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„Erziehung beginnt im Herzen“

Familien-Lobbyist Henry C. Brinker über den Staat als Erzieher, tätige Elternliebe und Bildungspläne für Kitas

Der Verein Familiennetzwerk Deutschland sieht sich als Lobby für die Familien und stellt die Krippenerziehung infrage. Henry C. Brinker ist Leiter

Der Verein Familiennetzwerk Deutschland sieht sich als Lobby für die Familien und stellt die Krippenerziehung infrage. Henry C. Brinker ist Leiter des Regionalbüros Sachsen in Leipzig und Vater von vier Kindern.

KREUZER: Was gefällt Ihnen an der aktuellen Familienpolitik nicht?
HENRY C. BRINKER: Sie stellt die Entwicklung der Fremdbetreuung in den Fokus aller Überlegungen. Eltern gewinnen so den Eindruck, der Staat sei der bessere Erzieher – und das unabhängig von Bildung und Einkommen. Ja, manche Akademiker-Mutter leitet aus ihrer Berufswirklichkeit ab, dass es bei der Kindererziehung ähnlich »professionell« zugehen muss. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: In den sechziger Jahren wurden Milupa-Fläschchen statt Stillen propagiert. Profi-Industrienahrung statt Muttermilch! Hier sind wir nach schmerzhaftem Lernen wieder auf dem Rückmarsch.
KREUZER: Sie fordern, den »staatlichen Zugriff« in der Kinderbetreuung einzuschränken und Eltern wieder verstärkt in die Erziehungsaufgabe einzubinden. Wie soll das geschehen?
BRINKER: Staatliche Betreuung hin oder her: Eltern stehen in der Verantwortung für ihr Kind. Einen Knopfdruck für mehr Erziehungsengagement und tätige Elternliebe gibt es nicht. Wir alle müssen den Eltern sagen: Traut euch wieder, Gefühle und elterliche Zuwendung zu leben! Freut euch auf die Zeit mit euren Kindern – nicht auf die Zeit ohne Kinder! Statt Club-Urlaub mit Kinderbetreuung lieber zu Hause bleiben und gemeinsam die Welt vor der Haustür erobern! Entdeckt euch selbst in euren Kindern. Und schließlich: Eine gut geführte Ehe ist die beste Voraussetzung für eine liebevolle Kindererziehung.
KREUZER: Abgesehen von der Finanzierung – was spricht gegen den Ausbau von Krippenplätzen?
BRINKER: Nichts. Aber wir wollen echte Wahlfreiheit. Dass Eltern das Betreuungsgeld in die Hand bekommen und zwischen Krippe und Zuhause wählen können. Nur bei sozialen Härtefällen ist der Staat zum Schutz der Kinder gefordert.
KREUZER: In der frühkindlichen Entwicklung spielt die Mutter, das familiäre Umfeld eine wichtige Rolle. Warum setzt sich das Familiennetzwerk zum Ziel, selbst »die Einführung verpflichtender Kindergartenjahre zu verhindern«?
BRINKER: Wir sind gegen einen Zwang zum Kindergarten. Ich persönlich bin für Kindergärten. Gerade in einer Gesellschaft, wo Kinder kaum noch ihresgleichen in der Nachbarschaft finden und oft ohne Geschwister aufwachsen.
KREUZER: Sie haben das Idealbild der Familie vor Augen – die Realität sieht oft anders aus. Ist eine einheitlich gesicherte Förderung, wie es zum Beispiel der Bildungsplan in den Kitas vorsieht, nicht die klügere Variante im Hinblick auf die Zukunft vieler Kinder?
BRINKER: Ich will mich nicht unter dem Druck der Verhältnisse von Überzeugungen abbringen lassen, die ich im Kern für richtig halte. Dann mache ich mich lieber daran, die falschen Verhältnisse zu ändern. Ein Bildungsplan für Kitas? Erziehung ist ein ganzheitlicher Ansatz. Er be-ginnt nicht im Kopf, sondern im Herzen. Erst mal müssen Kinder bildungsfähig gemacht werden – durch Nestwärme und Sicherheit.


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