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Probejahre für die Liebe

Immer mehr Leipziger Eltern-Paare pflegen ihre Beziehung unter professioneller Anleitung

In Deutschland gibt es eine Scheidungsrate von über 50 Prozent. Leipzig repräsentiert diese Zahlen überdurchschnittlich: Seit 2003 schließen jährlich rund 1.300 Paare den Bund fürs Leben, rund 1.000 Paare lösen ihn wieder. Und dabei vergeht die Liebe häufig schneller, als das Kind laufen kann. Statistiken weisen aus, dass die Zahl der Trennungen nach dem ersten Lebensjahr des Kindes ihren Höhepunkt erreicht.

In Deutschland gibt es eine Scheidungsrate von über 50 Prozent. Leipzig repräsentiert diese Zahlen überdurchschnittlich: Seit 2003 schließen jährlich rund 1.300 Paare den Bund fürs Leben, rund 1.000 Paare lösen ihn wieder. Und dabei vergeht die Liebe häufig schneller, als das Kind laufen kann. Statistiken weisen aus, dass die Zahl der Trennungen nach dem ersten Lebensjahr des Kindes ihren Höhepunkt erreicht.

»Die wenigsten Paare sind gut darauf vorbereitet, was sie nach der Geburt von Kindern erwartet. Die Liebe wird dann auf eine schwierige Probe gestellt«, sagt die Leipziger Paartherapeutin Elke Roßner. Gemeinsam mit ihrem Kollegen und Lebensgefährten Hagen Kauf leitet sie Kurse, in denen Paare üben, mit sich und dem Partner im Dialog zu bleiben, denn »es ist verführerisch und gefährlich, sich nur noch am Kind zu orientieren«.
Auch die Praxisgemeinschaft Werden und Wachsen reagiert, wie andere Hebammen-Praxen, Volkshochschulen und kirchliche Familien-bildungseinrichtungen, auf den Trend, dass immer mehr Paare bereit sind, unter professioneller Anleitung ihre Beziehung zu pflegen. Und das bereits während der Schwangerschaft: »Stressfrei ins Familienglück« heißt ein in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg entwickelter Kurs, den manche Krankenkassen bezuschussen. Die Nachfrage steigt, monatlich starten neue Gruppen. An sieben Abenden wird jeweils ein anderer Aspekt der sich wandelnden Paarbeziehung thematisiert. So schreiben sich zum Beispiel die werdenden Eltern einen Brief, der mit den Worten beginnt: »Ich habe mir dich als Vater/Mutter für mein Kind ausgesucht, weil …« Die Teilnehmer sollen erkennen, was ihre Beziehung trägt – und lernen, konstruktiver miteinander zu kommunizieren. Katharina Stünz, 32, und Erik Futterlieb, 41, haben ihren Kurs beendet; Tochter Finja ist jetzt 8 Monate alt. Für ihn ist es das erste Kind, für sie das dritte. Beide haben sich bewusst für diese Form der Geburtsvorbereitung entschieden: »Ich wusste, was auf uns als Paar nach der Geburt zukommt«, sagt Katharina Stünz, »die Liebe zu erhalten ist kein glücklicher Zufall, sondern harte Arbeit.« Sie fand den Kurs gut, weil nicht nur das werdende Elternpaar angesprochen wurde, sondern auch das Liebespaar in ihnen. »Eine lustvolle Liebesbeziehung zu erhalten ist das, was Eltern stärkt und sich somit positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt«, erklärt die Psychologin Marion Wellner ihren Ansatz. Einer ihrer Tipps: »Macht euch einen Zettel an den Kühlschrank: Liebespaar – das sind wir.«
Erik Futterlieb sagt, er habe den Eindruck gehabt, dass nach der Geburt von Finja die Liebesbeziehung zu seiner Frau verdeckt gewesen sei von den Aufgaben des Elternseins. Durch den Kurs habe er erfahren, dass diese Veränderung nicht das Fundament der Liebe der Partner füreinander infrage stelle. »Unsere Beziehung hat seit der Geburt von Finja ganz schön viel Strom drauf«, so der selbstständige Tischler, »aber es ist erfrischend.

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