ihn beim Lesen begleitet. Der harte Ton der Erzählerin, die ewigen Aufzählungen, die ebenso selbstverständlich wie lakonisch immer zum Schlimmsten hinführen. Es ist die neue Form des Familienromans, die Arns schreibt. Es ist der Alltag vieler, die wir nicht kennen und die doch jeden Tag so weiterleben.
»Wer mir glaubt, ist selber schuld«, sagt die Heldin in »Heul doch«. »Kati liegt tot im Bett. Das muss uns nicht weiter stören, sie spielt ja nur«, heißt es in »Traumpaar, nackt«. Wer dieses Buch nicht liest, ist selber schuld.

Melanie Arns: Traumpaar, nackt. Salzburg:
Verlag Jung und Jung 2006. 105 S., 15,80 €

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