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Anspruch und Realität

Von einer Vision zur Institution: Warum das Forum Thomanum mehr sein will als »nur« ein Nachwuchszentrum für den Thomanerchor

Letzte Probe vor dem Auftritt beim Bachfest: »Ich habe meine Noten vergessen«, sagt Leopold. Tabea und ihre Freundin sind sich nicht einig, ob das Lied nicht zu schwer ist. »Das schaffen wir schon«, mischt sich Leopold ein. »Silentium«, unterbricht Musikpädagogin Alexan-dra Oehler die Diskussion. Und während ihre Assistentin Leopolds Noten holt und das Vorspiel zum ersten Lied beginnt, spannen sich 18 kleine Kör-per zum Singen. Zwischen vier und fünf Jahre alt sind die Kinder der Modellkindergartengrup-pe des Forum Thomanum, die sich als Bildungseinrichtung versteht und seit knapp zwei Jahren in der Kita Sonnenwinkel integriert ist.

Letzte Probe vor dem Auftritt beim Bachfest: »Ich habe meine Noten vergessen«, sagt Leopold. Tabea und ihre Freundin sind sich nicht einig, ob das Lied nicht zu schwer ist. »Das schaffen wir schon«, mischt sich Leopold ein. »Silentium«, unterbricht Musikpädagogin Alexan-dra Oehler die Diskussion. Und während ihre Assistentin Leopolds Noten holt und das Vorspiel zum ersten Lied beginnt, spannen sich 18 kleine Kör-per zum Singen. Zwischen vier und fünf Jahre alt sind die Kinder der Modellkindergartengrup-pe des Forum Thomanum, die sich als Bildungseinrichtung versteht und seit knapp zwei Jahren in der Kita Sonnenwinkel integriert ist.
Als Georg Christoph Biller Ende der 90er Jahre die Idee hatte, ein ganzheitliches Konzept für Thomasschule und Alumnat zu entwickeln – als die Vision den Namen Forum Thomanum bekam, dachte er in erster Linie an eine gezielte Nachwuchspflege für den Thomanerchor. Zwar hat der Thomaskantor keine Not, Abgänger durch neue Sänger zu ersetzen, aber der Bewerberpool ist deutlich kleiner geworden. In den 50er Jahren gab es rund 200 Bewerber für 10 Plätze, derzeit singen nur etwa 50 Jungen vor. Fehlende musische Bildung und kirchliche Bindung aus dem Elternhaus sowie der zeitige Stimmwechsel der Knaben erfordern, dass die Ausbildung potenzieller Thomaner bereits im Kindergartenalter beginnt.
Bis zum Jahr 2012, zur 800 Jahr-Feier von Thomanerchor, Thomasschule und Thomaskirche, soll ein international ausgerichtetes Bildungszentrum entstehen, das sich um Thomasschule und Thomanerchor gruppiert: ein Campus mit Kita, Grundschule und Gymnasium. Das Forum Thomanum will das Wissen, die Erziehung und die religiösen Werte, mit denen die Thomaner aufwachsen, allen Kindern zugute kom-men lassen, will Bildungsmöglichkeiten öffnen und vernetzen.
In diesen Wochen beginnt der Bau der Kita, die sich gegenüber dem Alumnat befindet. Auf dem gleichen Grundstück ist die Sanierung einer Villa im Gange, die die Stiftung Chorherren zu St. Thomae erworben hat. Es entsteht ein Probenzentrum, in das sich auch ein Teil der Probenarbeit des Thomanerchores verlagern soll. Noch in diesem Jahr können Thomaner und Thomasschüler die neuen Probenräume nutzen. Derzeit werden für das Forum Thomanum rund 4 Millionen € verbaut. Noch einmal so viel wird benötigt, um die ehemalige Aromafabrik zu kaufen. Das Areal gegenüber dem Gemeindehaus der Lutherkirche soll Sportgelände werden.
Die Modellkindergartengruppe wird sich bis zum nächsten Sommer zu einer Kita mit 100 Plätzen entwickelt haben. Schon heute gibt es über 200 Anmeldungen. Die Kita will sich über hohe Beiträge auf der einen und ein großzügiges Stipendienwesen auf der anderen Seite tragen. Ziel ist es, Mädchen und Jungen aller sozialen Schichten die Ausbildung zu ermöglichen. Es gibt sogar Familien, die einen zusätzlichen Kitaplatz finanzieren wollen.
Doch nicht auf allen Ebenen entwickelt sich der Campus positiv. Das offenbarte zuletzt die emotional bis unsachlich geführte Debatte zwischen Forum Thomanum und Thomasschule. Biller fordert Änderungen in der Schulkonzeption. Die Thomaschule, als eine Säule des Forum Thomanum, müsse sich stärker musisch profilieren. »Das wird es vermutlich nicht geben, denn über 500 Schüler sind keine Thomaner und das Forum Thomanum ist nicht Bestimmer der Schulkonzeption«, argumentiert Roman Schulz, Pressesprecher der Bildungsagentur. Inzwischen hat sich die Stadt in den Streit eingeschaltet. In diesen Tagen beginnen die Gespräche.
Oberbürgermeister Burkhard Jung hat sich bereits ausdrücklich zum Forum Thomanum bekannt: »Ich bin überzeugt, dass wir den Campus bis 2012 entwickelt haben und feiern können«, sagte er Ende Mai bei der Grundsteinlegung für die Kita. Jung sicherte unter anderem öffentliche Fördermittel des Freistaates zu.


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