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„Vorstellung läuft“

Regisseur Volker Insel über sein neues Sommertheaterprojekt „Die Zauberflöte von hinten“

Volker Insel gilt als Mann für den intelligenten Humor im Theater. Der KREUZER sprach mit ihm über sein neues Sommertheaterprojekt „Die Zauberflöte von hinten“ und die hohe Kunst der Unterhaltung.

KREUZER: Was bleibt in „Die Zauberflöte von hinten“ von Mozarts Oper übrig?
VOLKER INSEL: Alles. Wir bringen mit fünf Musiker und acht Solisten die komplette Oper auf die winzige Bühne. Bis auf einige Chöre.
KREUZER: Es wäre ungewöhnlich, wenn Sie mit Ihrer InselBühne eine reine Oper spielten …
INSEL: Das werden wir auch nicht. Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht es um einen Blick hinter die Kulissen. Dazu nehmen wir eine abgewirtschaftete Wandertheatergruppe an, die ihre 138. Vorstellung der Zauberflöte gibt und deren Ensemble darum nicht mehr ganz frisch ist.
KREUZER: Die komplette Oper und eine zusätzliche Geschichte – wird das nicht ein langer Theaterabend?
INSEL: Nein, denn die Geschichten passieren simultan. Rechts und links von der eigentlichen Opernbühne befinden sich zwei Garderoben, durch gläserne Wände getrennt. Wie bei einem Breitwandfilm können die Zuschauer unentwegt selbst entscheiden, welcher der Aktionen sie folgen wollen: Der märchenhaften Mozartoper mit fantasievollen Kostümen oder der „Realität“ hinter den Kulissen, in der das Ensemble mit den Tücken des Theateralltags kämpft.
KREUZER: Auf welcher der beiden Ebenen liegt der Schwerpunkt der Inszenierung?
INSEL: Auf beiden. Wir haben den Ehrgeiz, die Oper anspruchsvoll auf die Bühne zu bringen. Parallel dazu findet das Komödiantische statt, abseits der Opernbühne. Was im Übrigen eine große schauspielerische Herausforderung bedeutet, da die Komik nicht ausgesprochen werden kann, sondern gespielt werden muss, denn: Die Vorstellung läuft!
KREUZER: Hohe Kunst und Komödie in einem?
INSEL: Gegenfrage: Ist Menschen auf intelligente Weise, also ohne Klamauk, zum Lachen zu bringen, nicht sowieso hohe Kunst? Fest steht doch, dass hinter Stücken, die leichtfüßig und improvisiert daherkommen, harte Arbeit steckt.
KREUZER: Sie wehren sich also dagegen, dass Sommertheater als leichte Theaterkost gilt?
INSEL: Richtig ist, dass das Sommertheater eine Sonderstellung innehat: Die Zuschauer sitzen unter freiem Himmel, mit einem Glas Wein in der Hand und möchten Spaß haben und unterhalten werden. Darum spricht es auch Menschen an, die sonst nicht ins Theater gehen. In dieser besonderen Atmosphäre funktionieren sogenannte leichte Stücke besser. Aber – wie schon erwähnt – Menschen zum Lachen zu bringen, ist nicht so leicht wie es scheint.

12. (Premiere), 13.-29.7. (tägl. außer 15., 19., 27.7.), Moritzbastei
Theater

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